Klassismus in der Schule

Datum: 07.04.26

Name: Naz Bolu

Vorlesung: Klassismus in der Schule RV01

Fragestellungen:

  1. Inwiefern hat Ihnen die Vorlesungssitzung neue Erkenntnisse bezüglich selbst in der Schule beobachteter oder erlebter Situationen vermittelt?
  2. Welche Handlungserfordernisse leiten Sie für sich als (angehende) Lehrkraft aus den Erkenntnissen ab?

Die Vorlesung zum Thema Klassismus hat mir geholfen, viele Situationen aus meiner Schulzeit besser zu verstehen und neu einzuordnen. Klassismus bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihrer finanziellen Lage benachteiligt oder anders behandelt werden (Kemper 2016: 6). Mir ist besonders deutlich geworden, dass schulischer Erfolg nicht nur von Leistung abhängt, sondern auch stark davon beeinflusst wird, aus welchem Elternhaus jemand kommt.

Ein wichtiger theoretischer Ansatz dazu ist Bourdieus Kapitaltheorie. Diese besagt vereinfacht, dass Menschen unterschiedliche „Ressourcen“ mitbringen, die ihnen im Bildungssystem helfen oder sie benachteiligen. Dazu gehören zum Beispiel Geld (ökonomisches Kapital), Wissen und Bildung (kulturelles Kapital), Kontakte (soziales Kapital) sowie Anerkennung und gesellschaftliches Ansehen (symbolisches Kapital) (Bourdieu 1983; vgl. Folie 5). Schüler:innen aus privilegierten Familien haben oft mehr von diesen Ressourcen und dadurch bessere Chancen in der Schule.

Ein konkretes Beispiel aus meiner Schulzeit war ein Mitschüler, der nicht aus einem akademischen Elternhaus kam. Obwohl er gute Noten hatte, hat er sich im Unterricht selten gemeldet und wirkte oft unsicher. Früher hätte ich das vielleicht als Desinteresse verstanden. Durch die Vorlesung sehe ich das heute anders. Sein Verhalten lässt sich mit dem Begriff „Habitus“ erklären. Damit ist gemeint, dass Menschen bestimmte Verhaltensweisen und Denkweisen entwickeln, die zu ihrem sozialen Umfeld passen (Bourdieu 1997: 206). In der Schule können diese jedoch als „unpassend“ wahrgenommen werden.

Außerdem wurde mir klar, dass solche Situationen nicht nur individuell sind, sondern auch durch das Schulsystem mitbedingt werden. Lehrkräfte haben oft (bewusst oder unbewusst) bestimmte Erwartungen an Schüler:innen. Diese können dazu führen, dass einige eher gefördert werden als andere (vgl. Folie 3). Besonders einleuchtend fand ich den Begriff des Habitus-Struktur-Konflikts. Dieser beschreibt, dass sich Schüler:innen fehl am Platz fühlen können, wenn ihre gewohnten Verhaltensweisen nicht zu den Anforderungen der Schule passen (Haslinger & Patek 2007: 150f.; vgl. Folie 16). Genau solche Unsicherheiten habe ich bei einigen Mitschüler:innen beobachtet.

Für meine zukünftige Rolle als Lehrkraft ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen. Zunächst ist es entscheidend die eigenen Erwartungen zu hinterfragen. Man sollte sich bewusst machen, dass Verhalten oder Leistungen nicht unabhängig von der sozialen Herkunft bewertet werden können. Außerdem ist es wichtig den Unterricht so zu gestalten, dass alle Schüler:innen mitgenommen werden. Das bedeutet zum Beispiel, Inhalte verständlich zu erklären und keine bestimmten Vorkenntnisse vorauszusetzen.

Darüber hinaus halte ich es für wichtig ein Klassenklima zu schaffen, in dem sich alle Schüler:innen wohlfühlen und ernst genommen werden. Niemand sollte das Gefühl haben, nicht dazuzugehören. Ziel sollte es eher sein, bestehende Ungleichheiten nicht zu verstärken, sondern aktiv auszugleichen. Die Vorlesung hat mir deutlich gemacht, dass Lehrkräfte dabei eine zentrale Rolle spielen und einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten können.

Literaturverzeichnis:

Barasi, Dennis (2026): Klassismus in der Schule. Vorlesungsfolien, Universität Bremen, 07.04.2026.

Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, Reinhard (Hg.): Soziale Ungleichheiten. Übersetzt von Reinhard Kreckel. Göttingen: Otto Schwartz & Co. (Soziale Welt Sonderband, 2), S. 183–198.

Bourdieu, Pierre (1997): Pierre Bourdieu im Gespräch – Die feinen Unterschiede. In: Baumgart, Franzjörg (Hg.): Theorien der Sozialisation. Erläuterungen – Texte – Arbeitsaufgaben. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Haslinger, Susanne; Patek, Andrea (2007): Studieren zwischen Schein und Sein. Die Situation Studierender bildungsferner Herkunft im Studienalltag. In: Erler, Ingolf (Hg.): Keine Chance für Lisa Simpson? Soziale Ungleichheit im Bildungssystem, S. 148–165. Wien: Mandelbaum Verlag.

Kemper, Andreas; Weinbach, Heike (2022): Klassismus. Eine Einführung. Münster: Unrast (Kapitel 1).

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