„Nicht über uns ohne uns“ – junge Menschen berichten über ihre Erfahrungen mit Inklusion in der Schule und im Beruf / Studium
1.Was bedeutet der Slogan: „Nicht über uns ohne uns!“ hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung? Erörtern Sie dies anhand eines Beispiels und beziehen sich dabei auf die UN-BRK.
Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist im Jahr 2008 in Kraft getreten. Diese Vereinbarung stellt einen bedeutenden Schritt zur Stärkung der Rechte von behinderten Menschen dar (UN-BRK, 2008, S.4). Die UN-Behindertenkonvention definiert „Inklusion“ als ein Menschenrecht. Unter dem Begriff versteht man eine „gleichrangige gesellschaftliche Partizipation aller Menschen einschließlich derjenigen mit Behinderungen“ (Textor, 2015, S. 26). Der Slogan ,,Nicht über uns ohne uns! “entstammt der internationalen politischen Behindertenbewegung aus den 1980er und er wurde zum zentralen Grundsatz der UN-BRK (Schwarzenberg, 2023, S.10). Der Slogan impliziert die Selbstbestimmung behinderter Menschen und meint damit die Kontrolle über das eigene Leben zu haben (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2023).
Ziel des Ganzen ist die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen in der Gesellschaft (UN-BRK, 2018, S.4). Betont werden muss dabei der Artikel 7 in der UN-BRK, welcher auf die besondere Stellung des Gesetzes der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung verweist (UN-BRK, 2018, S. 24).
Im schulischen Kontext sollte sichergestellt werden, dass den Kindern und Jugendlichen mit Behinderung die notwendige Unterstützung geleistet wird, die sie benötigen (siehe Artikel 24, UN-BRK, 2018, S.24). Doch wie kann das in der Praxis umgesetzt werden? Indem man im aktiven Austausch zum Schüler steht und versucht an seine Bedürfnisse anzuknüpfen. Schulen sind verpflichtet Bedingungen zu schaffen, die Inklusion ermöglichen. Jedoch ist die Inklusion ein nie abgeschlossener Prozess, der fortlaufend angepasst werden muss (Köbsell, 2023, 41).
2.Bitte reflektieren Sie die Erfahrungen der beiden Gäste, Amelie Gerdes und Silas Palkowski, vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen:
Welche Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren (u.a. räumlich, personell, materiell) sind in der Schule und im Übergang in den Beruf / das Studium bezogen auf die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung förderlich und welche hinderlich?
Amelie Gerdes: Sie blickt positiv auf ihre Schulzeit zurück und betont vor allem die gute Kommunikation und den effektiven Austausch gegenüber ihr und ihren Klassenkameraden. Bei Verständnisschwierigkeiten standen ihr stets Mitschüler zur Seite. Die Prüfungsvorbereitungen fanden in Lerngruppen statt; auch hier konnte sich gegenseitig geholfen werden. Der Dialog zwischen Amelies Lehrer*innen war ebenfalls problemlos. Dadurch, dass Amelie neben der Schule sehr engagiert ist, brauchte sich nach ihrem Abschluss eine „Herausforderung“. Somit begann sie ein Studium mit dem Schwerpunkt „Tanz und Theater“. Die Aufnahmeprüfungen an der Hochschule bereiteten Amelie jedoch Schwierigkeiten, da sie nicht an ihre Bedürfnisse angeknüpft waren. Die dortigen Anforderungen konnte sie aufgrund ihrer bedingten Lernschwierigkeiten kaum bewältigen.
Silas Palkowski: Nach seinem Unfall bemerkte Silas viele Einschränkungen. Der Rollstuhl erschwerte für ihn das Erreichen bestimmter Räume in der Schule. Der Mangel an digitalen Hilfsgeräten führte in seinem Fall dazu, dass er nicht in der Lage war, etwas Handschriftliches für die Schule einzureichen. Einer der Lehrer seiner Schule brachte dafür kein Verständnis auf. Dementsprechend entschloss Silas sich für eine Ausbildung im IT-Bereich. Die digitale Welt bringt ihm viele Chancen. Er bedient eine Maus mit dem Mund. Der Arbeitgeber seines Betriebs, so Silas, sei zuvorkommend gewesen. Räumlich wurde der Betrieb so ausgebaut, dass er mit seinem Rollstuhl flexibler unterwegs sein kann. Trotzdem ist Silas auf seine Pflegekraft angewiesen, auch auf seiner Arbeit.
Im Großen und Ganzen ist der Abbau der Barrieren sehr wichtig, auf der anderen Seite spielt aber auch der Aspekt der Sensibilisierung der Schüler*innen und Lehrer*innen eine bedeutende Rolle.
3.In der Vorlesung wurde auch die Perspektive der Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung angesprochen. Welche Bedeutsamkeit messen Sie der Zusammenarbeit mit Eltern bei und welche Schlussfolgerungen leiten Sie daraus für sich als angehende Lehrkraft ab?
Der Austausch zwischen der Lehrkraft und dem Schüler ist an dieser Stelle sehr wichtig. Ein Paradigmenwechsel ist angesagt. Probleme entstehen an dieser Stelle erst dann, wenn man als Lehrkraft standardisierte Normen für Lerngruppen setzt und die Kinder/ Jugendlichen daran misst. Dabei sollte der Schlüsselfaktor „die Unterschiedlichkeit der Schüler“ der Ausgangspunkt werden. Das Schubladendenken sollte kritisch hinterfragt werden. Einem selbst mögen die Probleme eines Kindes/ Jugendlichen mit Behinderung nicht bewusst sein und das sollte man sich eben vor Augen führen. Die Lehrkräfte sollten möglichst auf die Forderungen und Wünsche des Kindes/Jugendlichen eingehen. Hilfe leisten dabei könnt z.B. die Führung regelmäßiger Gespräche, auch in Zusammenarbeit mit ihren Eltern.
Quellenverzeichnis:
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2018). Die UN-Behindertenrechtskonvention Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. URL: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/DB_Menschenrechtsschutz/CRPD/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf. Abgerufen am: 04.05.2023.
Deutsches Institut für Menschenrechte (2023). Rechte von Menschen mit Behinderung. Partizipation. URL: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/themen/rechte-von-menschen-mit-behinderungen/partizipation. Abgerufen am: 04.05.2023.
Schwarzenberg, Eileen (Mai 2023): „Nicht über uns ohne uns“ –
junge Menschen berichten über ihre Erfahrungen mit Inklusion in der Schule und im Beruf / Studium [Vorlesung Präsentation]. Folie S.10.
Köbsell, Swantje (April 2023): Das Menschenrecht auf Inklusion und seine Hintergründe [Vorlesung Präsentation]. Folie S. 41.
Textor, Anette (2015): Einführung in die Inklusionspädagogik. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. Seite 26.