„Sprachliche Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht – eine Herausforderung oder eine Chance?

 

Sprachliche Heterogenität ist in meinen Augen unabhängig von dem Fach immer sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance.

Die fachspezifischen Begriffe im naturwissenschaftlichen Unterricht finden meist auch nur in diesem Kontext Gebrauch und besitzen bezüglich des Alltags unterschiedliche Bedeutungen. Dies ist nicht nur für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache verwirrend. Kinder erschließen sich ihre Welt indem sie selber forschen, nachdenken und in Interaktion mit anderen Kindern treten. Für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache könnte dies schwierig werden, wenn ihr Wortschatz im Deutschen noch nicht ausreicht um diese Begrifflichkeiten und Bedeutungen zu verstehen. Um nun alle SchülerInnen bestmöglichst zu fördern, ist es Aufgabe der Lehrkraft die Vermittlung der Lerninhalte so differenziert zu gestalten dass die unterschiedlichen Lernniveaus, Lernstile und Lerntempi der SchülerInnen berücksichtigt werden. Unverständliche Begriffe könnten leicht visuell verdeutlicht werden,beispielsweise anhand von Bildern. Da die Begrifflichkeiten und Phänomene im naturwissenschaftlichen Unterricht aber oft abstrakt und komplex sind, ist es eine Herausforderung für die Lehrkraft Material herzustellen, welches jedem Kind die Möglichkeit bietet die Themen zu verstehen. Aus dieser Herausforderung für die Lehrkräfte bietet sich aber auch eine Chance für die SchülerInnen. Es gibt keine einheitlichen Lehr- und Lernmaterialien. Der Themenkomplex wird individuell differenziert, sodass jedes Kind die Chance hat dem Unterricht zu folgen.

Sprachliche Heterogenität kann für den Schüler/ die Schülerin selbst auch eine Chance sein. Während sie Begriffe aus dem naturwissenschaftlichen Kontext auf Deutsch nicht verstehen, könnte es aber sein, dass dieser Termini schon in der Erstsprache vorhanden ist und somit ein positiver Transfer stattfindet.

 

Alternativ 2: Interviewen Sie eine/n Grundschullehrer/in zu deren Erfahrungen in sprachlich gemischten Grundschulgruppen. Fragen Sie nach einer guten und einer schlechten Erfahrung im Unterricht, die sie mit einem/r zweisprachigen Schüler/in gemacht haben. Wie hat der/die Lehrerin auf die Situation reagiert? Hält er/sie seine/ihre Reaktion für angemessen und mit welcher Begründung?

Bezüglich dieser Aufgabe habe ich den Klassenlehrer einer vierten Klassen befragt. Er begleitet die SchülerInnen dieser Klasse schon seit der ersten Klasse und greift daher auf Erfahrungen der ersten Schuljahre zurück. In der Klassengemeinschaft befinden sich 23 SchülerInnen aus unterschiedlichen Herunftsländern, wie zum Beispiel der Türkei, Russland und Polen. Größtenteils befinden sich in dieser Klasse allerdings Kinder mit Deutsch als Muttersprache.

Positiv ist ihm aufgefallen, dass die SchülerInnen sich alle bezüglich der Lerninhalte aber auch auf sozialer Ebene unterstützen. Leistungsschwachen Kindern wird dabei geholfen, Aufgabenstellungen zu verstehen. Diesbezüglich ist dem Lehrer aufgefallen, dass die Kinder hierbei sehr kreativ vorgehen. Sie erklären und verdeutlichen die Aufgabenstellung beispielsweise im Fach Mathematik anhand von Gegenständen und versuchen die Aufgabe so visuell nachzustellen. Dies brachte den Lehrer dazu, die mündlich gestellten Aufgaben in Mathe soweit es möglich ist, immer visualisiert darzustellen. Ein weiteres positives Beispiel, welches wie der Lehrer sagte zwar nicht für das Unterrichtsgeschehen selber wichtig war, aber dennoch zeigt, dass die SchülerInnen über Sprache nachdenken und diese vergleichen ist, dass ein Schüler mit Erstsprache Türkisch im Rahmen des Artikelerwerbs im Deutschunterricht anmerkte, dass es im Türkischen keine Artikel gäbe. Dies nahm der Lehrer zum Anlass im Rahmen einer Projektwoche, die unterschiedlichen Sprachen mit ihren Regelhaftigkeiten und Kulturen zu behandeln. Dieses Projekt habe, so der Lehrer, sowohl die Klassengemeinschaft gestärkt als auch die SchülerInnen für andere Kulturen und sprachliche Barrieren sensibilisiert.

Negative Erfahrungen hat der Grundschullehrer nicht explizit mit einem zweisprachigen Schüler/in gesammelt. Ihm fiel lediglich auf, dass die Elternarbeit aufgrund der sprachlichen Barrieren zu Beginn sehr schwierig war. Aus diesem Grund bat er Eltern anderer SchülerInnen, die ebenfalls über die gleiche Erstsprache verfügen um ihre Unterstützung. So konnten die Inhalte während eines Elterngespräches übersetzt und neue Kontakte geknüpft werden.