Hermen, Wegweiser der Antike, Emily

Hermen, Wegweiser der Antike, Emily

Hallo, da bin ich wieder mit einem neuen eigenartig spezifischen Blogeintrag. Erstmal hoffe ich, dass ihr alle die Feiertage und Neujahr gut überstanden habt und das Jahr gut begonnen habt. 

Mal wieder habe ich einen meiner Podcasts zum Thema Antike gehört, diesmal „Ausgesprochen Alt. Der Antike Podcast“ mit der Folge #44 zum Thema Sklaverei im antiken Griechenland. Darum soll es heute aber, wie der Titel vielleicht schon verrät nicht gehen. Nein, es soll um einen Gegenstand gehen, der im Podcast kurz erwähnt wurde und durchaus interessant ist, da es heute soetwas gar nicht mehr gibt.

Die sogenannten Hermen (singl.: Herme, griechisch: Herma, Hermai, latein: mercuriae). Von diesen Objekten hatte ich zuvor noch gar nichts gehört, wobei das Wort mir von einer anderen vorherigen Recherche bekannt vorkam.

Wie ihr vielleicht von einem meiner vorherigen Einträge wisst, ist Hermes (römischer Name: Merkur) der Gott der Wege, Reisen, Übergänge, Diebe und noch sehr viel mehr. Also könnten wir daraus und dem Namen bereits schließen, dass eine Herme vielleicht etwas mit ihm zu tun hat und somit vielleicht auch etwas mit dem Reisen oder Wegen. Und genau das ist auch richtig, denn Hermen funktionieren wie Wegweiser im antiken Griechenland. Nur dass sie, wie so vieles in der Antike, auf eine besondere Art den Weg weisen. Dazu beschreibe ich erstmal wie eine gängige Herme aussieht. Stellt euch dazu einen Quader aus zum Beispiel Stein oder Terracotta vor, dieser hat dann oben einen Kopf und manchmal auch einen Oberkörper. Dies geht dann über in den Block aus dem Material. Da fragt ihr euch sicherlich nun: keine Arme? Keine Hände? Wie soll das Ding denn dann den Weg weisen. Jetzt kommt es ja noch: in der Mitte des Blocks, meist auch auf passender Höhe war ein Phallus angebracht, welcher die Richtung deutete. 

Der Kopf war in den meisten Fällen ein Kopf des Gottes Hermes, wobei später auch andere Figuren sowie Politiker als Herme genutzt wurden.

Und diese Statuen waren überall aufgestellt. Badehäuser, Bibliotheken, Staatseinrichtungen und und und. 

Etwas eigenartig ist das ja schon aus der heutigen Perspektive. Damals aber nicht. Nein. Es gab sogar einen riesigen Skandal um die Hermen, denn im Jahr 415 vor Christus verstümmelte jemand über Nacht systematisch alle Hermen Athens. Dies war mitten im Peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta und wurde von der großen Mehrheit als Drohung von Sympathisanten Spartas gedeutet. Sie beschuldigten den Schriftsteller Xenophon, welcher dies allerdings bestritt und auch anbot vor Gericht zu gehen. Die Athener beschuldigten ihn mehrerer religiöser Verleumdungen und er wurde zum Tod in Abwesenheit, da er fort auf einer Expedition war. Er starb allerdings erst lange später in Korinth.
Alle Hermen der Stadt zu verstümmeln ist natürlich wirklich ein Skandal muss man schon zugeben. Zum einen handelt es sich um Bildnisse von respektierten Personen oder eben in vielen Fällen sogar dem Gott der Wege und Reisen selbst. Wenn ich es interpretieren sollte und es sich in diesem Fall wirklich um Sparta Sympathisanten handelt könnten sie damit unter anderem Ausdrücken, die Athener von ihrem Weg abzubringen, ihnen schlechten Willen für den Aufbruch in den Krieg schicken. Disrespekt gegenüber Athens Denkern und vielleicht sogar mangelndes Wohlwollen der Götter gegenüber ihren Vorhaben.

Immer wieder sehr spannend zusehen, wie anders alltägliche Dinge in verschiedenen Zeitaltern und an verschiedenen Orten sind. Oft denke ich, dass es schon sehr cool wäre, wenn man jemanden aus einer ganz anderen Zeit interviewen könnte oder gegenseitig durch die Zeit reisen könnte und sich alles zeigen und erklären könnte, doch das wird wohl nicht möglich sein. 

Das war dann mal eine kleine Geschichtsstunde to-go mit einem sehr speziellen Thema. Ich hoffe es war trotzdem interessant für ein paar unter euch oder ich habe mich mal wieder viel zu sehr reingelesen in ein Thema. 

Unten füge ich nochmal ein Bild von Hermen ein (bei der großen Mehrheit ist das Glied allerdings nicht mehr vorhanden).

https://images.app.goo.gl/7Gs3SLW4yuLC5ZFG8


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Kommentare

Eine Antwort zu „Hermen, Wegweiser der Antike, Emily“

  1. Avatar von Mia
    Mia

    Hey Emily,
    erst mal muss ich sagen, dass ich beeindruckt bin von der Wahl des Themas für deinen Blogeintrag bin. Ich habe echt was gelernt, weil ich davor noch nie irgendwas zu den Aspekten gelesen geschweige denn gelernt habe. Außerdem finde ich richtig cool, dass du deine Idee aus einem Podcast hast, weil ich selbst ein sehr großer Fan von Podcast bin egal ob geschichtlich oder nicht:) Es ist interessant wie sich Gegenstände im Laufe der Zeit verändern und wir heute ganz andere Dinge wert schenken.
    Danke für den sehr lehrreichen Eintrag über das Antike Griechenland und seine Eigenarten.

    Liebe Grüße
    Mia

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