Umgang mit Heterogenität

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Abschlussreflexion

  1. Im Rahmen der Ringvorlesung wurden uns Studierenden diverse theoretische Aspekte aus fachdidaktischer Perspektive nähergebracht. Zentrale Erkenntnisse ergaben sich für mich, vor allem aus der dritten und sechsten Vorlesung. Zum einen die Thematisierung von Stereotypen und zum anderen von Inklusion. In der dritten Vorlesung von Barbara Roviro wurde die fachdidaktische Perspektive aus dem Fremdsprachenunterricht aufgezeigt. Im Fokus der Vorlesung war vor allem die Methodik des interkulturellen Lernens. Hierbei wurde nicht nur Bezug auf das Byram Modell genommen, vielmehr sollte das interkulturelle Lernen zentraler Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts und somit auch der Vorlesung sein. Ziel ist es, ein “intrinsisch motiviertes Verständnis, das die Relevanz interkultureller Kompetenz für den Einzelnen und für unsere Gesellschaft als wesentlich begreift.” zu erwerben. (Fäcke 2012, 17-19) Die Frage, ob “andere” Gesellschaften und Kulturen plausible Lerngegenstände im Fremdsprachenunterricht sind, wurde letztlich insofern bejaht. Im Rahmen des interkulturell kommunikativen Fremdsprachenunterrichts können diverse Gesellschaften und Kulturen Lerngegenstände sein. Sie ermöglichen lebensrelevante Bezüge und eine Lernorientierung, eine Art “gelebte Darstellung der jeweiligen Kultur”. Des Weiteren wird ein Beitrag zur Konstruktion gegenwartsbezogener Deutungsmuster geleistet und es entsteht eine kritische Auseinandersetzung mit der Aktualität. Die Schüler*innen können mithilfe dieser Methode Empathie und Verständnis gegenüber anderer Kulturen erlernen. Darüber hinaus können sie ihre Allgemeinbildung erweitern. Derartige Kompetenzen ermöglichen den kommenden Generationen ein friedliches, empathisches Miteinander. Das Heranziehen solcher jungen, gebildeten und verständnisvollen Erwachsenen, ist schließlich das zentrale Ziel jeder lehrenden Person. In der sechsten Vorlesung von Dr. Eileen Schwarzenberg wurde die Inklusion mit der Frage, ob Inklusion auch alle meine, thematisiert. Zunächst wurden diverse Begrifflichkeiten erläutert. Folglich ging es um das Inklusionsverständnis und abschließend wurde in Form diverser Statistiken der Förderbedarf der Schüler*innen in Deutschland aufgezeigt. Deutlich wurde das bisher exkludierende Konzept des klassischen Unterrichts. Mit der einerseits nötigen und andererseits herausfordernden Einbringung der Inklusion, wurden erste Schritte zur Chancengleichheit getan. Allerdings ist anzumerken, dass es noch diverse Ausbaumöglichkeiten des Konzeptes gibt und diese auch ausgeschöpft werden müssen. Lehrer*innen müssen beachten, dass alle Schüler*innen gleich behandelt werden und keiner wegen einer körperlichen bzw. psychischen Einschränkung benachteiligt oder bevorzugt wird. Dies ist in der Praxis jedoch so kaum umzusetzen. Die Gefahr, dass das Ziel der Chancengleichheit umkippt, ist in diesem jungen, ausbaubaren Konzept noch viel zu groß. Meine zentrale Erkenntnis aus dieser Vorlesung war, dass Lehrer*innen mit der Inklusion vor einer großen Herausforderung stehen. Ich persönlich betrachte die Inklusion eher kritisch, dies kann allerdings daran liegen, dass ich noch keine Erfahrungen diesbezüglich gesammelt habe. Ich bleibe offen für Anregungen und freue mich, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.
  2. Der Schulalltag wird stetig von diversen Aspekten beeinflusst. Im Rückblick auf meine eigene Schulzeit wurden Themen wie Gendersensibilität oder Inklusion nahezu ignoriert. Ich ging auf ein Gymnasium, in der ich die einzige Schülerin mit Migrationshintergrund war. Was mir nach den Vorlesungen auffiel war, mit wie vielen Stereotypen ich tagtäglich konfrontiert wurde, ohne dass es mir teilweise auffiel und auch niemand Weiteres dies bemerkte. Ferner wurde auch nicht auf das individuelle Potential geachtet, sondern permanente Leistung in jedem Fach erwartet. Auch ungleiche Notenvergabe war bedauerlicherweise ein begleitender Aspekt meiner Schulzeit. Die Notendifferenz gleicher Leistungen war enorm und ich konnte in manchen Situationen nicht gegen ankämpfen. Auch wenn Lehrer*innen offensichtlich rassistische Züge mit sich trugen, war der Zusammenhalt im Kollegium immer stärker, als der Drang zur Gerechtigkeit. Als zukünftige Lehrkraft liegt es mir deswegen besonders am Herzen, meinen Schüler*innen größtmögliche Chancengleichheit zu bieten. Ferner möchte ich ihnen Empathie und Verständnis im Bezug auf andere Kulturen, Gesellschaften und Religionen näher bringen, damit auch sie später einen Beitrag zur Gesellschaft leisten können und zu offenen und verständnisvollen Mitmenschen heranwachsen können.
  3.   Als besonders interessant empfand ich die sechste Vorlesung, in der die zentrale Fragestellung war, ob Inklusion alle meint. Die Erkenntnis, welche zentrale Rolle die Inklusion im derzeitigen Schulsystem spielt, brachte mich durchaus zum Nachdenken. Der Umgang mit Inklusion ist nicht unumstritten, umso wichtiger war es für mich im Zuge der Ringvorlesung, ein Teil des Diskurses zu sein und mich mit meinen Kommiliton*innen über Erfahrungen und Denkanstöße auszutauschen. Auch die Differenzierung verschiedener eingeprägter Stereotypen wurde in der dritten Vorlesung thematisiert. Diesbezüglich würde ich im Verlauf meines Studiums gerne mehrere Inhalte in Erfahrung bringen, beispielsweise die Hintergründe der Stereotypen, welche schon im Zuge der Kolonialisierungen entstanden sind. Ferner wäre die Thematik des antimuslimischen Rassismus in Deutschland ein großes Themengebiet, welches in der Ringvorlesung gerne angesprochen werden könnte. Denn neben dem Antisemitismus erfahren immer mehr Schüler*innen mit muslimischem Glauben oder “stereotypischen” Phänotypologien antimuslimischen Rassismus. Der Problematik, wissenschaftliche Erkenntnisse in Massenmedien aufzuklären, sollte beispielsweise mit universitärer Forschungsarbeit, entgegengewirkt werden. Darüber hinaus könnte auch das Themenfeld der direkten Diskriminierung aufgezeigt werden, nicht nur in Bezug auf den konstruktivistischen Rassismus in Bezug auf Herkunft und Glaube, sondern auch auf genderspezifische Identitäten.

 

Literaturverzeichnis:

RV03: Fäcke, Christiane. 2012. „Evaluation interkultureller Kompetenzen? Überlegungen zur Relevanz aktueller Diskurse für den Französischunterricht“, in: Zeitschrift für Romanische Sprachen und ihre Didaktik 6,1, 2012, 17-19

RV06: Hinz, A. (2002). Von der Integration zur Inklusion – terminologisches Spiel oder konzeptionelle Weiterentwicklung? Zeitschrift für Heilpädagogik,53(9), 354–361

Sander, Alfred (2004). Konzepte einer Inklusiven Pädagogik. In: Zeitschrift für Heilpädagogik. 55. Jg. Heft 5. 240-244.

Textor, A. (2015). Einführung in die Inklusionspädagogik. UTB Verlag.