Abschlussreflexion

Die Ringvorlesung BAUM-HET hat mich auf der einen Seite zum Staunen gebracht, da die Vorlesung mir Zahlen und Fakten offenbart hat, die mir vorher nicht bewusst waren. Besonders bereichernd habe ich die Vorlesungen empfunden, bei denen uns am Schluss „Tipps“ oder Denkanstöße mit auf den Weg gegeben wurden, was wir selbst als Lehrkraft besser machen können.

Da ich die Fächer Kunst und Deutsch studiere, haben mich die Vorlesungen über Deutsch als Zweitsprache oder Heterogenität im Deutschunterricht besonders angesprochen.

Der Aspekt, dass Lehrkräfte teilweise ungewollt Stereotypen generieren ist mir aus meiner eigenen Schullaufbahn noch bekannt. „Lehrerinnen und Lehrer benötigen für eine professionelle Berufsausübung eine gendersensible Perspektive und Wachsamkeit, die sie davor schützt, (unabsichtlich)  Geschlechtsstereotypen zu perpetuieren.“ (Kepser, Matthias, RV12: Interkulturelle und geschlechtersensible DeutschdidaktikHeterogenitätskategorie). Für Lehrkräfte sind Mädchen oft die fleißigen und sozialen Schülerinnen. Hingegen sind Jungs die störenden, faulen und lauten Schüler. Kepser appellierte an uns Studierende, dass es jedoch auch genau anders herum sein kannn: „Es gibt nicht nur die Leserinnen, sondern auch die Leser! Es gibt nicht nur die Computerspieler, sondern auch die Computerspielerinnen!“ (Kepser, Matthias, RV12). Ebenso interessant war der Aspekt über die Auswahl der richtigen Medien. Häufig werden Medien wie problemorientierte Literatur oder das Schreiben von Briefen aus der Perspektive einer literarischen Figur im Deutschunterricht angewandt. Diese sprechen jedoch eher die Mädchen an. In Zukunft sollten auch Medien wie Comics oder Computerspiele im Bildungsplan auftauchen, um auch Jungs anzusprechen. Denn „Literale und narrative Medien, die vor allem Jungen ansprechen, kommen in den gegenwärtigen Lehr- und Bildungsplänen so gut wie gar nicht vor“ (Kepser, Matthias, RV12).

Ich habe es für besonders hilfreich empfunden, einige Tipps an die Hand zu bekommen, wenn es um das Thema „Auf dem Weg zu einer Schule für alle“ geht. Dort wurden zum einen kommunikative Tipps gegeben, welche zum Beispiel die Kommunikation von Eltern und Lehrkraft meinen oder das Austauschen und Teilen von Unterrichtsmaterialien zwischen Kolleginnen, ehemaligen Kommilitonen und zwischen Schulen (Schulcluster). Ebenso neu für mich war aber auch die technische Möglichkeit eines besprechbaren Stifts, der das voneinander und miteinander Lernen ermöglicht.

Ein weiterer zentraler Aspekt war für mich die innere und äußere Differenzierung bezogen auf den Umgang mit Leistungsheterogenität. Die innere Differenzierung meint eine Lernumgebung, die auf die jeweiligen Leistungsniveaus angepasst wird. Dies geschieht zum Beispiel durch Zusatzaufgaben, gestufte Lernhilfen oder höhere Unterstützung durch Lehrkräfte. Die äußere Differenzierung beschreibt Zusatzangebote oder ein mehrgliedriges Schulsystem durch Niveaukurse (vgl. Kulgemeyer, Christoph RV03:  Empirische Forschung zu Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht: Felder und Maßnahmen).

In meiner eigenen Schullaufbahn ist mir rückblickend aufgefallen, dass selten mit einer inneren Leistungsdifferenzierung gearbeitet wurde. Erst in Stufe zehn wurden wir vorbereitend auf die Abschlussprüfung in Niveaukurse unterteilt. Davor gab es jedoch keine Möglichkeit der Differenzierung. Alle Schüler*innen wurden zusammen unterrichtet uns es gab selten gestufte Lernhilfen. In den meisten Fällen haben die Lehrer*innen probiert, dieses Problem durch Gruppenarbeiten zu lösen, bei denen es immer mindestens eine/n leistungsstarke/n Schüler*in pro Gruppe gab. Aus eigener Erfahrung und auch durch Eindrücke, die ich in einem Praktikum gesammelt habe, endet es meistens so, dass die leistungsstarke Person die Arbeit macht und alle anderen Kinder zuschauen und sich über eine geschenkte, gute Note freuen.

Wenn ich meine eigene Schullaufbahn mit meinen Erkenntnissen aus einem Praktikum am Gymnasium vergleiche, stelle ich eine positive Entwicklung zum Umgang mit Heterogenität fest. An meiner früheren Schule gab es für Schüler*innen immer zwei Angebote für den Religionsunterricht. Den katholischen und den evangelischen Unterricht. Schüler*innen die keiner dieser beiden Religionen angehörten, durften während dieser Zeit in einem anderen Raum Hausaufgaben erledigen oder Übungen aus einem anderen Fach bearbeiten. Ich fand es schon damals ich auch heute rückblickend sehr traurig und erschütternd, dass diese Schüler*innen auf solche Weise ausgeschlossen wurden.

In meinem Praktikum habe ich die Erfahrung gemacht, dass es einen „öffentlichen Religionsunterricht“ gab. Alle Schüler*innen haben sich gegenseitig ihre Kulturen und Religionen vorgestellt. Alle Religionen, egal wie häufig sie vertreten waren, wurden in den Unterricht integriert und thematisiert. Diese Art von Religionsunterricht stellt für mich ein positives Beispiel dar.

Zu den Fragestellungen „Interkulturelle und geschlechtersensible DeutschdidaktikHeterogenitätskategorie“ sowie „Auf dem Weg zu einer Schule für alle – gemeinsames Lernen am gemeinsamen Gegenstand oder gemeinsame Lernsituationen?“ würde ich gerne noch mehr erfahren. Da ich selber erlebt habe, dass man als Mädchen die fleißige, unmathematische Künstlerin und als Junge der unkreative Mathematiker sein muss, finde ich es umso wichtiger es in meiner eigenen Berufslaufbahn als Lehrerin anders zu machen. Ich finde es spannend und wichtig, wie man passendes Unterrichtsmaterial auswählt, ohne ein Geschlecht zu benachteiligen oder Stereotypen zu unterstützen. Ebenso fände ich es spannend, weitere Tipps und Informationen zu erlangen, die mir als Lehrerin im Schulsystem „Schule für alle“ Unterstützung leisten.

Genau diesen Punkt sehe ich auch als persönliche Herausforderung. Ich denke, dass es nicht einfach wird, als Lehrerin alle Schüler*innen gleich zu behandeln und stets darauf zu achten, dass alle Schüler*innen im Unterrichtsstoff mitkommen. Besonders herausfordernd stelle ich mir den Umgang mit Leistungsheterogenität im Bezug auf Schüler*innen mit Förderschwerpunkt vor. Diese Schüler*innen in eine „normale“ Klasse zu integrieren, gestuftes Lernmaterial anzufertigen, auf die Schüler*innen einzugehen und individuell zu fördern, stelle ich mir nicht einfach vor. Zudem aus eigener Erfahrung oft auch in solchen Fällen nur eine Lehrkraft pro Klasse vorgesehen ist. Bezogen auf mein Fach Deutsch interessieren mich im weiteren Studiumsverlauf vor allem für das Thema Mehrsprachigkeit oder Deutsch als Zweitsprache. Ich denke, dass diese Themen aufgrund der wandelnden Gesellschaft in der Zukunft noch eine viel größere Rolle spielen, als sie es jetzt schon tun.

Sicherlich ist es nicht falsch, auch später mit ehemaligen Kommillitonen oder Kollegen in Kontakt zu treten und Erfahrungen sowie ggf. Unterrichtsmaterialien auszutauschen.

Aber ich denke, dass vor allem auch Erfahrung und Motivation im späteren Lehrerberuf sehr wichtig ist. Über den universitären Rahmen hinaus beschäftige und arbeite ich deshalb schon zur jetzigen Zeit gerne mit Flüchtlingen oder Zweitsprachlern.

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