rv03: Integrierte Frühförderung von Sprache und Mathematik
- Viele der vorgestellten Förderkonzepte lassen sich auf den Schulkontext übertragen. Besonders sinnvoll finde ich das dialogische Vorlesen. Dabei wird nicht nur vorgelesen, sondern die Kinder werden aktiv einbezogen, zum Beispiel durch W-Fragen und offene Impulse. So können sie ihre eigenen Beobachtungen äußern, aufeinander eingehen und auch Rückfragen stellen. Außerdem sind Korrekturen, Wiederholungen, Lob, Ermutigung und die gezielte Erweiterung von Äußerungen möglich. Auf diese Weise entsteht mehr als nur Vorlesen. Die Kinder werden zum Mitdenken angeregt, üben das genaue Zuhören und werden zum präzisen Sprechen motiviert, da durch Fragen und Impulse ein dialogischer Prozess entsteht, in dem die Beiträge der Kinder aufgegriffen und erweitert werden (vgl. Bönig u. a. 2017, Folie 16 & Goller 2017, S. 33).
- Die verschiedenen Funktionen der Sprache lassen sich im Kunstunterricht gut an konkreten Beispielen verdeutlichen. Die kommunikative Funktion zeigt sich, wenn Kinder in Partnerarbeit über ein Bild sprechen, ihre Wahrnehmungen austauschen und sich gegenseitig verständlich machen. Die kognitive Funktion wird deutlich, wenn Kinder beim Gestalten oder Betrachten eines Bildes Farben und Formen benennen und dadurch ihre Gedanken ordnen und strukturieren. Die narrative Funktion zeigt sich darin, dass Kinder aus einzelnen Bildelementen zusammenhängende Geschichten entwickeln. Dabei lassen sich Entwicklungsstufen der Erzählfähigkeit unterscheiden: von einzelnen Aufzählungen über einfache Reihenfolgen und zusammenhängende, spannend erzählte Geschichten bis zu Erzähltypen (vgl. Bönig u. a. 2017, Folie 21; Boueke u. a. 1995).
- Zwei bedeutsame Beobachtungsfragen zum Thema „Sprachförderung im Mathematikunterricht“ für kommende Praktika sind:
-Welche Fragen stellt die Lehrkraft, damit Kinder erklären können, wie sie gerechnet haben?
-Wie hilft die Lehrkraft Kindern dabei, Fachwörter wie „Zeile“, „Spalte“ oder „Diagonale“ richtig in Sätzen zu verwenden?
Literatur:
-Boueke, D., Schülein, F., Büscher, H., Teehorst, E. & Wolf, D. (1995). Wie Kinder erzählen. Untersuchungen zur Erzähltheorie und zur Entwicklung narrativer Fähigkeiten. München.
-Goller, Gloria (2017): Dialogisches Lesen mit Zuwandererkindern. Sprachförderung am Schulanfang. Zeitschrift des Grundschulverbandes S.33-36.
-Dagmar, Bönig (2026): Integrierte (Früh-)Förderung von Sprache und Mathematik. Vorlesung 3, Folie 16, Universität Bremen, SoSe 2026.