Umgang mit Heterogenität in der Schule – eine reflexive Betrachtung aus politischer, professioneller und kooperativer Perspektive

Die Auseinandersetzung mit Heterogenität in Schule zeigt, dass Vielfalt nicht lediglich eine pädagogische Herausforderung, sondern eine gesellschaftliche und politische Aufgabe darstellt.
Schule hat dabei zwar den Anspruch auf individuelle Förderung, muss aber weiterhin im bestehenden System von Selektion und Bewertung arbeiten.
Ein eigentlich gewünschter Umgang mit Heterogenität wäre eher, Unterschiede nicht als Defizite zu betrachten, sondern als Ausgangspunkt für Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit zu verstehen. Gomolla weißt darauf hin, dass Kategorien wie „Förderbedarf“ oder „leistungsschwach“ nicht ausschließlich natürliche Gegebenheiten darstellen, sondern durch institutionelle Prozesse mit hervorgebracht werden (Gomolla, 2009). Außerdem verdeutlicht Bourdieu mit seinem Konzept des „kulturellen Kapitals“, dass schulischer Erfolg eng mit sozialen Voraussetzungen verbunden ist und vermeintlich gleiche Bedingungen nicht automatisch zu gleichen Chancen führen (Bourdieu, 1983). Die politische Bedeutung eines besseren Umgangs mit Heterogenität wäre, Bildungsinstitutionen so zu gestalten, dass Benachteiligungen erkannt und abgebaut werden.

 

Für die schulische Praxis ergibt sich daraus eine zentrale Verantwortung der Lehrkräfte, die eigenen Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster zu hinterfragen und reflektieren. Selbstreflexion ist notwendig, da pädagogisches Handeln immer von Vorstellungen über Normalität, Leistung und Zugehörigkeit geprägt ist. Dies zeigt sich beispielsweise im Umgang mit Mehrsprachigkeit: Schülerinnen und Schüler sollen nicht über sprachliche Defizite bewertet werden, sondern benötigen Unterrichtsangebote, die ihr Sprachniveau und ihre individuellen Ressourcen berücksichtigen. Auch Umgang mit Geschlecht oder sozialer Herkunft der Kinder muss reflektiert werden.
Ebenso erfordert ein inklusiver Unterricht eine Abkehr von Einteilungen in „starke“ und „schwache“ Lernende. Er soll sich stärker an individuellen Lernprozessen orientieren.

Aus meiner Sicht nehme ich aus der Auseinandersetzung mit Heterogenität vor allem mit, dass der Umgang mit Vielfalt keine fertige Methode ist, sondern eine kontinuierliche persönliche Entwicklung erfordert. Als zukünftige Lehrkraft erscheint mir deshalb besonders wichtig, die Vorstellungen von Normalität und Leistung regelmäßig zu hinterfragen. Eine eigene Idee wäre, bereits in der Ausbildung von Lehrkräften stärker mit konkreten Fallbeispielen aus dem Schulalltag zu arbeiten, um den Blick für unterschiedliche Lebensrealitäten und mögliche Benachteiligungen zu schärfen. Dadurch könnten angehende Lehrkräfte lernen, nicht nur auf Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern zu reagieren, sondern diese bewusst in die Gestaltung von Unterricht einzubeziehen. Heterogenität würde dadurch weniger als Schwierigkeit wahrgenommen werden, sondern als eine Möglichkeit, Unterricht vielfältiger und gerechter zu gestalten.

 

Literaturverzeichnis:

  • Bourdieu, P. (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital.
  • Gomolla, M. (2009): Institutionelle Diskriminierung im Bildungs- und Erziehungssystem.

 

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