1) In der Vorlesung wurde Intelligenz als eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen beschrieben. Sie unterstützt die Verarbeitung neuer Informationen und kann schulische Leistungen vorhersagen. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass Vorwissen für den konkreten Lernerfolg häufig noch bedeutsamer ist als die allgemeine Intelligenz. Vorwissen erleichtert das Verstehen neuer Inhalte, da neue Informationen an bereits vorhandenes Wissen angeknüpft werden können (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 31).

Das Verhältnis zwischen beiden Heterogenitätsdimensionen wurde in der Vorlesung dahingehend beschrieben, dass Intelligenz zwar den Wissensaufbau unterstützt, vorhandenes Wissen jedoch zunehmend wichtiger für weiteres Lernen wird. Empirische Untersuchungen zeigen, dass Lernende mit umfangreichem Vorwissen häufig bessere Leistungen erzielen als Lernende mit höherer Intelligenz, aber geringerem Vorwissen (Schmidt-Borcherding 2023, Folien 27–31).

Der Einfluss von Intelligenz und Vorwissen wurde mithilfe von Leistungs- und Intelligenztests sowie durch Vergleiche von Lernergebnissen untersucht. Die Forschung verdeutlicht, dass beide Faktoren bedeutsam sind, Vorwissen jedoch häufig den stärkeren Einfluss auf den Lernerfolg besitzt (Schmidt-Borcherding 2023, Folien 23–31).

2) In meinen bisherigen Praxiserfahrungen habe ich festgestellt, dass das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Klasse oft sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Während einige Lernende bereits über umfangreiche Vorkenntnisse verfügen, fehlen anderen wichtige Grundlagen. Dies führt dazu, dass Aufgaben unterschiedlich schnell bearbeitet werden und verschiedene Unterstützungsbedarfe entstehen. Außerdem habe ich erlebt, dass Lehrkräfte den Wissensstand einzelner Schülerinnen und Schüler teilweise falsch eingeschätzt haben. Dadurch waren Aufgaben für manche Lernende zu schwierig und für andere zu leicht. Die Vorlesung macht deutlich, dass solche Unterschiede in den Lernvoraussetzungen eine wichtige Ursache für Leistungsunterschiede darstellen und daher bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden sollten (Schmidt-Borcherding 2023, Folien 31–35; Dotzel 2021, S. 6).

 

3) Besonders überraschend fand ich die Aussage, dass Vorwissen häufig wichtiger für den Lernerfolg sein kann als Intelligenz. Daraus ergibt sich für mich die Frage, wie Lehrkräfte das Vorwissen ihrer Schülerinnen und Schüler möglichst zuverlässig erfassen können und wie Unterricht gestaltet werden muss, damit bestehende Unterschiede nicht weiter zunehmen (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 33). Außerdem stellt sich die Frage, wie adaptive Unterrichtsformen im Schulalltag umgesetzt werden können, ohne dass der organisatorische Aufwand zu groß wird. Im nächsten Praktikum könnte ich darauf achten, wie Lehrkräfte den Wissensstand ihrer Klassen erfassen und welche Maßnahmen sie nutzen, um auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu reagieren. Das Angebots-Nutzungs-Modell verdeutlicht dabei, dass Lernerfolg nicht allein vom Unterrichtsangebot abhängt, sondern auch von den individuellen Voraussetzungen der Lernenden (Dotzel 2021, S. 6-8).

 

4) Nach Weinert (1997) kann eine passive Reaktion auf Heterogenität darin bestehen, allen Schülerinnen und Schülern dieselben Aufgaben zu geben. Eine substitutive Reaktion wäre die Einteilung in unterschiedliche Leistungsgruppen. Aktiv reagiert eine Lehrkraft beispielsweise durch zusätzliche Hilfestellungen während der Arbeitsphase. Proaktiv handelt sie, wenn bereits bei der Unterrichtsplanung unterschiedliche Materialien und Aufgaben für verschiedene Leistungsniveaus vorbereitet werden (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 34).

Nach Leutner (1992) können Anpassungen an den Lernzielen, den Lehrmethoden oder der Lernzeit vorgenommen werden. Beispielsweise können leistungsstärkere Lernende vertiefende Aufgaben bearbeiten, während andere zunächst Grundlagen festigen. Ebenso können unterschiedliche Methoden oder zusätzliche Bearbeitungszeiten eingesetzt werden, um den verschiedenen Lernvoraussetzungen gerecht zu werden (Schmidt-Borcherding 2023, Folie 34).

 

Literatur:

Schmidt-Borcherding, F. (2023): Die kognitiven Dimensionen von Lernerfolg: Intelligenz vs. Vorwissen. Ringvorlesung BIPEB „Umgang mit Leistungsheterogenität“, Vorlesungsfolien, Universität Bremen.

Dotzel, S. (2021): Angebots-Nutzungs-Modell der Wirkungsweise des Unterrichts aus: Leistungsbezogene und sprachliche Heterogenität in der Schule und deren erwartete Effekte auf die Leistung von Schüler*innen. Universität Mannheim. 

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