„BEGEGNUNGSPÄDAGOGIK“

1. Der zentrale Aspekt der Begegnungspädagogik ist das gegenseitige Kennenlernen, also über andere Religionen, Perspektiven und Kulturen zu lernen und diese zu verstehen. Allerdings können auch einige Probleme auftreten. Als Beispiel hierfür hat Frau Dr. Kenngott das „interkulturelle Frühstück“ vorgestellt. Die Teilnehmer werden gebeten Speisen und Getränke ihrer jeweiligen Kultur/Herkunft mitzubringen. Diese Aufgabe wirft allerdings die Frage auf, was eigentlich die eigene Kultur oder Herkunft ist. Wenn man zur Hälfte Franzose und zur Hälfte Deutscher ist, soll man nun das stereotypische Baguette oder das stereotypische Butterbrot mitbringen? Die Schüler werden wenn auch unterschwellig dazu verleitet sich einer Gruppe zuzuordnen, zu der sie vielleicht keine wirkliche Verbindung haben.

2. Um das ganze auf den Religionsunterricht zu beziehen, in meiner gesamten schulischen Laufbahn habe ich noch nie gesehen, dass ein muslimischer oder jüdischer Religionsunterricht angeboten wird. Es gab immer nur christlichen Religionsunterricht und Werte und Normen. Es findet also wieder eine sehr starke Generalisierung statt, entweder man gehört dem Christentum an oder „den anderen“. Dies soll allerdings kein Vorwurf sein, sondern lediglich eine Observation. Es ist verständlich, dass es organisatorisch unmöglich ist Kurse für jede Religion anzubieten. Außerdem wurden im Werte und Normen Unterricht Einblicke in so ziemlich alle größeren Religionen gewährt, darunter auch in den Buddhismus und den Hinduismus. Die Wahl zwischen dem Religionsunterricht und dem Fach Werte und Normen ist eine Frage von Qualität oder Quantität. Will man viel über die Religion lernen, die Deutschland zum größten Teil ausmacht oder will man etwas weniger über alle anderen Religionen lernen? Aus diesem Grund sieht es zwar auf den ersten Blick so aus als ob das Christentum bestimmte Privilegien besitzt, allerdings ist es diese Aufteilung ein guter aber vor allem effektiver Ansatz um sowohl die „Hauptreligion“ des Landen als wichtiges und vor allem unabhängiges Fach zu wahren, als auch die viel zu diverse religiöse Pluralität der Schüler in einem einzigen Fach zu sammeln.

3. Als Beobachtungsaufgabe für kommende Praktika würde ich gerne etwas mehr über den traditionellen Religionsunterricht in Erfahrung bringen, da sich der Großteil meiner Erfahrung auf den Werte und Normen Unterricht bezieht. Werte und Normen war schon immer ein Fach, das sehr neutral mit dem Thema Religion behaftet war. Auf Grund dessen würde ich gerne in Erfahrung bringen wie klassischer Religionsunterricht mit anderen Religionen umgeht.

Ein Gedanke zu „„BEGEGNUNGSPÄDAGOGIK““

  1. Ich finde gut, wie du nochmal kurz die Begegnungspädagogik kritisch erläutert hast und wie du dabei auf das Beispiel aus der Vorlesung eingegangen bist.
    Die Grundschule, die ich besuchte ist katholisch geprägt. Dadurch habe ich die ersten vier Schuljahre stark christlich orientierten Religionsunterricht erfahren. In meiner weiteren Schullaufbahn hatte ich dann sowohl biblischen Geschichts- und als auch Religionsunterricht. Auch dieser Unterricht war auf das Christentum zugeschnitten. Leider haben wir ebenfalls in der Schule nur wenig über andere Religionen gelernt. Ich finde es sehr interessant zu lesen, wie du über den Religionsunterricht denkst. Ich teile deine Meinung diesbezüglich. Es ist schwer jede Religion als Unterrichtsthema zu behandeln, da man vermutlich nur wenig bis gar nicht auf die verschiedenen Ethnien eingehen kann. Aus diesem Grund kann ich auch nachvollziehen weswegen das Christentum im Unterricht fokussiert wird.
    Das Unterrichtsfach Werte und Normen wurde an meiner Schule leider nicht angeboten, aber es klingt wie eine sehr gute Alternative für den Religionsunterricht, wenn man auf die Pluralität der der Religionen eingehen möchte.

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