Sprache als Schlüssel: Sprachförderung zwischen Kita und Mathematikunterricht

Aufgabe 1: Was aus dem Projekt Enter in die Grundschule passt

Das Kita-Projekt Enter (Entdecken und Erzählen, 2012–2015) arbeitete mit einer Schatzkiste: Kinder liehen sich über das Wochenende Spiele und Bilderbücher aus und brachten ihre Erlebnisse damit in den Stuhlkreis zurück. Dieses Prinzip lässt sich meiner Meinung nach sehr gut in die Grundschule übertragen.

Auch dort gibt es viele Kinder mit sprachlichem Förderbedarf – sei es durch eine verzögerte Sprachentwicklung oder weil Deutsch ihre Zweitsprache ist (DaZ). Ein wöchentliches Ausleihsystem mit Spielen, Büchern und Hörspielen würde ihnen ermöglichen, neue Wörter und Konzepte auf spielerische Weise zu entdecken – zu Hause, im eigenen Tempo, ohne Leistungsdruck. Das Hörspiel-Element ist dabei besonders wertvoll: Wenn Eltern nicht vorlesen können oder möchten, bleibt der Zugang zum Buch trotzdem erhalten.

 

Aufgabe 2: Funktionen der Sprache im Mathematikunterricht

Sprache erfüllt im Unterricht mehrere Funktionen gleichzeitig. Am Beispiel des Mathematikunterrichts lassen sie sich besonders gut konkretisieren:

Kommunikation: Kinder erklären sich gegenseitig ihre Lösungswege – und müssen dabei präzise formulieren.

Kognitive Funktion: Das laute Mitsprechen beim Rechnen – „vier plus fünf ist gleich neun“ – strukturiert den eigenen Denkprozess.

Darstellungsfunktion: Beim Präsentieren eines Rechenwegs an der Tafel wird Sprache zum Werkzeug der Wissensvermittlung.

Appellative Funktion: „Können Sie mir helfen?“ – Kinder nutzen Sprache, um gezielt Unterstützung einzufordern.

Ausdrucksfunktion: Frustration über eine schwierige Aufgabe oder Stolz nach einem Rechenerfolg – beides braucht sprachlichen Raum.

Diese Funktionen zeigen: Sprache ist im Mathematikunterricht nicht nur Mittel zum Zweck, sondern selbst ein Lerngegenstand – und muss als solcher explizit gefördert werden, anstatt sie als selbstverständlich vorauszusetzen.

 

Aufgabe 3: Zwei Beobachtungsfragen für das Praktikum

Aus der Vorlesung ergeben sich für mich zwei Fragen, die ich im kommenden Praktikum gezielt beobachten möchte:

  1. Können die Kinder mit dem verwendeten Vokabular tatsächlich arbeiten – oder scheitert die Aufgabenbearbeitung nicht am mathematischen Inhalt, sondern an einem zu schwierig gewählten Wortschatz?
  2. Welche Wörter treten wiederholt als Problemvokabular auf – und wie können diese Begriffe gezielt und systematisch in den Unterricht eingeführt werden, bevor sie zur Barriere werden?

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