Heterogenität als Merkmal der Gesellschaft und Herausforderung für die Schule

 In einer Schulklasse von heute sitzen für gewöhnlich 20 bis 25 Schüler/innen, von denen in Bundesländern wie Bremen und Berlin mindestens die Hälfte der Schüler/innen einen Migrationshintergrund hat. Aber auch körperlich und geistig eingeschränkte Schüler/innen werden längst nicht nur in diesen beiden Bundesländern in die normale Schulklasse integriert. Dies sind nur einige Beispiele dafür, dass die Schulklassen in Deutschland nicht homogen, sondern heterogen sind. Das bedeutet, dass die Lehrkraft nicht mehr nur auf ein und dieselbe Weise routiniert unterrichten kann. Sie muss sich vielmehr den zunehmend heterogenen Klassen anpassen, sei es bezüglich der unterschiedlichen Kulturen und Religionen, sei es in Bezug auf mögliche körperliche Einschränkungen, die es den Betroffenen schwerer machen, dem Unterricht zu folgen.

 

Man spricht vom Konstruktionscharakter der Heterogenität, weil Heterogenität von dem gesellschaftlichen Denken und Handeln abhängt und sich je nach Zeit verändern kann. Das heißt, Heterogenität wird ständig und je nach Gesellschaft neu „konstruiert, ist also nicht gleich bleibend, sondern muss konstruiert werden.

 

In meiner Schulzeit habe auch ich Erfahrungen mit Heterogenität und dem Umgang der Lehrenden damit sammeln können. In meiner Heimat wurde anders als in Deutschland beispielsweise keine Rücksicht auf körperliche Einschränkungen genommen. Stattdessen wurden diese Schüler/innen separat unterrichtet.

Auch auf sprachlicher Ebene wurden verschiedene Muttersprachen nicht berücksichtigt. Arabisch war als einzige Sprache vorgeschrieben, was bedeutete, dass alle anderen Sprachen verboten waren. Deshalb fühlte auch ich mich benachteiligt, als ich in die Schule kam und nur Kurdisch sprechen konnte. An dieser Stelle aber förderte die Institution Schule, die kurdisch stämmigen Schüler/innen nicht extra, sondern überließ es ihnen privat und selbstständig, die offizielle Schulsprache „Arabisch“ zu lernen.

 

 

Sipan Abbas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert