Englischunterricht zwischen Selektion und Inklusion
1. Reflektieren Sie, inwiefern Ihr eigener Englisch– (bzw. Fremdsprachen–)Unterricht funktionale und formale Aspekte beinhaltete.
Die ersten Jahre meines Englischunterrichtes waren sehr Vokabel lastig. Der Schwerpunkt lag weniger bei den funktionalen, kommunikativen Kompetenzen, mehr bei den formalen Kompetenzen. Um uns ein grundlegendes Wissen zu vermitteln, haben wir wöchentliche Vokabelteste geschrieben, die in verschiedene „Units“/Einheiten aufgeteilt waren. Diese Einheiten betrafen verschiedenste Thematiken, die zeitweise wechselten. Mithilfe dieser Vokabeln haben wir dann Texte gelesen, die genau diese Wörter beinhalteten. Somit konnten wir uns den Text leichter erschließen. Zusätzlich ging es sehr viel um die englische Grammatik. Meines Erachtens fehlte uns hier die Möglichkeit, die erlernte Grammatik in die Praxis umzusetzen. Man lernte jegliche Regeln und Ausnahmen, aber so richtig verfestigt hat man das nicht. Zum Ende der Sekundarstufe I wechselte der Schwerpunkt nun auf das Lese- und Hörverstehen und nicht zuletzt auf das Sprechen. Hier trafen nun die erworbenen Grammatikinhalte auf die Sprachanwendung. Ab diesem Zeitpunkt wurden mir meine eigentlichen Defizite deutlich, denn die Umsetzung des erlernten Wissens in die Praxis fiel mir schwer.
In der Oberstufe legte man vermehrt den Schwerpunkt auf die funktionalen Aspekte. Es ging sehr viel um den kreativen Umgang mit der Sprache. Deutlich wurde das durch regelmäßige Projekte und Referate. Wir beschäftigten uns auch sehr viel mit verschiedenen Lektüren, hierbei war es unserer Lehrkraft wichtig, dass wir die Wörter richtig aussprechen. Die größte Wissensbereicherung erfuhr ich durch einen Schüleraustausch nach England. Dort war man eben der Praxis „ausgesetzt“. Der Austausch ermöglichte eine enorme Erweiterung meiner Sprachkenntnisse. Diese Erfahrung lehrte mich dem, dass die funktionalen Aspekte so viel ausmachen können (natürlich braucht man auch die formalen Kenntnisse).
Völlig außer Acht gelassen wurden die formalen Aspekte im Abitur jedoch nicht. Es gab hin und wieder Einheiten, wo wir dann auf die Grammatik näher eingegangen sind. Einen weiteren wichtigen Aspekt stellten auch die sprachlichen Mittel dar.
2. Diskutieren Sie davon ausgehend,
2.1. welche Fähigkeiten ein „guter Fremdsprachenlerner“ in Ihrer Schulzeit mitbringen musste und
Generell ist ein Fremdsprachenlerner umgeben von verschiedenen Variablen, darunter fallen zum Beispiel: demographische Variablen, Persönlichkeitsvariablen, kognitive, motivationale und affektive Variablen sowie Merkmale der Lernsituation (Unterrichtsklima) (Apeltauer, 2001, S.187). Um ein „guter“ Fremdsprachenlerner zu sein, müssten diese Variablen „positiv“ ausfallen. Denn jede einzelne Variable stellt eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen dar. Ich glaube, dass vor allem auch das Motiv/die Motivation für das Fremdsprachenlernen von großer Bedeutung ist, denn: „The term motivation refers to a system of rewards or incentives that can have a positive impact on […] the effectiveness of developing skills and abilities.“ (Atashova & Dzholdasbayeva, 2022, S.209). Aus diesem Grund denke ich, dass die Schüler*innen ein gewisses (Vor-)Interesse mitbringen müssen, um die Sprache erfolgreich zu erlernen.
2.2. inwiefern dies den heutigen curricularen Vorgaben in Bremen (Fokus auf interkulturelle kommunikative Kompetenz) entsprechen würde.
Der Englischunterricht der Oberschule hat die Förderung der kommunikativen Kompetenzen und die der interkulturellen Handlungsfähigkeit zum Ziel. Wichtig hierbei ist auch der praktische Anwendungsbezug. Die funktionalen kommunikativen Kompetenzen beinhalten beispielsweise:
- Das Hörverstehen
- Das Leseverstehen
- Das Schreiben
- Die elementaren Formen der Sprachmittlung
Der kommunikationsorientierte Part steht in abhängiger Beziehung zum erworbenen Grammatikinhalt der SuS.
Auf der anderen Seite geht es um die interkulturellen Kompetenzen, welche die Wahrnehmung und Analyse fremdkultureller Perspektiven beinhalten (Senatorin für Bildung und Wissenschaft, 2010, S.5-7).
Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass mir die oben genannten Kompetenzen, während meiner Schulzeit, vermittelt wurden. Gerade weil ich im Sprachprofil war, wurde viel Wert auf die genannten Kompetenzen gelegt. Dies äußerte sich in unterschiedlichen Projekten. Ich, als Schülerin, durfte dadurch einen großen Anteil an Praxiserfahrung erleben. Besonders durch das Musical Projekt mit einer englischen Theater-High-School, erfuhr ich den Aspekt der interkulturellen Kompetenz nicht nur durch ein Schulbuch, sondern durch die (reale) Erfahrung.
Quellenverzeichnis:
Apeltauer, E. (2001). Bettina Mißler: Fremdsprachenlernerfahrungen und Lernstrategien. Eine empirische Untersuchung. Deutsch als Fremdsprache, 3. https://doi.org/10.37307/j.2198-2430.2001.03.15, S. 187.
Atashova & Dzholdasbayeva (2022). The role of motivation in teaching foreign languages. S. 209.
Senatorin für Bildung und Wissenschaft (2010). Englisch. Bildungsplan für die Oberschule. Bremen: Selbstverlag, S. 5-7.