Autor: Caroline

  • Recherchetipps: Wo finde ich Dokumente zur Anti-Apartheid-Bewegung und anderen historischen Solidaritätsbewegungen in Bremen?

    Recherchetipps: Wo finde ich Dokumente zur Anti-Apartheid-Bewegung und anderen historischen Solidaritätsbewegungen in Bremen?

    In Bremen waren viele in der Anti-Apartheidbewegung aktiv. Öffentliche Aufmerksamkeit erregten, die „Südafrika – Frauen“ von der Evangelischen Frauenhilfe Bremen. Diesen hat Heinz Gustafsson sein Buch „Bremens Anteil an Südafrikas Geschichte“, Oldenburg 2018, gewidmet. Er beschreibt Aktionen der Frauen und präsentiert viele Bilder. Hier hat er auch mit früheren Akteurinnen zusammengearbeitet. Darüber hinaus sind umfangreiche Materialien in Bremen einsehbar: im Staatsarchiv Bremen und im Landeskirchlichen Archiv Bremen. Das Archivinformationssystem Niedersachsen und Bremen bietet Möglichkeiten danach zu suchen.

    Darüber hinaus befindet sich auch Material im Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel. Hierhin haben die damals aktiven Frauen, Kopien ihrer Sammlung abgegeben. Das heißt, die Frauen waren selbst aktiv, damit ihr Engagement nicht in Vergessenheit gerät. Zugleich haben sie damit, auch eine Praxis von Archiven, die Überlieferungsstücke ausgewählt.

    Cover des Buchs "Bremens Anteil an Südafrikas Geschichte. Eine Bilderreise durch vier Jahrhunderte"

    Die Bremer Anti-Apartheid-Bewegung umfasste weitere Akteur:innen, Vereine und Initiativen. Zu nennen ist hier die Anti-Apartheid-Bewegung Bremen und später die zweite, Anti-Apartheid-Bewegung Bremen Umland. Zugleich waren etwa das „Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung“, „Dritte Welt Haus, der Verein „Solidarität von Volk zu Volk“, die IGM-Jugend oder der Chor „Zeitgenossen“ engagiert, Mitglieder von Parteien und das Bremer Afrika Archiv. Viele Aktionen wurden gemeinsam getragen. Auch wurde Apartheid im Bremer Senat diskutiert, Bremen wurde Anti-Apartheid-Stadt.

    Auch dazu findet sich Material im Staatsarchiv Bremen und zudem im Archiv für Alternatives Schrifttum in Duisburg. In Duisburg können die Bestände zur Anti-Apartheid-Bewegung, überliefert von der Bundesgeschäftsstelle Bonn, bereits online eingesehen werden. Darüber hinaus kann in den Archiven der Bremer Zeitungen und der TAZ-Ausgabe für Bremen sowie Radio Bremen oft auch online recherchiert werden.

    Im Archiv der sozialen Bewegungen in Bremen finden sich insbesondere Dokumente aus den sozialen Bewegungen und Kämpfen der letzten 30 Jahre. Dazu zählen Zeitschriften, Bücher, Broschüren, Plakate und Devotionalien. Das Archiv bezweckt laut eigenen Angaben, heutigen Initiativen Anknüpfungspunkte zu früheren Erfahrungen zu bieten und dadurch theoretische und praktische Kontinuität politischen Handelns zu ermöglichen.

    Im Archiv von belladonna,  Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen e.V., sind insbesondere Initiativen und Aktivitäten von Frauen und FLINTA* dokumentiert. Es versteht sich als lebendiges Gedächtnis der Bremer Frauengeschichte und -bewegung.

  • Einladung zur Ausstellungseröffnung im Haus der Wissenschaft

    Einladung zur Ausstellungseröffnung im Haus der Wissenschaft

    Liebe Interessierte,

    wir laden Sie herzlich ein, zur Eröffnung der Ausstellung
    „Solidarität in (post-)kolonialen Räumen? Geschichten vom Erinnern und Wirken antikolonialer Bewegungen in Bremen“
    am 11. März 2026 um 17 Uhr, im Haus der Wissenschaft.

    Die Ausstellung zeigt Geschichten solidarischen Handelns von Bremer*innen mit der Welt und in der Stadt seit den späten 1960er-Jahren. Zivilgesellschaftliche Bündnisse engagierten sich für globale Gerechtigkeit, antikoloniale Befreiungsbewegungen und gegen die Apartheid. Gleichzeitig kämpften sie vor Ort gegen Rassismus und für die kritische Erinnerung an Kolonialismus und für die Auseinandersetzung mit kolonialen Spuren im Stadtbild. Wir laden ein, historische und aktuelle soziale Bewegungen sowie ihre Vorstellungen und praktische Umsetzung von Solidarität kennenzulernen: Wie unterscheiden sich die antikolonialen Solidaritätsvorstellungen? Was haben Erinnerung und die kritische Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus damit zu tun? Und seit wann gibt es Debatten über die Rückgabe von Kulturerbe, die Umbenennung von Straßennamen oder die fehlende Thematisierung von Kolonialismus in Schulbüchern?

    Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bremer Afrika Archivs (BAA e.V.) fokussiert die Ausstellung dessen gut dokumentierte Zusammenarbeit mit der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO und das Engagement von antikolonialen Solidaritätsgruppen, zum Beispiel bei der Aufarbeitung der deutschen Verbrechen im Kolonialismus. Ausgewählte Geschichten zeigen, wie eng Erinnerung, Verantwortung und Solidarität miteinander verbunden sind und wie umkämpft diese Themen bis heute bleiben. Nicht zuletzt teilen Aktivist*innen und Expert*innen ihre Perspektiven auf das damalige Engagement und die Leerstellen früher Bemühungen.

    *Das Projekt basiert auf einem Forschungsprojekt des Instituts für Geschichtswissenschaft zum Bremer Afrika Archiv sowie auf einer von Studierenden der Kulturwissenschaft im Sommersemester 2025 kuratierten Ausstellung.*

    Gefördert vom Senator für Kultur und von Brot für die Welt e. V.

    In Kooperation mit der Norddeutschen Mission und der Universität Bremen

    Mit herzlichen Grüßen
    Das Ausstellungsteam


    Programm

    17:00 Uhr Begrüßung

    Prof. Dr. Gerold Wefer
    Vorstandvorsitzender Haus der Wissenschaft
     
    Caroline Schäfer
    Projektkuratorin „Solidarität in (Post-)Kolonialen Räumen?“ / Kulturwissenschaftlerin

    17:15 Uhr offizielle Eröffnung


    Fotocredit: (cc) Hannes Grobe, 2022; Bearbeitung Caroline Schäfer

  • Der Elefant im Raum

    Der Elefant im Raum

    „What I read is that there were even names, 1,500 names, commemorating the people that died in the world wars. For you to say I’m taking exactly the same monument and repurpose or redefine its meaning by adding four or five sentences, is that enough? And those are the questions that are asked, and there are questions that should still be asked so that they can be engaged with. […] How do you take something that is so colonial and you are going to decolonize it? How do you do that? How do you decolonize something that is intertwined with colonialism? It’s a very huge task. So, for me, those are very serious gaps.“

    – Martha Akawa, Historikerin

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  • Solidarität – was heißt das eigentlich?

    Solidarität – was heißt das eigentlich?

    Solidarity is not beneficence or charity” – Shirin Rai 2018:14

    Der Begriff der Solidarität wird politisch und wissenschaftlich viel diskutiert. Solidarität kann einerseits als universelle moralische Verpflichtung verstanden werden und ist mit Gerechtigkeitsvorstellungen verbunden. Andererseits kann Solidarität eine Praxis, auf Grundlage gemeinsamer (politischer) Interessen sein, die auf deren Verwirklichung zielt. In sozialen Bewegungen ist Solidarität oft ein politischer Kampfbegriff und ein Aufruf an diverse Akteur*innen, sich zu positionieren.

    Solidarität ist mit Fragen nach Zugehörigkeit verbunden und gilt, je nach Definition, für konkrete Konstellationen, organisatorische Aufteilungen, nationalstaatliche Identitäten, oder – allumfassend für die Menschheit oder das Leben (Mayer et al. 2024: 11).

    Fest steht – Solidarität wird klar von Wohlfahrt und humanitärer Hilfe abgegrenzt. Denn sie leitet sich aus Gerechtigkeitsvorstellungen oder aus gemeinsamen (politischen) Vorstellungen ab. Versuche diese Abgrenzung zu fassen, definieren symmetrische und wechselseitige Beziehungen als Voraussetzung für Solidarität (Jaeggi 2021:54f.).

    Symmetrische und wechselseitige Beziehungen – in globalen Ungleichheitsverhältnissen?

    Der antikoloniale Vordenker Frantz Fanon begründet Reparationsansprüche ehemaliger Kolonien gegenüber den ehemaligen Kolonialmächten in seinem berühmten Werk „Die verdammten dieser Erde“: Der Wohlstand des Westens sei „auf dem Rücken der Sklaven“ errichtet worden (Fanon 1981: 79). Ausgehend von seinem tiefgehenden Humanismus leitet er daraus eine moralische Pflicht des Westens zu Wiedergutmachung und Reparationszahlungen an die jungen Postkolonien ab. Neben der materiellen Funktion sieht er darin eine Anerkennung von Schuld durch die ehemaligen Kolonialmächte, auch für globale Ungleichheit als Folge des Kolonialismus.

    Die sogenannte Entwicklungszusammenarbeit könnte als Verwirklichung von Fanons Forderungen verstanden werden. Doch zu oft finden unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit Formen „neokolonialer Politikberatung“ statt, die an entwicklungspolitischen Leitlinien der Geberländer orientiert sind, ohne auf Bedürfnisse und Vorstellungen der Adressat*innen von Solidarität einzugehen oder bestehende Ungleichheits- und Abhängigkeitsverhältnisse zu adressieren (Kerner 2024: 38).

    Postkoloniale Wege zur Solidarität?

    Postkoloniale Perspektiven tendieren zu dem Ansatz, Solidarität im Konkreten immer wieder neu und dialogisch zu verhandeln und weichen von der Vorstellung ab, „universale Antworten auf die schwierigen Fragen der solidarischen Praxis in Ungleichheitskontexten formulieren zu können“ (Kerner 2024: 44).

    Nach Gayatri Chakravorty Spivak ist es vor allem wichtig, ein gemeinsames Erkenntnisinteresse zu verfolgen, um konkrete Schritte der solidarischen Interaktionen entstehen zu lassen (vgl. Spivak 1996a,b). Chandra Talpade Mohanty arbeitet mit dem Begriff der „Koalition“ und plädiert für Solidarität ohne Identität. Solidarität basiere gerade nicht auf gemeinsamen Erfahrungen und einer gemeinsamen Identität, sondern sei vor allem ein Zweckbündnis, um Kompromisse für geteilte Anliegen zu finden (Mohanty 1992:84).

     

  • Einladung zur Ausstellungseröffnung

    Einladung zur Ausstellungseröffnung

    Liebe Interessierte,

    wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Plakatausstellung
    „Solidarität in (post-)kolonialen Räumen?“
    am 9. Juli 2025 um 17 Uhr
    im Eingangsbereich der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen ein.

    Die Ausstellung wurde von Studierenden der Kulturwissenschaft (BA) und Public History (MA) kuratiert und widmet sich anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bremer Afrika Archivs e.V. dem solidarischen Engagement in (post-)kolonialen Kontexten – insbesondere dem Namibia-Projekt in Zusammenarbeit mit der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO.

    Ausgehend von diesem Projekt fragt die Ausstellung:
    Wie wurde Solidarität konkret gelebt? Welche Herausforderungen prägten sie? Und wie können wir heute kritisch an diese Geschichte erinnern und aus ihr lernen?

    Wir freuen uns auf Ihr Kommen, anregende Gespräche und ein gemeinsames Nachdenken über postkoloniale Erinnerungskulturen.

    Nach ein paar eröffnenden Worten steht das Ausstellungsteam bereit, Fragen zu beantworten und mehr zum Inhalt und Entstehungsprozess der Plakatausstellung zu erzählen. Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Solidaritätsgeschichten zu teilen und sich in die Ausstellung einzuschreiben.

    Mit herzlichen Grüßen
    Das Ausstellungsteam


    Programm

    17:00 Uhr Empfang

    17:15 Uhr offizielle Eröffnung

    17:30 Uhr Ausstellungsgespräche


    Fotocredit: (cc) Hannes Grobe, 2022