Was bleibt vom Studium – Erinnerungen jenseits des Abschlusses
„Das Studium ist die beste Zeit deines Lebens …“ – Diesen Satz oder ähnliche hört man immer wieder. Für viele klingt er nach Leichtigkeit, Neuanfang, Freundschaften fürs Leben und endlosen Sommernächten in WG-Küchen. Doch bei nicht wenigen löst er etwas ganz anderes aus: Druck. Zweifel. Vielleicht sogar Schuldgefühle. Denn was ist, wenn man dieses Gefühl so überhaupt nicht verspürt? Wenn das Studium eben nicht unbeschwert ist, sondern geprägt von finanziellen Sorgen, Leistungsdruck, mentaler Belastung oder Einsamkeit? Dennoch steckt in diesem Satz ein wahrer Kern. Auch wenn sich nicht jeder das Studium kunterbunt ausmalen kann, bleiben jenseits des Abschlusses oft viele Erfahrungen und Erinnerungen, die einen ein Leben lang begleiten. Doch was genau sind das für Erlebnisse? Was bleibt einem am Ende – außer dem Zeugnis – wirklich in der Hand? Genau darüber möchte ich heute ein bisschen philosophieren.
Es sind nicht nur die Vorlesungen und Klausuren, welche uns StudentInnen prägen und das Studium ausmachen. Viel mehr sind es die kleinen stillen Momente dazwischen – Begegnungen mit KommilitonInnen, Herausforderungen oder die ersten Male. Zum ersten Mal in die neue Unistadt ziehen, in eine eigene Wohnung oder eine WG. Zum ersten Mal den Alltag selbst strukturieren. Zum ersten Mal im Vorlesungssaal sitzen – umgeben von lauter unbekannten Gesichtern. Und dann, zum ersten Mal, nach der Vorlesung in der Mensa sitzen und mit KommilitonInnen ins Gespräch kommen. Dieses erste Mal wiederholt sich in so vielen kleinen Momenten – und jeder könnte diese Liste ganz für sich noch ewig so weiterführen. Es kommen auch viele Entscheidungen auf einen zu, bei denen man sich alleine verantwortlich fühlt. Doch so unheimlich wie diese ganzen ersten Male auch sein mögen, hat man sie erstmal hinter sich, merkt man, dass es doch gar nicht so schlimm war, und man findet an vielen Sachen auch nach und nach Gefallen, denn man wächst ein Stück weit daran. Und so kann es passieren, dass man am Ende des Studiums gewachsen ist – ohne es im Laufe der Zeit wirklich bemerkt zu haben. Das Studium ist für viele die erste Zeit im Leben, in der man richtig frei ist. Plötzlich stehen so viele Entscheidungen an, die man selbst treffen muss … Diese neu gewonnene Freiheit kann einschüchtern, aber sie ist auch ein Geschenk. Denn man lernt, Prioritäten zu setzen, sich selbst zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen und das auch für sich selbst! Und zwischen Modulen, Nebenjobs und Praktika entwickelt sich etwas, das in keinem Studienplan steht: Man lernt sich selbst besser kennen. Was liegt mir wirklich? Wie gehe ich mit Stress um? Was treibt mich an? Das Studium stellt uns immer wieder vor Fragen, auf die wir oft nicht gleich eine Antwort haben oder auf die es nicht so richtig eine gibt – aber allein die Auseinandersetzung damit formt uns schon. Und wenn dann irgendwann das Abschlusszeugnis in der Hand liegt, ist dies nicht das einzige, was bleibt. Denn sicherlich erinnert man sich weniger an die eine Note in Statistik als an das Gefühl, welches man hatte, als man mit seinen neu gewonnenen Freunden aus der Uni gemeinsame Kochabende in der Studentenwohnung gemacht hat und gemeinsam über die Zukunft philosophierte. Oder auch das erste Mal, als sich der Campus so richtig vertraut angefühlt hat.Aber auch die Studentenpartys gehören für viele mit dazu!
Vielleicht ist das Studium nicht immer die beste Zeit des Lebens – aber es ist oft eine der bedeutendsten. Eine Phase voller erster Male, kleiner und großer Lernprozesse, innerem Wachstum und persönlicher Entwicklung. Vieles davon merkt man erst später, wenn der Campus längst der Vergangenheit angehört.
Und wie ist es bei dir? Welche Momente aus deinem Studium sind dir wirklich im Gedächtnis geblieben – jenseits von Noten und Leistungsdruck?



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