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RV14: Abschlussreflexion

In meiner folgenden Abschlussreflexion des Seminars werde ich zu den mir gestellten Fragen Stellung nehmen:

1.) Benennen Sie die für Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene ) theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich als besonders prägnant mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret sowohl Bezug auf:
a.) die unterschiedlichen, fachdidaktischen Aspekte und übertragen Sie diese in der Ringvorlesung gewonnenen Erkenntnisse auf die Didaktiken der von Ihnen studierten Fächer. Beziehen Sie sich hierbei auch auf didaktische Erkenntnisse mindestens eines Fachs, das Sie nicht selbst studieren.
b.) generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht.

Zunächst ist anzumerken, dass mir im Verlaufe der Vorlesungen von Woche zu Woche klarer geworden ist, in welcher Vielschichtigkeit und Alltäglichkeit der Umgang mit Heterogenität in dem Berufsfeld der Lehrkräfte auftritt, und welche tragende Rolle er einnimmt. Heterogenität im Klassenzimmer zeigt sich vor allem durch die Vielfalt der Interessen, körperlichen Entwicklungen, geistig-sozialen Fähigkeiten, kulturellen Milieus und Muttersprachen der Schülerinnen und Schüler.                                                                                        Im besonderen Maße hat mich der häufig auftretende Wunsch nach Inklusion interessiert und beschäftigt. In der Schule bedeutet Inklusion, dass alle Schüler*innen mit und ohne Förderbedarf gemeinsam lernen. Die Forderung nach Inklusion ist jedoch laut Greiner (2019) mit einigen Dilemmata verbunden.                                                            So beschreibt beispielweise das Kategorisierungsdilemma, dass Schüler*innen individuell beurteilt und eingeschätzt werden, um ganz persönlich zugeschnittene Aufgaben und Lernziele zu erhalten. Diese Individualdiagnostik kategorisiert Schüler*innen mit ähnlichen Verhaltensweisen und Leistungsfähigkeiten. Eventuelle Abwertungen der SuS mit sichtbar vermehrtem Förderbedarf sind dabei nicht auszuschließen.                                                                                 Dies geht einher mit den Erkenntnissen von Nadine Rose und Anna Gerkmann, welche betonen, dass Schüler*innen sich selbst untereinander als leistungsstark und leistungsschwach einteilen. Diese Omnipräsenz von Leistungsbewertung führe zu Zuschreibungen wie „Aktivere“ und „Zurückhaltendere“ Schüler*innen, was Rollenverteilungen verstärke.

Die für mich zentrale Erkenntnis ist, dass Heterogenität in Form von ganz unterschiedlichen Attributionen Alltag in unseren Klassen ist. Ich nehme für mich mit, ein gutes Verhältnis aus individuellen Lernwegen und der Förderung gemeinsamer Bezüge unter den SuS zu erreichen.

Da ich Germanistik und Geschichte studiere, hat mich die Vorlesung 11: „Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der Gymnasialen Oberstufe“, sowie die Vorlesung 08: „Heterogenität und Inklusion im Deutschunterricht“ besonders angesprochen, da ich einige fachdidaktische Erkenntnisse sammeln konnte.                                                                                                  In den sehr textlastigen Fächern ist es von hoher Bedeutung, die zahlreich verschiedenen Textarten, wie z.B. das Gedicht, die Rede, der Brief oder ein informativer Sachtext alle nicht nur flüssig zu lesen, sondern selbstverständlich auch verstehen zu können, um anschließende Aufgaben und Interpretationen zu tätigen. Im Zuge der heterogenen Klassenverbände, mit besonderem Blick auf die unterschiedlichen Muttersprachen der SuS, ist es zum Teil unzureichend, die Texte einfach nur in deutscher Sprache auf Papier gedruckt auszuhändigen.                                                                    Mir ist klargeworden, dass ich als angehender Lehrer mehr Rücksicht auf andere Sprachen nehmen werde, und den Einbezug von gesprochenen Sprachen meiner SuS vorantreibe. So können den Schüler*innen schriftliche Quellen neben der deutschen Übersetzung auch eine anderssprachige Übersetzung beigelegt werden. Ebenso empfinde ich es als sinnvoll, auch das sog. Codeswitching zuzulassen. Sinnvoll ist es, sich als Lehrkraft immer wieder selbst zu hinterfragen, wie man Mehrsprachigkeit im Unterricht nutzen kann und sie nicht als Sonderfall zu stigmatisieren.

Außerdem sind mir die Erkenntnisse der Vorlesung 5, welche sich mit den mathematischen Leistungsunterschieden beschäftigte, nachdrücklich im Gedächtnis geblieben.                                              In meiner Schulzeit wurde der Mathematikunterricht fast ausschließlich als Frontalunterricht gestaltet, was für meinen persönlichen Lernprozess häufig nicht förderlich war. Wir Schüler*innen mussten immerzu stumpf den Rechnungen der Lehrkraft an der Tafel folgen. Umso spannender finde ich den Ansatz, dass Spielen im Mathematikunterricht, angesichts der bestehenden Leistungsunterschiede, eine hilfreiche Option darstellt.                      Der unmittelbare Leistungsdruck des Frontalunterrichts entweicht, während gleichzeitig Kommunikation und entdeckendes Lernen gefördert wird.                                                                                Sollte man die verschiedenen Phasen des Lernens nach Timo Leuders (2009) beachten, können SuS über den gemeinsamen Spieleprozess zu eigenständigen Erkenntnissen kommen.

 

2.) Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen, schulstrukturelle Fragen, schulkulturelle Aspekte, Lehrer*innenhandeln)), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen im Rückblick auf ihre eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Berichte aus der Praxis, ggf. auch schon eigene Praxiserfahrungen) den Schulalltag besonders stark – und warum? Hier können Sie aus Ihrer Sicht besonders gelungene oder auch weniger gelungene Beispiele geben. Inwiefern helfen Ihnen die Inhalte der Vorlesung, eine solche Einschätzung vorzunehmen? Nehmen Sie konkret Bezug auf entsprechende Begriffe, Theorien, Konzepte, die Sie jetzt kennengelernt haben.

Durch die Vorlesung habe ich zudem auch einen erweiterten Blick auf die Institution Schule erhalten. So ist mir klargeworden, dass unser Bildungssystem auf struktureller sowie inhaltlicher Ebene immer noch sehr national orientiert ist. Dies hatte ich zuvor aus der Sicht des Schülers nur sehr bedingt wahrgenommen.

SuS werden mit nationalen Werten und Normen vertraut gemacht, was durchaus legitim ist. Dennoch ist eine nationalstaatliche Orientierung des Bildungssystems ist in diesem Ausmaß lange nicht mehr zeitgemäß, denn transnationale, familiäre Bindungen und Migration als prägende Kraft der Gesellschaft sollten auch im schulischen Rahmen eine wichtige Rolle spielen.

Aus meiner Schulzeit kann ich sagen, dass einige Lehrkräfte Mitschüler*innen aus geflüchteten Familien, welche grade erst zu uns gestoßen waren, leider kaum als ernsthafte Teilnehmer des Unterrichtsgeschehens wahrnahmen. Oftmals wurde kaum ein Versuch unternommen, diese in den Unterricht mit einzubeziehen. Sicherlich ist das Thema Migration immer noch als Herausforderung für Schulen zu betrachten, dennoch würde ich mir eine deutlich aktivere Beschäftigung mit dem Thema grade innerhalb der Schule wünschen. So würde das Verstehen von differenzierten Gründen der Migration und der überregionalen Auseinandersetzung mit diesem alltagsrelevanten Bereich hoffentlich das Bild eines negativ konnotierten Begriffs beseitigen.

3.) Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium im Bezug auf das Modulthema UMHET? Welche haben Sie vermisst? Bitte begründen Sie Ihre Wahl.

Zum einen habe ich den Eindruck, dass sich bei vielen Mitmenschen immer häufiger wieder oberflächliche Vorurteile und Stereotypen verankern. Voreilige Zuschreibungen werden jedoch der „zugeschriebenen Person“ keineswegs gerecht.

Im Zuge unserer Vorlesungen wurden wir mit dem begriff des „Doing Culture“ vertraut gemacht. Hierzu würde ich gerne aufbauend mehr über den Umgang mit stereotypischen Zuschreibungen erlernen, sollten diese von SuS getätigt werden. Warum geschehen sie? Wie reagiere ich als Lehrkraft auf Alltagsrassismus? Wie kann ich als Lehrkraft zudem Ausgrenzung und Mobbing entgegenwirken?

Zum anderen würde ich mich nun freuen wenn wir, nachdem wir in diesem Seminar viele Einblicke in das sehr breite Feld der Heterogenität im Schulalltag bekommen haben, konkret kennenlernen, wie die Schulen in alltäglicher Praxis mit dieser Thematik umgehen. Dabei würde ich es spannend finden, wenn man Konzepte aus verschiedenen Ländern und Schulformen vergleicht, um sich ein breites Bild bilden zu können, wie unterschiedlich mit Vielfalt umgegangen wird. Besonders interessiert mich, wie der Versuch nach gleichen Bildungschancen und Voraussetzungen getätigt wird.

 

 

 

Eine Antwort auf „RV14: Abschlussreflexion“

Lieber Nico,
ihre Abschlussreflexion verweist darauf, dass Sie ifür ihre beiden Fächer Deutsch und Mathematik viele Impulse aus der Vorlesung aufgenommen haben, denen sie im weiteren Studienverlauf und zukünftig auch als Lehrer nachgehen wollen. Der sensible Umgang mit Mehrsprachigkeit ist mir dabei besonders als Perspektive aufgefallen, die ihren Schüler*innen sehr nutzen wird.
Wenn Sie Interesse am Umgang anderer Bildungssystemkontext mit Schüler*innen mit (familiärer) Migrationserfahrung haben, dann empfehle ich einen Blick auf die website meines Forschungsprojektes TraMiS, das neben Kanada Einblicke in Schweden, USA, Italien mit sehr konkreten Beispielen aus Schule und Unterricht gibt.
Bestanden.
Yasemin Karakasoglu

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