Abschlussreflexion
- Benennen Sie die für Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene, gerne auch mehr) theoretischen Erkenntnisse (auf allgemeine Konzepte oder empirische Studien aufbauend), die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei Bezug auf:
a.) unterschiedliche fachdidaktische Aspekte. Übertragen Sie, wenn möglich, die in der Ringvorlesung gewonnenen Erkenntnisse auf die Didaktiken der von Ihnen studierten Fächer.
Die Vorlesungsinhalte dieses Seminars haben mir dabei verholfen neue Erkenntnisse zu gewinnen. Verdeutlicht wurden verschiedenste Einblicke in das Themenfeld der Schule, des Unterrichts und des Lehrer*innenberufs. Gerade die Bearbeitung von Fallbeispielen hat mir lösungsorientiertes Denken nähergebracht: die Aufmerksamkeit auf Chancen und Alternativen zu lenken. Auch die Fähigkeit Dinge zu hinterfragen und Entscheidungen zu treffen sind Kernkompetenzen, welche sich durch erziehungswissenschaftliche Vorlesungen, wie diese, fortentwickeln.
Die erste zentrale Erkenntnis, die ich aus dem Vortrag von Andrea Daase gewonnen habe, ist der Stellenwert von Mehrsprachigkeit in der schulischen Bildung. Sprachliche Heterogenität ist innerhalb einer Gesellschaft völlig normal (vgl. Fürstenau, Gomolla, 2011, S.26) und trotzdem reagiert das deutsche Bildungssystem unzureichend darauf (vgl. Mordellet-Roggenbuck, Raith, Zaki, 2021, S.90). In der individuellen Mehrsprachigkeit steckt Potential, welches nicht nur lebensweltlich, sondern auch in den Bildungsinstitutionen entfalten werden kann (vgl. Fürstenau, Gomolla, 2011, S.34).
Als angehende Lehrkraft erachte ich es für notwendig interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, um sich bewusster den Anforderungen der sprachlichen Heterogenität in der pädagogischen Arbeit zu stellen (vgl. Mordellet-Roggenbuck, Raith, Zaki, 2021, S.91). Ein wichtiger Aspekt, den ich bezüglich dieses Themas für mich und meinen zukünftigen (Deutsch)-Unterricht der Vorlesung entnehmen konnte, ist Sprachheterogenität nicht als Barriere anzusehen, sondern als Ressource, aus der man Vorteile und Möglichkeiten schöpfen kann (vgl. Daase, 2023, S.39).
Eine Parallele zu meinem zweiten Studienfach Religion: Neben der sprachlichen und kulturellen Heterogenität, existiert auch die religiöse Heterogenität. Ich denke, dass Religionsunterricht in der Schule Raum dafür bietet sich selbst besser wahrzunehmen und mehr über die Vielfalt und Einzigartigkeit anderer Menschen (Religion, Kultur) zu lernen. Es geht hauptsächlich also um die Identitätsentwicklung der Kinder und Jugendlichen (vgl. Müller, 2012, S.43).
Auch durch das Thema Inklusion konnte ich vieles Neues lernen. Gerade durch die Erzählungen der Erfahrungen von Amelie Gerdes und Silas Palkowski ist mir bewusst geworden welche Hürden das Thema mit sich bringt. Ich habe gelernt, dass Inklusion uns alle etwas angeht (vgl. Heimlich, 2019, S.13). Denn den Anspruch einer inklusiven Gesellschaft und die eines inklusiven Bildungssystems in die Tat umzusetzen, bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung (vgl. Heimlich, 2019, S.14). Neu war mir das Bremer Schulgesetz. Denn die Bremischen Schulen haben den Auftrag, sich zu inklusiven Schulen zu entwickeln (vgl. Köbsell, 2023, S.45). Ich persönlich lege Wert darauf ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen, da es mir zuvor auch nicht klar war.
b.) generelle Erkenntnisse zur Beziehungsarbeit in Schule und Unterricht.
Bitte benennen Sie für Aufgabenteil 1 konkret mindestens zwei relevante Literaturquellen (Namen, Jahr, Titel). Hinweis: Die Vorlesungsfolien stellen keine Literaturquellen dar. Sie können jedoch gerne auf die Literatur zurückgreifen, auf die auf den Folien verwiesen wird.
Aus den Erzählungen der Mütter von Amelie und Silas ist mir folgende Erkenntnis besonders im Gedächtnis geblieben: Die Bedeutung des Dialogs zwischen Lehrkräften und den Eltern. Ich bin der Meinung, dass ein guter Kontakt und der regelmäßige Austausch zwischen Elternhaus sowie ein wertschätzender, offener und respektvoller Umgang miteinander ein wichtiger Schlüssel für das Gelingen der inklusiven Beschulung sind. Nicht nur gegenseitige Erwartungshaltungen lassen sich in gemeinsamen Gesprächen klären, sondern sie können auch dabei verhelfen, jegliche Befürchtungen/Ängste abzubauen. Ziel des Ganzen ist es eine gute Umgebung für die Entwicklung und für das Lernen des Kindes zu schaffen. Und das kann nur gelingen, wenn beide Seiten am selben Strang ziehen.
- Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen/-strukturen, schulkulturelle Aspekte, Handeln von Lehrkräften), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen im Rückblick auf ihre eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Berichte aus der Praxis, ggf. auch schon eigene Praxiserfahrungen) den Schulalltag besonders stark – und warum? Hier können Sie aus Ihrer Sicht besonders gelungene oder auch weniger gelungene Beispiele reflektieren. Inwiefern helfen Ihnen die Inhalte der Vorlesung, eine solche Einschätzung vorzunehmen? Nehmen Sie konkret Bezug auf entsprechende Begriffe, Theorien, Konzepte, die Sie jetzt kennengelernt haben.
Mir ist klar geworden, dass die Umsetzung von Binnendifferenzierung in der Unterrichtspraxis eine stetige Herausforderung für die Lehrkräfte darstellt. Hinzu kommen der Alltagsdruck, zeitliche begrenzte Ressourcen und der stetige Innovationsdruck. Im Folgenden werde ich Stellung zu meiner eigenen Schulzeit nehmen und diese anhand der neuen Erkenntnisse reflektieren.
Zum Verständnis meiner schulischen Laufbahn: ich habe mein Abitur an einer Berufsschule absolviert. Somit bestand meine Klasse zum größten Teil (bestimmt zu 90%) aus Oberschulabgängern. Auch ich habe zuvor eine Oberschule in Bremen besucht. Der Übergang von der Oberschule auf die Berufsschule fiel den meisten von uns schwer. Dabei bezieht sich das Problem vor allem auf die unterschiedlichsten Wissensstände, die jeder von uns aus seiner vorherigen Schule mitgebracht hat. Gerade in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch wiesen wir unterschiedliche Stärken und Schwächen auf. Somit haben viele Schüler*innen zum Ende der Einführungsphase das Abitur abgebrochen. Ihnen fiel der inhaltliche Anschluss schwer. Auch wenn wir bestimmte Themen in der Einführungsphase wiederholt haben, finde ich, dass die Lehrkräfte viel zu wenig auf die individuellen Probleme und Defizite der einzelnen Schüler*innen eingegangen sind. Ich bin mir sicher, dass Individualisierung und Differenzierung im Rahmen des Unterrichts in vielfältiger Art und Weise umsetzbar sind. Des Weiteren bringt auch hier individueller Lernbedarf neue Chancen mit sich.
Zum Thema Diskriminierung kann ich folgendes teilen:
Leider gab es die ein oder andere Lehrkraft, die an den Leistungen und Fähigkeiten der Schüler*innen, mit einem (offensichtlichen) Migrationshintergrund, zweifelte. Auch unangebrachte Kommentare in Richtung der Schülerschaft konnten vorkommen. Es ist also äußerst wichtig, dass angehende Lehrkräfte in der Lage sind persönliche und gesellschaftliche Machtverhältnisse zu hinterfragen (Karakaşoğlu, 2023, S.20). Auch globale Verhältnisse sollten gelehrt, verstanden und eingeordnet werden können. Dieses Modul hat mir den Anstoß gegeben meine persönlichen Vorurteile, Weltbilder und Vorstellungen kritisch zu reflektieren.
- Zu welchen, mindestens zwei, Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium in Bezug auf das Modulthema UMHET? Welche haben Sie vermisst? Bitte begründen Sie Ihre Wahl.
Im weiteren Verlauf meines Studiums würde ich gerne mehr zu dem Thema Migration lernen. Besonders weil es sich hierbei um ein aktuelles und gesellschaftlich relevantes Thema handelt. Da Schulerfolg immer noch eng an die ethnische Herkunft und den Migrationshintergrund gekoppelt sind und diese eine wesentliche Bildungsbenachteiligung darstellen (vgl. Mordellet-Roggenbuck, Raith, Zaki, 2021, S.89-90), fände ich es sinnvoll Maßnahmen vorgestellt zu bekommen, die dabei helfen können, dieser Bildungsbenachteiligung entgegenzuwirken (praxisorientierter).
Darüber hinaus hätte ich mir eine Vertiefung zum Thema Mediennutzung gewünscht. Es dreht sich um die Frage wie diese gezielt und effektiv eingesetzt werden kann im Unterricht, um den bestmöglichen Nutzen zu erreichen.
Was mir persönlich gefehlt hat, ist der Einblick in das Thema von psychischen Störungen der Schüler*innen im Kontext Schule. Die Symptome können sich auf unterschiedliche Art und Weise im Klassenzimmer bemerkbar machen. Doch ich glaube, dass Lehrkräfte überfordert damit sind, wenn es darum geht, diese richtig zu deuten und darauf zu reagieren. Die Aufklärung dieses Themas könnte beispielweise in einem Workshop stattfinden.
Quellenverzeichnis:
Daase, Andrea (Juni 2023): Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der gymnasialen Oberstufe [Vorlesung Präsentation]. Folie S. 39.
Fürstenau, Sara (2011): Mehrsprachigkeit als Voraussetzung und Ziel schulischer Bildung. In Fürstenau, Sara; Gomolla, Mechthild (Hrsg.) Migration und schulischer Wandel: Mehrsprachigkeit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.26, S.34.
Heimlich, Ulrich (2019): Inklusive Pädagogik: Eine Einführung (1. Aufl.). Verlag W. Kohlhammer. S.13,14.
Köbsell, Swantje (April 2023): Das Menschenrecht auf Inklusion und seine Hintergründe [Vorlesung Präsentation]. Folie S. 45.
Mordellet-Roggenbuck, Isabelle; Raith, Markus; Zaki, Katja (2021): Mehrsprachigkeit in der Lehrerbildung: Modelle, Konzepte und empirische Befunde für die Fremd- und Zweitsprachendidaktik. Berlin: Peter Lang. S.89, 90, 91.
Müller, Annette (2012): Religiöse Pluralität und Schule. Ein erziehungswissenschaftlicher Grenzgang zwischen Normativität und Neutralität. Zeitschrift für Pädagogik 58, S.43.
Yasemin, Karakaşoğlu (April 2023): (Welt-) Gesellschaftliche Veränderungen, Migration und die Reaktion von Schulen. Ein Einblick auf schulpolitische Hintergründe, Strukturen und Konzepte [Vorlesung Präsentation]. Folie S. 20.