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Social Media & Studium: Motivation oder eine Vergleichsfalle?

6 Uhr.
Der sanfte Ton meines Weckers reißt mich aus dem Schlaf. Ich drücke einmal auf Schlummern, fange aber schon an, mich zu strecken und zu recken, um meinem Körper zu signalisieren, dass es Zeit ist aufzustehen.  Das Handy nehme ich erst gar nicht in die Hand. Stattdessen greife ich zu einem Buch, in dem ich jetzt die nächsten 20 Minuten lesen werde.

6:30 Uhr.
Ich stehe endgültig auf und werfe mir meinen kuscheligen Bademantel über. Die ersten Schritte führen mich ins Badezimmer, wo ich meine ausführliche Skincare-Routine durchführe und mich ruhig und bewusst für den Tag fertig mache. In Sportkleidung geht es weiter auf meine Yogamatte. Die nächsten 15 Minuten starte ich mit dem Sonnengruß in den Tag.
Nach einem Glas Zitronenwasser verlasse ich die Wohnung für eine Runde Joggen im Bürgerpark, dusche anschließend und mache mich komplett fertig.

Mit Avocado-Toast und Matcha Latte setze ich mich an meinen Schreibtisch. Ich beantworte E-Mails, schreibe ein paar Nachrichten und erstelle meine To-do-Liste für den Tag. Auch mein Journal darf nicht fehlen: ein paar Gedanken zur Selbstreflexion, ein paar Zeilen für das Dankbarkeitstagebuch.

11 Uhr.
Ich verlasse das Haus auf dem Weg in die Bibliothek. Vorher hole ich mir noch einen Coffee to go, dann treffe ich meine Freunde und wir setzen uns gemeinsam an unsere Plätze.
Gegen 15 Uhr ist Zeit für eine kurze Mittagspause mit meinem Meal Prep, bevor ich mich für weitere drei Stunden dem Lernen widme.

18:30 Uhr.

Zeit, nach Hause zu gehen, denn alle To-dos sind erledigt. Der Abend gehört der Entspannung. Auf dem Sofa angekommen, läuft meine Lieblingsserie leise im Hintergrund. Die Bilder verschwimmen, die Stimmen werden dumpfer. Meine Augen fallen zu, nur für einen Moment…

————

Als ich sie wieder öffne, liege ich noch im Bett, und dieser schrille, unangenehme Ton reißt mich aus meinen Träumereien. Der Wecker. Ich drehe mich zur Seite, drücke auf Schlummern. Einmal. Dann noch einmal. Als ich schließlich nach dem Handy greife, ist es 10 Uhr. Mist!!

Ich schrecke auf, scrolle aber noch kurz durch Social Media. Und da ist wieder einer dieser Influencer mit einer so inspirierenden Lernroutine. Mittlerweile ist es 10:30 Uhr. Ich setze nun beide Füße auf den Boden und stehe auf.

Willkommen im echten Tag – ganz ohne Filter, Schnitt und die eine perfekte Routine.

Und genau hier beginnt der Vergleich. Nicht erst in der Bibliothek oder am Schreibtisch, sondern in diesen ersten Minuten am Morgen, in denen man eigentlich noch bei sich sein könnte. Stattdessen hält man ein Handy in der Hand und sieht Menschen, die scheinbar schon alles erledigt haben, während man selbst gerade erst aufsteht. Social Media zeigt Studieren oft als eine Abfolge perfekt geplanter Routinen. Früh aufstehen, Sport, gesundes Essen, stundenlang konzentriertes Lernen. Alles wirkt mühelos, strukturiert, kontrolliert. Und obwohl man weiß, dass diese Ausschnitte nur ein Teil der Realität sind, hinterlassen sie den leisen Wunsch nach Wirklichkeit. 

Plötzlich fühlt sich der eigene Tag falsch an, noch bevor er überhaupt begonnen hat. Nicht produktiv genug. Nicht diszipliniert genug. Nicht organisiert genug. Der Druck entsteht nicht durch das, was man noch tun muss, sondern durch das, was andere angeblich schon geschafft haben. Anstatt Motivation zu schenken, führen diese Bilder oft genau zum Gegenteil. Man schiebt Aufgaben vor sich her, weil der eigene Anspruch mit jeder Minute wächst. Wenn man nicht so lernen kann wie andere, fühlt es sich an, als hätte es gar keinen Sinn anzufangen. Aus Inspiration wird Prokrastination. Dabei wird selten gezeigt, was zwischen diesen ästhetischen Momenten passiert. Die Tage, an denen nichts klappt. Die Stunden, in denen man vor dem Laptop sitzt und trotzdem nichts behält. Die Phasen, in denen Erschöpfung stärker ist als Ehrgeiz. All das bleibt meist unsichtbar. 

Und genau das sollte man sich stets vor Augen führen: Es sieht zwar ästhetisch aus, aber die Realität ist es nicht. Auch Routinen sind stark vom Menschen abhängig – nicht jede Routine passt zu jedem. Daher ist der Vergleich auf Social Media umso gefährlicher.Was man dagegen tun kann? Die eine perfekte Antwort gibt es leider nicht. Mehr Selbstachtung und Bewusstsein für das Hier und Jetzt sind aber ein guter Anfang. Auch nicht gleich morgens sich von Social Media leiten zu lassen, kann schon Großes bewirken.

Doch am wichtigsten von allem ist es, dass man am Ende eines jeden Tages sein Bestes gegeben hat. Auch wenn es einmal nur zehn Prozent waren – es war immer noch das, was man geben konnte. Und das ist schon mehr als genug! 

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