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Fragestellung zum 09.05.

In den letzten 10 Jahren sind die Jungen (bzw. österreichisch: Burschen) vermehrt in die bildungspolitische Diskussion geraten: Sie gelten als die neu entdeckte Risikogruppe. Diskutieren Sie den Vorschlag, analog zum geschlechtergetrennten Unterricht, wie mancherorts in den MINT-Fächern erteilt wird, einen geschlechtergetrennten Deutschunterricht einzuführen.

 

 

Zunächst einmal fände ich es interessant, zu wissen, aus welchen Kreisen diese Initiative vorrangig kommt und mit welcher Begründung. Um es anders auszudrücken: Kommt der Vorschlag von einem katholischen Erzbischof, der Sorge hat, das eine Geschlecht könnte mehr Interesse am anderen haben, als am Deutschunterricht? Oder kommt er von einer bildungspolitischen Instanz, bspw. von eine/m KultusministerIn – in dem Glauben, es gebe tatsächlich geschlechterspezifische Interessen, die im Deutschunterricht getrennt behandelt werden müssten?

 

Immer wieder wird in Studien und in den Massenmedien davon gesprochen, dass Mädchen im Geschlechtervergleich die bessere Bildungsperspektive hätten. So sei unter den AbiturientInnen in Deutschland der Anteil von weiblichen Absolventinnen prozentual höher. Als Grund wird oft höherer Fleiß und weniger Ablenkung in der Pubertät angegeben.

 

Möchte man mit einem geschlechtergetrennten Deutschunterricht nun etwa die Mädchen vor den Jungs schützen? Besteht denn immernoch das Bild des schüchternen Mädchens, das vom rüpelnden Bengel untergebuttert wird?

 

Die Zuweisung von geschlechterspezifischen Attributen kann schnell diejenigen ins Abseits stellen, die dem erwarteten Normverhalten nicht entsprechen. Jungs als Risikogruppe zu werten, ist sexistisch – die Zuweisung erfolgt hier schlicht nicht aus Gründen des eigenen Verhaltens, sondern aufgrund der biologischen Geschlechtszugehörigkeit, schlussendlich also einem Umstand, den man selbst nicht beeinflussen konnte.

 

Man darf auch nicht vergessen, dass viele Freundschaften in der Schule entstehen. Das bedeutet also auch, dass Mädchen und Jungen die Möglichkeit genommen oder eingeschränkt wird, gemischtgeschlechtliche Freundeskreise aufzubauen, das jeweils andere biologische Geschlecht im Alltag zu erleben und dadurch die eigene sexuelle Identität zu finden.

 

Aus all diesen Gründen bin ich gegen geschlechtergetrennten Unterricht – nicht nur in Deutsch, sondern grundsätzlich.

 

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~ by Tim on 11. Juli 2012. Tagged:

One Response to “Fragestellung zum 09.05.”

  1. Hallo Tim!

    Ich weiss, mein Kommentar kommt spaet, aber besser spat als nie!

    Zuallererst will ich dir ein Kompliment machen. Und zwar ist dein Beitrag hier fuer mich der mit Abstand unterhaltsamste und kreativste, den ich hier im Blogsystem bisher gelesen hab! Sonst immer nur dieses „ja, ich bin dafuer/dagegen“ und das dann in zwoelf Saetzen quasi wiederholt. Also echt, mega gut!

    Was deine Meinung zu dem Thema angeht, gebe ich dir groesstenteils Recht. Ich finde auch, dass es sich beimBefuerworten des geschlechtergetrennten Unterrichts irgendwie um ein veraltetes Modell mit nun wirklich in die Jahre gekommenen Ansichten halten. Ich denke, wir haben alle in unserer eigenen Schulzeit Situationen beobachtet, indem es Auseinandersetzungen erlebt, aber diese sind ja nicht aufgrund verschiedener Geschlechter, sondern beispielsweise aufgrund verschiedener Meinung entstanden.
    Allerdings ist statistisch wirklich belegt, dass heutzutage prozentual mehr Maedchen Abitur machen als Jungs. Daraus entsteht natuerlich ein gewisses Interesse, herauszufinden, warum das so ist. Allerdings einfachso aus der Luft gegriffen zu spektulieren, Maedchen seien einfach fleissiger, halte ich auch fuer vollkommen bodenlos.
    Ich denke, man muss mit aussagekraeftigen statistischen Belegen an dieses Thema herangehen, um so eine belegte Begruendung zu finden.

    Dein letztes Argument, die grosse Relevanz von gemischtgeschlechtlichen sozialen Kontakten, ist ebenfalls das allererste und meiner Meinung nach groesstes Gegenargument, was mir zu dem Thema eingefallen ist.

    Somit schliesse ich mich dir an, dass geschlechtergetrennter Unterricht in keinster Art und Weise foerderlich ist.

    Gruesse!

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