Beobachtungen aus dem 6. Constellation Hub für Systemaufstellungen in Hochschulen

Es sieht nach einem klaren Ziel aus, welches im Sinne eines guten Projektmanagements nur in kleinere Schritte zerlegt werden muss: Systemaufstellungen in Forschung und Lehre zu integrieren. Der klassische Weg dazu wäre: Veröffentlichungen, Workshops, Konferenzen. Bedeutung verschaffen über die Mittel, mit denen sich Wissenschaft immer wieder reproduziert. Die Herausforderung liegt nun allerdings darin, dass Systemaufstellungen eine Erkenntnismethode sind, die nicht einfach kognitiv zu Hause am Schreibtisch zu verstehen ist – dort, wo  Wissenschaftler/innen ihre Gutachten schreiben und ihre Texte lesen und verfassen. Systemaufstellungen verstehen nur diejenigen, die repräsentierende Wahrnehmung am eigenen Körper erfahren haben. Damit liegt die Challenge darin, eine Methode einzuführen, die aus dem Verstehensprozess einen Erfahrungsprozess macht, die neben dem Kopf für die nachvollziehbare Anwendung der Methode den Körper als Resonanzraum für Informationen braucht. Weil ich keine Vorstellung habe, wie der Weg der Wissenschaft vom Kopf in den Körper aussehen könnte, habe ich 2017 Constellation Hubs ins Leben gerufen.

Hubs sind in der Logistik Knotenpunkte, an denen Güter aus der Peripherie zusammengebracht werden, um sie dann neu zu verteilen. Hubs sind in der Innovationsforschung Sammelpunkte für Menschen, die an neuen Themen arbeiten und sich darüber austauschen, um inhaltlich etwas Neues zu finden. In Kitchen-Hubs kommen Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen, um aus den mitgebrachten Nahrungsmitteln ein ganz neues Gericht zu entwickeln. In unserem Constellation Hub kommen Menschen zusammen, die erfahren haben oder erfahren wollen, wie mithilfe von Aufstellungen der Geistesblitz gelockt werden kann. Und der Geistesblitz trifft immer den vorbereiteten Geist, der sich in seiner Thematik sehr gut auskennt. In Hochschulen gibt es viele gut vorbereitete Geister, die sich exzellent mit ihren Themen auskennen. In diesem Sinne will der Constellation Hub ein Magnet sein für die Menschen in Hochschulen, die gemeinsam einen Raum schaffen wollen, in dem Systemaufstellungen eine selbstverständliche Methode der disziplinären, der interdisziplinären und ganz besonders der transdisziplinären Kommunikation zur Gewinnung neuen Wissens und neuer Erfahrungen sein können.

Der #ConstellationHub ist offen für alle Menschen, die daran interessiert sind, Systemaufstellungen in Hochschulen zu entwickeln. Es gibt für die Treffen keine Referent/innen oder Tagesordnungspunkte. Die Gruppe arbeitet mit den Themen, die zum Zeitpunkt des Treffens für die Beteiligten relevant sind. Die Treffen dienen nicht dazu, die bekannten wissenschaftlichen Produkte wie Tagungen oder Publikationen vorzubereiten. Sie stellen vielmehr ko-kreative Räume dar, in denen Erfahrungen ausgetauscht, Mut gesammelt, Experimente gemacht und Innovationen keimen dürfen. Zu den bisherigen Treffen haben sich zwischen 15 und 25 Menschen aus Hochschulen und anderen themennahen Welten getroffen. Die Constellation Hubs fanden statt: Universität Bremen (2017), Universität Witten-Herdecke (2018), Universität Oldenburg (20187), Hochschule Ansbach (2019), Universität Hamburg (2019) und Hochschule Fulda (2020).

Nach sechs Constellation Hubs stellt sich natürlich die Frage, ob bislang bereits etwas gewonnen würde für das Anliegen, Systemaufstellungen in der Wissenschaft einzuführen. Es zeigen sich bislang keine fassbaren Konturen für die Gestalt oder Hinweise für den Weg, die entstehen wollen. Es zeigt sich gleichwohl, dass immer wieder Menschen aus der Wissenschaft mit Berater/innen und Praktiker/innen in den Constellation Hubs zusammenkommen,  um ihre Beiträge einzubringen. Eine erste Vermutung lautet deshalb: Systemaufstellungen könnten ihren Platz im transdisziplinären Raum haben, in dem Wissenschaft und Praxis gemeinsam um Erkenntnisse ringen. Diese transdisziplinären Räüume entstehen gerade an den Rändern der Systeme, wo Wissenschaft und Praxis erste Berührungspunkte haben. Vielleicht aber wird sich noch etwas ganz anderes zeigen und der Weg, den wir gerade gehen, nimmt eine unerwartete Wendung. Die Gewissheit ist indes sehr ausgeprägt, dass wir mit Systemaufstellungen die Raumsprache auch in der Wissenschaft einführen können und damit einen neuen und intuitiven Weg zu komplexeren Erzählungen der Welt bekommen.

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