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Das Bremer Modell und die Anfänge unserer Uni

Stell dir vor, du hättest heute bei wichtigen Uni-Entscheidungen genauso viel Mitspracherecht wie deine ProfessorInnen. Klingt utopisch? Und doch war es Realität im Jahr 1971, als die Universität Bremen gerade ihre Tore öffnete. Kaum gegründet, war sie schon umstritten – schnell bekam sie durch die Presse den Ruf der „roten Kaderschmiede“. Doch was steckt hinter diesem Begriff? Und was genau hatte es mit dem Bremer Modell und der sogenannten Drittelparität auf sich?

Was war das Bremer Modell?

Als die Uni Bremen gegründet wurde, wollte man bewusst alles anders machen. Die Idee: ein Projektstudium, interdisziplinäres Arbeiten, Praxisnähe – und vor allem Mitbestimmung. Das Ganze wurde unter dem Begriff „Bremer Modell“ bekannt. Studierende sollten nicht nur „KonsumentInnen“ von Bildung sein, sondern den Unialltag aktiv mitgestalten. 

Drittelparität – Demokratie auf dem Campus

Das ausschlaggebende Element des Bremer Modells war die Drittelparität. Dahinter stand die damals populäre Idee, dass ProfessorInnen, Studierende und nichtwissenschaftliche Dienstleister in allen Gremien je ein Drittel der Stimmen haben sollten. Heißt: Bei Berufungen oder anderen hochschulpolitischen Fragen hätten Studierende genauso viel Gewicht gehabt wie ihre Lehrenden. Heute kaum vorstellbar, oder? Doch für eine kurze Weile war genau das Realität in Bremen. Allerdings hielt es nicht lange: Schon 1973 erklärte das Bundesverfassungsgericht diese Form der Mitbestimmung für verfassungswidrig. Begründung: Die Freiheit der Wissenschaft könne nicht garantiert werden, wenn Professor:innen nicht die Mehrheit in akademischen Fragen hätten. Und mit dieser Entscheidung ist das Bremer Modell dann schließlich gescheitert.

Rote Kaderschmiede – die Sicht der Presse 

Doch wie ist die ganze Aufruhr um dieses Modell in der Presse aufgenommen worden? Die Uni geriet recht schnell ins Kreuzfeuer von politischen Debatten. Vor allem konservative Stimmen bezeichneten sie als „rote Kaderschmiede“ – damit sollte gemeint sein, dass die Uni junge Menschen im linken, sozialistischen Geist „herangezogen“ hat. Dies war jedoch weniger eine Beschreibung der Realität als vielmehr eine politische Bezeichnung, die der Uni noch lange anhaftete. Das eigentliche Ziel war nicht, Studierende politisch „umzupolen“, sondern die Uni demokratischer, offener und näher an der Gesellschaft zu gestalten.

Von damals bis heute – was ist geblieben?

Auch wenn die Drittelparität scheiterte, hat das Bremer Modell Spuren hinterlassen. Die Idee von Projektarbeit, forschendem Lernen und gesellschaftlicher Verantwortung ist heute noch im Selbstverständnis der Uni Bremen zu finden. Und auch die Mitbestimmung ist nicht ganz verschwunden – nur hat sie heute andere Formen. In Fachschaften, im AStA oder in den universitären Gremien sind Studierende bis heute aktiv an Entscheidungen beteiligt. Zwar nicht mehr mit einem Drittel Stimmrecht, aber immer noch mit der Möglichkeit, Debatten anzustoßen, Veränderungen zu bewirken und den Campus mitzugestalten.

Das zeigt: Die Grundidee des Bremer Modells – Uni als Gemeinschaftsprojekt, bei dem alle Stimmen gehört werden sollen – lebt auch nach über 50 Jahren weiter, nur auf andere Weise.

Habt ihr das schon über die Anfangszeit unserer Uni gewusst? Was denkt ihr, hättet ihr als StudentInnen gerne einmal die Zeiten zum Bremer Modell miterlebt?

 

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  • https://fact-film.de/von-marx-zu-darwin-universitaet-bremen-eine-zeitreise#:~:text=Von%20Marx%20zu%20Darwin%20%2D%20Universit%C3%A4t%20Bremen%20%2D%20Eine%20Zeitreise%20(Trailer,die%20Hochschulgeschichte%20der%20Bundesrepublik%20wider.
  • https://taz.de/Gruendungsrektor-ueber-50-Jahre-Uni-Bremen/!5792892/
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