Abschlussreflexion

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  1. Benennen Sie die für Sie zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret Bezug auf a.) fachdidaktische Aspekte, indem Sie Erkenntnisse auf die Didaktiken ihrer eigenen beiden Fächer beziehen und b.) zwei generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht mit Bezug zu den relevanten Quellen benennen.

Unter den zentralsten theoretischen Erkenntnissen der Vorlesung BAUM-Het, steht an erster Stelle meine eigene Selbstreflexion. Die Grundlage vieler Vorlesungen war stehts die Voraussetzung, dass wir, als zukünftige Lehrkräfte, unser eigenes Handeln hinterfragen und vor allem unsere Vorstellungen, erlernte Voreingenommenheit und Stereotypendenken kritisch hinterfragen (sollten). Konkret dreht es sich um die Art und Weise, wie wir Schülerinnen und Schüler subjektiv einschätzen, aufgrund der grundlegenden Informationen, die wir über sie haben. Das können zunächst nur Äußerlichkeiten sein, wie etwa Ausstrahlung (z.B.: selbstbewusst, schüchtern), sichtbares Krankheitsbild/Beeinträchtigung, Kleidung, Hautfarbe, Religiöse Zeichen (z.B.: Kopftuch, Kreuz, Kippah) oder gelesenes Geschlecht. Darüber hinaus ändert sich unsere Einschätzung, aufgrund von zusätzlichen Informationen, die Lehrkräfte im Laufe der Zeit über die SuS bekommen könnten, darunter zum Beispiel: Herkunft, Verhalten im Unterricht (z.B.: eher unruhig, eher ruhig, eher redebedürftig), Förderbedarf, sozialer Status, Verhalten und Status in der Klasse oder schulische Leistungen. Aufgrund dieser Impulse/Wahrnehmungen erstellen wir eine subjektive Einschätzung einer Person. Dies tun wir unter anderem, weil unser Gehirn die Realität aus subjektiven Einschätzungen aufbaut und diese Einschätzungen im Alltag nicht nur hilfreich, sondern notwendig sind, um unsere Mitmenschen einschätzen zu können. Für mich als zukünftige Lehrerin ist es später wichtig, eine Einschätzung aus allen Wahrnehmungen zu gestalten, denn nur so lassen sich Noten verteilen, spezielle Unterstützung für einige Schüler*innen geben oder der Unterricht in die richtige Richtung lenken. Doch in der Vorlesung „Umgang mit Heterogenität“ wurde stetig, in unterschiedlichen Formen (u.a. oft durch das Anzweifeln der Realitätsnähe von bestimmten Stereotypen), zu einem kritischen Umgang mit diesen Einschätzungen geraten. Dieser kritische Umgang soll uns helfen, unsere ersten Einschätzungen zu relativieren und den SuS stets eine Chance zu geben, aus den Boxen, in die wir sie stecken, herauszukommen und zu beweisen, wie divers menschliche Kategorien sind. Diese Relativierung von subjektiver Wahrnehmung lässt sich auf beide meiner Fächer anwenden, Englisch und Geschichte. Spezifisch für das Fach Englisch sollte mir jedoch konkret bewusst sein, dass zum Beispiel Herkunft/Aussehen kein Faktor für Sprachsouveränität oder auch Unvermögen sein muss. Ich darf von Menschen mit Migrationshintergrund weder voreingenommene höhere oder niedrigere Erwartungen haben, sondern muss selbst erkennen, auf welchem Level sich die einzelnen SuS befinden. Im Fach Geschichte sollte mir stets bewusst sein, dass Menschen aus bestimmten Gruppen keine repräsentativen Sprecher sind, sein müssen und womöglich auch nicht sein wollen. In der Geschichte gibt es viele unterschiedliche Phänomene, Gruppierungen, Klasseneinteilungen, Rassentheorien und Gesellschaftsschichten. Doch nur aufgrund meiner subjektiven Einschätzung sollte ich nicht bestimmte Meinungen von SuS erwarten oder spezifisch Schüler*innen um eine Äußerung bitten. Ein Beispiel dafür wäre: Sollte ich wissen, dass es einen jüdischen Schüler gibt, dann sollte ich ihn weder „outen“, noch sollte ich eine Stellungnahme zu Themen wie dem Holocaust oder Nahost-Konflikt erwarten[1]. Darüber hinaus sollte ich mir bewusst sein, dass die Person mehr ist, als nur ihre Religion, die Hautfarbe oder der gesellschaftliche Stand. Dasselbe gilt zum Beispiel für Menschen mit Migrationshintergrund, die oftmals mit der Geschichte der spezifischen Länder in Zusammenhang gebracht werden, wobei hierbei auch oft Länder verwechselt oder „in einen Topf“ geworfen werden.  

Abgesehen vom Relativeren der eigenen subjektiven Wahrnehmung, sind mir durch die Vorlesung noch weitere grundlegende, erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse bewusst geworden. Darunter sind zunächst einmal simple Begriffserklärungen gewesen, die ich zuvor nicht kannte oder falsch verstand. Darunter waren beispielsweise „Mehrsprachigkeit“ (aus dem Vortrag von Prof. Dr. Andrea Daase), „doppelte Heterogenität“ (aus dem Vortrag von Prof. Dr. Andreas Klee), die unterschiedlichen Förderschwerpunkte (aus dem Vortrag von Prof. Dr. Frank J. Müller) oder auch „inkludierende Exklusion“ (aus dem Vortrag von Dr. Eileen Schwarzberg). All diese Begriffe helfen mir nicht nur im Beruf als Lehrkraft, sondern darüber hinaus auch in meinem Alltagsverständnis.

Die zweite Erkenntnis bezieht sich ebenfalls auf Begriffe, jedoch nicht auf die Definitionen oder eine Erklärung dieser Begriffe, sondern die Auseinandersetzung mit der unterschiedlichen Behaftung und unterschiedlichen Definitionen von Begriffen. Prof. Dr. Andreas Klee beleuchtete dieses Phänomen der unterschiedlichen Bedeutung eines Begriffes oder Konzeptes für unterschiedliche Personen mit dem Beispiel „Demokratie“, ein Wort mit vielen unterschiedlichen Konnotationen. Auf eine andere Weise, jedoch mit demselben Effekt auf mich persönlich, behandelte Dr. Eileen Schwarzberg das Konzept zwischen „behindert sein“ und „behindert werden“. Beide Vorträge gaben mir ein Bewusstsein für die Unterschiedliche Behaftung bestimmter begriffe und das unterschiedliche Nutzen dieser Begriffe.

[1] Ich bin mir bewusst, dass selbst dieses Beispiel ein besonders stereotypisches Beispiel ist, aber da es sich hier um Stereotypen dreht, ist es wiederum passend.


 

2. Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen, schulstrukturelle Fragen, schulkulturelle Aspekte), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen in Ihrer Wahrnehmung aus eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Praktika, Berichte aus der Praxis) den Schulalltag besonders stark – und warum? An welcher Stelle könnten Sie einzelne der unter 1 genannten Erkenntnisse zur Erklärung heranziehen?

Gender und Mehrsprachigkeit sind, meiner Meinung nach, besonders aktuelle Themen. Vermutlich hängt dies mit modernen Entwicklungen zusammen (Gesellschaftliche Sensibilität auf Zuwanderung und die damit Verbundene Mehrsprachigkeit und das zunehmend mediale Behandeln von LGBT+-Themen) und den konservativen/reaktionären Antworten darauf. Diese konservativen/reaktionären Antworten sind eng verbunden mit den subjektiven Eindrücken bestimmten Personengruppen gegenüber. Diese, wie bereits in der ersten Aufgabe besprochen, müssten hinterfragt und kritisch betrachtet werden, um Menschen zu erlauben, außerhalb bestimmter enger Kategorien zu leben.


 

3. Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium im Bezug auf das Modulthema UMHET. Bitte begründen Sie Ihre Wahl.

Es wurde zwar in den Vorlesungen in denen ich war nicht besonders angesprochen, aber ich wünsche mir einen kritischen Umgang mit dem Problem, dass es systematische, gesellschaftliche und staatliche Probleme gibt, die wir als einzelne Lehrkräfte schlichtweg nicht ändern können.

Im Bezug auf erziehungswissenschaftliche Fragestellungen aus der Vorlesung wünsche ich mir einen tieferen Einblick in den konkreten Umgang mit förderbedürftigen SuS und einem interaktiveren Umgang mit Begriffsdisskussionen/-definitionen. Letzteres interessiert mich besonders, da ich gerne auch die Ansichten meiner Komiliton*innen zu bestimmten Begriffen hören würde. Das würde nochmal verdeutlichen, dass die meisten Zuschreibungen/Begriffe oftmals subjektiv sind und gemeinsam könnte man versuchen zu erkennen, ob es Gemeinsamkeiten gibt und an welcher Stelle die Vorstellungen sich trennen.


 

4. Welche in den Vorlesungseinheiten von BAUMHET thematisierten Problematiken/Aspekte sehen Sie für sich persönlich als besondere Herausforderung? Wie könnten Sie sich, im Uni-Kontext oder auch darüber hinaus, auf diese Herausforderungen vorbereiten?

Meine eigene Wahrnehmung wird oft von meinem eigenen Rassismus geprägt. Ich versuche viele erlernte und internalisierte Vorstellungen zu revidieren und mich stets zu informieren, um stereotypisierendem Denken aus dem Weg zu gehen. Doch seit meiner Kindheit lerne ich durch Gesellschaft, durch meine Familie und durch mein Umfeld rassistische Denkweisen (was keine Entschuldigung ist oder sein soll, sondern nur eine Erklärung). Meine Gedanken sind nie aggressiv oder in sich böse, aber immer stereotypisierend und, wenn ausgesprochen, potentiell verletzend. Ich nehme beispielsweise oft an, dass nicht-weiße Personen automatisch kein Deutsch sprechen und vermutlich aus einem anderen Land kommen. Vor einer Woche ertappte ich mich bei einer rassistischen Aussage im Bezug auf eine Situation im Bus, als ich meinem Freund davon erzählte. Ich sagte „da war so ein deutscher Typ, der halt so einen Dunkelhäutigen voll sauer angesprochen hat“. In diesem Satz ist offensichtlich Einiges falsch. Mit „deutsch“ meinte ich letztendlich „den weißen Typ“, was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich „deutsch“ mit „weiß“ assoziiere. Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass ich die Situation als eine Auseinandersetzung zwischen „einem Deutschen“ und „einem Ausländer“ wahrgenommen hatte. Dabei hatten die beiden jungen Männer nur unterschiedliche Hautfarben, woraus sich per se noch überhaupt nichts schließen lässt.

Dieser Alltagsrassismus prägt, meiner Meinung nach, die Gedankenwelt vieler Menschen, obwohl die meisten es vermutlich nicht zugeben möchten. Zu einem gewissen Grad steckt natürlich immer ein Funken Wahrheit in Allem. Jedoch muss ich, wie in der ersten Aufgabe bereits erklärt, meine ersten Einschätzungen relativieren und Änderungen zulassen. Letztendlich kann ich konkret nur weiter meine alltäglichen Aussagen und Gedanken hinterfragen und an meinem Stereotypendenken arbeiten.

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