Blogbeitrag Nr. 22: Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit nimmt zu – Graphiken

Wie verbreitet ist Mehrsprachigkeit in Deutschland und der Welt eigentlich – das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn Mehrsprachigkeit ist nicht gleichzusetzen mit einer  nahezu “muttersprachlichen Kompetenz“ in mehreren Sprachen.  Mehrsprachigkeit ist von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt und unterschiedlich bedeutsam. Wie verbreitet diese sprachliche Praxis ist, wird in der Regel durch Umfragen ermittelt.

Weltweit werden fast 7000 Sprachen gesprochen – so eine Schätzung von Ethnologue. Englisch ist die Sprache, die weltweit mit ca. 1,5 Milliarden die meisten Menschen regelmäßig im Alltag sprechen – entweder als Erstsprache (Familien- oder Muttersprache) oder als außerhalb des Haushalts gelernte Zweit- oder weitere Sprache. Nicht mitgerechnet sind dabei die Menschen, die Englisch in der Schule gelernt haben, es aber nicht regelmäßig verwenden.

Was Menschen zuhause vorwiegend sprechen, wird in Deutschland im Mikrozensus ermittelt. Bei dieser regelmäßigen offiziellen Umfrage wird ein Tausendstel der Bevölkerung abgedeckt. Demnach sprechen ca. dreiviertel der Bevölkerung zuhause nur Deutsch, während in einem Viertel entweder nur oder auch andere Sprachen gesprochen werden. Dieser Anteil ist bei Kita-Kindern höher, was auf die wachsende Bedeutung von mehrsprachigen Kindern für Schulen hinweist. Die Erhebung der familiären Sprachpraxis von Kita-Kindern weist auch auf regionale Unterschiede hin: Während im Land Bremen mindestens die Hälfte der Kinder zuhause auch eine andere Sprache als Deutsch spricht, sind es in Mecklenburg-Vorpommern nur 12%.

Bemerkenswert ist die Vielzahl der gesprochenen Sprachen. Die häufigsten Sprachen sind 2023 Türkisch (14%), Russisch (12%) und Arabisch (9%), Polnisch (6%) und Englisch (6%). Dass Kinder ihre zuhause gesprochene(n) Sprache(n) in der Schule weiterentwickeln können, ist eher die Ausnahme als die Regel. Zuhause Englisch sprechende Kinder sind in einem  Englischunterricht, der keinerlei Vorkenntnisse voraussetzt, oft unterfordert, während die Kinder mit anderen Erstsprachen oft gar keinen schulischen Unterricht in ihrer Familiensprache erhalten können.

Dita Vogel

Blogbeitrag Nr. 21: Wenn Eltern die Diskriminierung ihrer Kinder in der Schule ansprechen wollen – ein Video zu Unterstützungsmöglichkeiten am Beispiel Bremen

In den Interviews im isekim-Projekt wurde auch von Diskriminierungsvorfällen in Schulen berichtet. Beispielsweise wurde eine Situation geschildert, in der einer Schülerin das Kopftuch heruntergerissen wurde. In einem anderen Vorfall wurde eine arabisch-muslimische Schülerin von einer Lehrkraft als Antisemitin bezeichnet. In solchen Fällen kann es helfen, wenn die Schule ein strukturiertes Diskriminierungsmanagement etabliert hat, z.B. einen Leitfaden oder offizielle Regeln zum Vorgehen, um den Betroffenen Sicherheit zu geben und die Vorfälle konsequent aufzuarbeiten (mehr zu einem strukturierten Beschwerdemanagement in diesem Blogbeitrag).

Oft gibt es auch Stellen, an die sich Eltern wenden können, wenn sie sich erst einmal beraten lassen wollen – z.B. migrantische Elternorganisationen, Diversity-Beauftragte, Anti-Diskriminierungsbüros und andere Beratungsstellen. Was Eltern dort erwarten können, zeigt ein kurzes Video am Beispiel Bremens.

Unter dem Video haben finden Sie einige Hinweise, wie Sie auch in Ihrer eigenen Region Beratung und Unterstützung finden können.

Es ist nicht immer einfach, in der eigenen Stadt vertrauliche Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten zu finden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat Anlauf- und Beratungsstellen in den Bundesländern für den Bereich Schule in einer Broschüre zusammengestellt.

Erste Anlaufstellen können auch die Regionalstellen des Bundeselternnetzwerkes der Migrantenorganisationen für Bildung und Teilhabe (bbt) sein.

Die folgenden Länder haben eigene Landesantidiskriminierungsgesetze verabschiedet und Landesantidiskriminierungsstellen eingerichtet:

Von Pia Grimpo und dem isekim Team