RV06 Umgang mit Sprachvarietäten im (Fremd-)Sprachenunterricht: Welches Französisch oder Spanisch soll eigentlich unterrichtet werden?

Aufgabe 1 ) Wir haben in der Vorlesung eine Reduktion der Varietätenmodelle vor und die diatopische Kategorie (Raum) in den Fokus genommen (vgl. Vorlesungsfolien). Erläutern Sie bitte inwiefern sich weitere der angegebenen Kategorien (diaphasisch oder diastratisch) auch als im Allgemeinen relevant für den Umgang mit Heterogenität im Unterricht (jenseits des Fremdsprachenunterrichts) erweisen können und begründen Sie Ihre Antwort. Sie können dafür sowohl das strukturalistische als auch das soziolinguistische Modell verwenden, gern auch beide in Kombination.

Im strukturalistischen Modell der Architektur der Sprache nach Eugenio Coseriu (vgl. Folie 3) wird Sprache in drei Dimensionen aufgeteilt. Die diatopische Variation beschäftigt sich mit der regionalen Varianz (Dialekt). Diastratische Variation behandelt den unterschied von Sprache auf Grund von soziokulturellen Sprachschichten. Die diaphasische Variation beschäftigt sich hingegen mit den Umständen der Kommunikation. So spielen hier z.B. die Beziehung der Gesprächspartner eine Rolle, oder die Situation in der die Konversation stattfindet. 

Diese Themen können unter Umständen im Schulunterricht  eine gewisse Relevanz erhalten. So stelle man sich vor, dass SuS auf Grund von zum Beispiel fehlenden sozialen Kompetenzen starke Defizite im Bereich der diaphasischen Variation aufzeigen. So wäre es möglich, dass die vom Schüler*innen gewählte Sprache für den Unterricht und für die Kommunikation mit der Lehrkraft gänzlich ungeeignet und respektlos ist. Denkbar wäre auch, dass der/die Schüler*innen auf Grund von diastratischen Defiziten schlicht weg gar nicht in der Lage ist, eine befriedigende Konversation mit einer Lehrkraft zu führen. Wegen solchen Szenarien ist es sehr wichtig, dass die Lehrkraft auf solche Sprachlichen Defizite vorbereitet und für sie sensibilisiert ist. Die Lehrkraft sollte zu jedem Zeitpunkt in der Lage sein solche Schwächen bei Schüler*innen festzustellen und sich auf diese Einzustellen. Empörte Reaktionen oder tadeln der Schüler*innen wäre in solchen Situationen fehl am Platz. Die Lehrkraft sollte es sich zur Aufgabe machen SuS für solche Kompetenzen aufzuklären.

 

 

Aufgabe 2 ) Sie selbst haben bereits Fremdsprachen im institutionellen Kontext gelernt. Ermitteln Sie zunächst, welche Varietät(en) Sie im Rahmen der gelernte(n) Fremdsprache(n) sprechen und worauf dies zurückzuführen ist. Im nächsten Schritt überlegen Sie bitte, ob Sie jemals damit konfrontiert worden sind, dass Sie Sprecher:innen anderer Varietäten dieser Sprachen begegnet sind und inwiefern die Kommunikation dadurch behindert bzw. bereichert oder davon gar nicht tangiert worden ist. Warum könnte es wichtig sein, sich die Existenz verschiedener Varietäten innerhalb einer Sprache zu vergegenwärtigen? Begründen Sie Ihre Antwort unter Einbezug eigener Erfahrungen oder Vorannahmen in diesem Kontext.

Da ich Englisch auf Lehramt studiere habe ich mich mit diesem Thema tatsächlich schon häufiger auseinandergesetzt und sehr viel darüber nachgedacht. Meine damalige Englischlehrerin hat in meiner Erinnerung weder amerikanisches noch britisches Englisch gesprochen. Viel mehr war ihr Akzent extrem „Deutsch“. Sie wollte von uns jedoch trotzdem, dass wir britisches Englisch Sprechen. Meine Varietät prägte sich dann erst nach meiner Schulzeit, durch ein work&travel Jahr in Australien. Da das australische Englisch eher dem britischen als dem amerikanischen Englisch ähnelt und ich persönlich britisches Englisch deutlich faszinierender finde, orientiere ich mein Englisch eher in das Britische.

In der Regel habe ich keine grundlegenden Probleme mit anderen Englisch Varietät(en). Jedoch können natürlich Slang-Wörter unbekannt sein. Gerade im australischen gibt es meiner Auffassung nach sehr viele Slang-Begriffe. Kommunikationsprobleme habe ich lediglich teilweise beim sprechen mit Afrikanisch stämmigen Englischsprechern gehabt. Die Probleme sind aufgetreten, da es mir auf Grund der Aussprache teilweise schwergefallen ist, auch nur den Kontext der Aussage zu verstehen.

Die Wichtigkeit von Slangs steht meiner Meinung nach beim erlernen anderer Sprachen gar nicht zur Debatte. Natürlich kann man nicht jeden Slang lernen und verstehen, jedoch sollte man eine grobe Grundkompetenz für Slangs in der spezifischen Sprache entwickeln. Man stelle sich vor, dass ein nicht Muttersprachler Deutsch lernt und nach Süddeutschland reißt, ohne jemals vom schwäbischen oder bayrischen Dialekt gehört zu haben. Die Verständigung wäre vermutlich sehr kritisch, wenn der nicht Muttersprachler keinerlei Kompetenzen für deutsche Dialekte besitzt. 

 

Aufgabe 3 ) Schauen Sie sich das folgende englischsprachige Video auf youtube an.

https://www.youtube.com/watch?v=e2SCWjKYR-w

Language as a mirror of society / Francisco Moreno Fernández (2020)

Identifizieren Sie drei Elemente aus dem Video heraus, die auf die Existenz von Varietäten hinweisen und erläutern Sie, welche Begründung Prof. Moreno Fernández für Existenz und Relevanz von Varietäten (in diesem Fall des Spanischen) anführt.

Prof. Moreno Fernández zeigt in dem Video das Sprache sich auf Grund von Unterschiedlichsten Einflüssen verändern kann. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung spielt zum Beispiel Wandel. Dieser kann politische oder gesellschaftliche Gestalt annehmen. Des Weiteren kann Sprache sich stark durch Migration ändern. Auch geschichtliche Faktoren weisen laut Prof. Moreno Fernández auf die Existenz von Varietäten hin. Ein interessantes Beispiel für diapotische Variation zeigt er mit dem Wort „Luca“ auf. Dieses Wort hat in mehreren spanischsprachigen Ländern unterschiedliche Bedeutungen. So wird es in Chile umgangssprachlich für 1000 Pesos verwendet, stammt jedoch eigentlich aus Argentinien und wird dort im kriminellen Kontext verwendet. Durch neue Kommunikation und grenzenlosere, zugänglichere Länder wird der Wandel der Sprachen weltweit laut Prof. Moreno Fernández immer rapider.

Ein Kommentar

  1. Hallo Lennart,
    ich freue mich deinen Beitrag kommentieren zu dürfen. Ich bin deiner Meinung, dass die Lehrkräfte für weitere sprachliche Kompetenzen sensibilisiert werden sollten. Wie du es bereits in deinem Beitrag erwähnt hast, sollte die Lehrkraft in der Lage sein die schwachen Kompetenzen eines SuS zu sehen und anzumerken. Es reicht nicht aus nur eine Varietät einer Sprache zu vermitteln. Zudem sollte dies dann auch nicht bewertet werden. Wie sollte es dann bei schriftlichen Abgaben sein, bzw. gibt es einen sprachlichen Unterschied? Die Wortwahl ist natürlich von jedem SuS unterschiedlich und doch wär es gut einen einheitlicher Schreibstil zu vermitteln.

    Deine eigene Erfahrung finde ich sehr interessant. Ich bin auch mit britischen Englisch, aus privaten Kreisen, groß geworden. Dadurch waren mir bestimmte Slangs schon bekannt. Doch für meine Mitschüler war es oftmals schwer die Worte zu verstehen und zuzuordnen. Ich kann dir zustimmen, dass in schulen auch Slangs näher gebracht werden sollen. Zudem spricht wahrscheinlich kein Engländer so wie wir es aus der Schule kennen. Meiner Meinung nach sollte das auch noch etwas angepasst werden. Es sollte den SuS näher gebracht werden, dass auch andere Länder wie auch Deutschland Slangs hat.

    Durch die Migration verändern sich die Sprachvarietäten. Wie in deinem Beispiel aufgefasst das Wort „Luca“. Ein Wort mit verschiedenen Bedeutungen in jeder Gesellschaft. Die Sprache zeigt somit auch wie sich die Welt und die Gesellschaft verändert.

    Liebe Grüße
    Anna

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