RV12: ABSCHLUSS
1) Im Verlauf der Ringvorlesung ist für mich deutlich geworden, dass der Umgang mit Heterogenität nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine politische Aufgabe ist. Schule hat den Auftrag, allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft, Sprache, Religion, ihrem Geschlecht oder einer möglichen Beeinträchtigung die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen. Dieser Auftrag findet sich sowohl im Grundgesetz als auch in den Schulgesetzen wieder (Vorlesung, Folie 2).
Gleichzeitig wurde im Seminar deutlich, dass Chancengleichheit in der Realität nicht automatisch gegeben ist. Kinder bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit in die Schule, beispielsweise durch ihre familiäre Situation oder ihre Sprachkenntnisse. Deshalb reicht es nicht aus, alle Kinder gleich zu behandeln. Vielmehr benötigen manche Kinder zusätzliche Unterstützung, damit sie überhaupt die gleichen Möglichkeiten erhalten.
Ein konstruktiver Umgang mit Heterogenität trägt deshalb dazu bei, Bildungsungleichheiten abzubauen und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Aus meiner Sicht ist dies eine der wichtigsten Aufgabe von Schule in einer demokratischen Gesellschaft (Fantini 2026, Folie 2).
2) Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ringvorlesung war für mich die Selbstreflexion von Lehrkräften. Im Schulalltag treffen Lehrkräfte täglich Entscheidungen, beispielsweise bei der Leistungsbewertung oder der Auswahl von Unterrichtsmethoden. Dabei besteht die Gefahr, dass unbewusste Erwartungen oder Vorurteile das eigene Handeln beeinflussen.
In der Vorlesung wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Heterogenität immer auch sozial konstruiert wird und Zuschreibungen entstehen können (Fantini 2026, Folie 2). Deshalb halte ich es für wichtig, die eigenen Vorstellungen regelmäßig zu hinterfragen. Deshalb halte ich es für wichtig, die eigenen Vorstellungen regelmäßig zu hinterfragen. Auch Kern et al. (2024) betonen, dass angehende Lehrkräfte ihre Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster kritisch reflektieren sollten, um die Reproduktion sozialer Ungleichheit zu vermeiden (Kern et. al. 2024, S. 2-4).
Für mich gehört diese Selbstreflexion zu den wichtigsten Kompetenzen einer Lehrkraft. Nur wer das eigene Handeln hinterfragt, kann allen Kindern möglichst gerecht werden.
3) Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Umgang mit Heterogenität. Während der Ringvorlesung wurde deutlich, dass Kinder sehr unterschiedliche familiäre Voraussetzungen mitbringen. Diese können sich unter anderem auf den Spracherwerb, die Lernentwicklung oder die Bildungschancen auswirken (Fantini 2026, Folie 4).
Deshalb sollten Lehrkräfte Eltern nicht als Problem, sondern als wichtige Bildungspartner ansehen. Besonders bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache oder bei Lernschwierigkeiten kann eine gute Zusammenarbeit dazu beitragen, Kinder besser zu unterstützen. Bönig und Thöne (2017) zeigen beispielsweise, dass die Förderung sprachlicher und mathematischer Kompetenzen besonders erfolgreich ist, wenn Schule und Familie gemeinsam zusammenarbeiten (Bönig & Thöne 2017, S. 29-30).
Aus meiner Sicht gelingt ein konstruktiver Umgang mit Heterogenität nur dann, wenn Schule und Eltern offen miteinander kommunizieren und gemeinsam das Ziel verfolgen, jedes Kind individuell zu fördern.
Literaturverzeichnis:
Bönig, Dagmar & Thöne, Bernadette (2017): Integrierte Förderung von Sprache und Mathematik in Kita und Familie. In: Schuler, Stefanie et al. (Hrsg.): Perspektiven mathematischer Bildung im Übergang vom Kindergarten zur Grundschule. Wiesbaden: Springer VS.
Fantini, Christoph (2026): Ringvorlesung: Umgang mit Heterogenität in der Schule – Versuch einer Zusammenfassung zentraler Inhalte. Vorlesungsfolien, Universität Bremen.
Kern, Friederike; Gehrmann, Sebastian; Kastrup, Valerie et al. (2024): Soziale Ungleichheit als Schwerpunkt in der Lehrerinnenbildung – Fachdidaktische Überlegungen und Konzepte*. PraxisForschungLehrerinnenBildung*, 6(1), 1–30.