Umgang mit Heterogenität

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Sind andere Gesellschaften und Kulturen plausible Lerngegenstände im Fachsprachenunterricht?

 

1. Liebe Kolleg*innen,

zu Beginn möchte ich mich bei Ihnen für die Vorstellung der Fremdsprachen bedanken. Bedauerlicherweise fiel mir auf, dass Sie sich stark an Stereotypen orientiert haben und das eigentlich möglichst vermieden werden sollte.

Viel mehr müssten Sie den SuS einen breiteren Blick auf die Länder der Fremdsprachen, die Sie vertreten, ermöglichen. Der kritische Umgang mit Stereotypen ist nicht nur für uns LuL wichtig, auch die SuS müssen einen neutralen Blick auf die Dinge werfen können, um wissenschaftlich und eigensinnig argumentieren und Gedanken entwickeln zu können. Des Weiteren ist hierbei auch die Entwicklung der SuS an erster Stelle. Mithilfe des FS-Unterrichts sollen die SuS interkulturelle Kompetenzen entwickeln, d.h. einen erfolgreichen Umgang mit anderen Kulturen. Es ist durchaus maßgebend, dass die SuS Empathie und Verständnis anderen Kulturen gegenüber entwickeln.

Hierbei möchte ich Sie auf Byrams Modell der interkulturellen kommunikativen Kompetenz, welches besagt, dass grade diese Kompetenzen bedeutsam für den FS-Unterricht sind, hinweisen. Mithilfe der grundlegenden Diskurskompetenzen, an denen sich das Modell orientiert, können Sie den SuS mehr auf den Weg geben. Gerade durch den Diskurs, sind auch die SuS gezwungen, sich kritisch mit dem Material auseinanderzusetzen.

Zukünftig möchte ich, dass wir als Kollegium diese Stereotypen vermeiden und auch unseren eigenen Horizont erweitern. Damit sich niemand ausgegrenzt fühlt und die SuS die soeben genannten Kompetenzen erlangen können.

2. Meine damalige Französisch-Lehrerin liebte Frankreich über alles. Drum hatten wir ziemlich Glück, dass wir so eine leidenschaftliche Lehrerin hatten, die uns nahezu alles über Frankreich näher brachte. Einerseits lehrte sie uns mit didaktischen Methoden die Sprache und andererseits lehrte sie uns mit ihrer Art Dinge, die weitaus über die Vorgaben hinausgingen. Beispielsweise über das alltägliche Leben, die Küche, über die verschiedensten Käse- , Wein-und Baguettesorten, die Mentalität der Franzos*innen, etc..

Hierbei lag der Fokus definitiv auf interkulturellen Kompetenzen, d.h. die Fähigkeit zu erlangen, mit Individuen anderer Kulturen erfolgreich zu agieren. Sie arbeitete kaum mit Stereotypen, viel mehr mit eigenen Erfahrungen und guten Quellen. Auch lud sie oft Menschen ein, die einen Bezug zu Frankreich hatten und wir somit einen weiten Blick darauf werfen konnten und sogar Empathie zur Sprache entwickelten.

3. Bspw. Deutsch/Religion:

Inwiefern beeinflusst Corona die religiösen Feste bzw. die religiösen Institutionen? Beispielsweise Ostern, Pessach, Ramadan, etc.. Wähle ein freies Beispiel und erläutere die Folgen in einem Essay.

4. In Kooperation mit „internationalen Projektwochen“, die manche Schulen vertreten, könnte man die SuS in Gruppen einteilen und sie über die verschiedenen vertretenen Kulturen in der Schule, wahlweise auch außerhalb, gemeinsam recherchieren und referieren lassen. Weiter bestünde die Möglichkeit, den SuS künstlerischen Freiraum zu bieten. Mit der Erlaubnis der Erziehungsberechtigten und einem zuzumutendem Alter, könnten sie Filme drehen, Plakate malen, Fotoalben von ihren Lieblingsorten gestalten und jeweils kleine Passagen dazu erklären. Auch Aufsätze oder geographische Daten könnten hierbei hinzugefügt werden.

Aus eigener Erfahrung kann ich behaupten, dass es die Motivation steigert, wenn man die Möglichkeit hat, über das eigene Herkunftsland zu berichten und die Mitschüler*innen darüber zu informieren und aufzuklären. Noch viel mehr gefiel es mir, wenn meine SuS über ihre Herkunftsländer sprachen und mein Horizont damit erweitert wurde. Das bringt Abwechslung in den sonst ziemlich stofflich-einfältigen Unterricht rein. (Hier Bezug auf das nationale Orientierungssystem).

 





3 Comments »

   Anna wrote @ Mai 8th, 2020 at 10:40

Hallo Selin,
Ich finde du hast deinen Blogbeitrag sehr gut geschrieben, in deiner Ansprache an die Kollegen*innen hast du verdeutlicht, wie wichtig ein breit gefächerter Blick nicht nur für das Wissen der Schüler*innen, sondern auch für deren Entwicklung ist. Dazu bist du auch gut auf Byrams Modell eingegangen und hast versucht es den Kollegen*innen näher zu bringen. Dazu finde ich es besonders gut, dass du am Ende deiner Ansprache noch ein Ziel für das gesamte Kollegium mit einer Begründung genannt hast.
Deine Erfahrungen im Französischunterricht hören sich wirklich sehr gut an und decken sich in großen Teilen mit meinen Erfahrungen aus dem Spanischunterricht. Auch ich hatte den Großteil meines Spanischunterrichts eine Lehrerin die mit großer Begeisterung für das Land, die Leute und die Kultur lehrte und dabei immer auch auf persönliche Eindrücke zurückgegriffen hat. Ich hatte das große Glück am Spanienaustausch meiner Schule mitzumachen und habe dort noch einmal selbst die Kultur dort kennenlernen dürfen, dabei deckte sich vieles mit dem, was unsere Lehrerin uns bereits berichtet hatte.
Die von dir gestellte Aufgabe in Aufgabe drei finde ich wirklich sehr passend, da sie breit gefächert ist und Raum gibt um allen Religionen und Glaubensformen die gleiche Bedeutung beizumessen. So ist es entgegen des nationalen Bildungssystem eine internationale Fragestellung.
Deine in Aufgabe vier vorgeschlagenen Ideen finde ich wirklich sehr gut, sie bieten den Blick über den Tellerrand und durch die kreativen Möglichkeiten des Vortrags gibt es jedem*r Schüler*in die Möglichkeit sich mit dem Thema auf seine Art und Weise zu beschäftigen. Somit ist es eine gute Erweiterung des national orientierten Bildungssystems und für viele Schüler die Möglichkeit den Umgang mit Heterogenität zu verbessern/intensivieren, in dem sie mehr über andere Kulturen und Länder lernen.
Liebe Grüße
Anna

   Selin wrote @ Mai 10th, 2020 at 18:26

Liebe Anna,

vielen Dank für dein ausdifferenziertes Kommentar!

Liebe Grüße
Selin

   Phil wrote @ Mai 11th, 2020 at 12:14

Hallo Selin,

zuallererst finde ich deinen Beitrag wirklich gelunden, Du vermittelst das Bild einer kompetenten Lehrerin, die auch auf die Belange der Schüler*innen eingeht und versucht, alle am Unterricht teilhaben zu lassen. Jetzt aber zur ersten Aufgabe: Ich habe keine Punkte, bei denen ich dir nicht zustimmen würde, die Aufgabe ist getroffen. Was ich an der Stelle besonders gut finde, ist der Gedanke, Schüler*innen durch Unterricht zu differenziert denkenden Menschen zu „erziehen“. in der zweiten Aufgabe hast Du ebenfalls das Bild einer guten Lehrerin vermittelt, nur wäre ich noch mehr auf den Konnex zur Sitzung eingegangen. Die Aufgabenstellung in der dritten Aufgabe finde ich sehr gut, da Du den Schüler*innen Platz für eigene Gedanken lässt, sie aber dennoch zu einer Aufgabe aufforderst, die das Engagement der Schüler*innen fordert. Bei der vierten Aufgabe gefällt mir, dass Du dich als Lehrer für die Herkunft der Schüler*innen interessierst, allerdings hätte ich an der Stelle auch eine alternative Aufgabe gestellt, in der sie nicht nur ihr Wissen über ihre eigene Kultur, Herkunft einfließen lassen können. Auch weil wahrscheinlich die meisten Schüler*innen immer noch aus Deutschland kommen und die Kulter und Geschichte dieser Nation den meisten bekannt sein dürfte. Aber alles in allem finde ich, wie oben schon gesagt, den Beitrag gut gelungen.

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