1. Die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus zählt mitunter zu einen der wichtigsten Aufgaben für Lehrer/innen, die jedoch enormes Konfliktpotenzial u. A. durch Rollenzuschreibungen bietet (vgl. Killus/ Paseka 2021:254-255). Insbesondere in einer Migrationsgesellschaft ist die Zusammenarbeit beider Parteien von großer Bedeutung. Im Bremer Schulgesetz sind die individuellen Rechte von Eltern, aus denen sich konkrete Pflichten für die Schule ergeben klar festgelegt. So verpflichtet die Mitwirkungspflicht (§ 6) die Schule dazu, Rahmenbedingungen zu garantieren, die es den Eltern ermöglichen, am schulischen Geschehen aktiv teilzuhaben (vgl. Karakaşoğlu 2026, Folie 14). Darüber hinaus resultieren aus dem Recht auf Information über den schulischen Alltag (§61) sowie dem Recht auf Hospitation im Unterricht (§ 61) die Pflicht für Lehrkräfte, Transparenz zu schaffen und unkomplizierte Zugänge für alle Sorgeberechtigten zu gewährleisten, die sich den Unterricht aus erster Hand anschauen möchten (vgl. Karakaşoğlu 2026, Folie 14).
2 Als ein gelungenes Beispiel für die Kommunikation zwischen Schule und Eltern möchte ich die Bereitstellung von Informationen wie Elternbriefen in mehrsprachigen Formaten anführen. Durch mehrsprachige Elternbriefe können Barrieren abgebaut werden, wodurch Eltern direkt und ohne die Instrumentalisierung von ihren Kindern als Dolmetscher/innen in den Bildungsprozess einbezogen werden. Dies fördert die „Gestaltung einer Bildungs-und Erziehungspartnerschaft mit Eltern“( Karakaşoğlu & Vogel 2024, S. 207), da Eltern nicht als defizitär wahrgenommen, sondern als eigenständige Akteur/innen anerkannt werden . Demgegenüber stehen weniger gelungene Ansätze, wie etwa ineffektiv koordinierte Lernentwicklungsgespräche, die ich während meiner Schulzeit oft erfahren oder mitbekommen habe. Wenn Lernvereinbarungen als bloße Formalität behandelt werden, ohne dass eine individuelle und kontinuierliche pädagogische Begleitung durch die Lehrkraft erfolgt, verlieren diese an Wirkung. Eine solche Praxis scheitert oft daran, dass die hohen Erwartungen an die Kooperation ohne ausreichende Unterstützung, meinen eigenen Erfahrungen nach, nicht in den Arbeitsalltag mit einer gesamten Klasse integrierbar ist.
3. Der Umgang mit gesellschaftlichen Vorurteilen und Schubladendenken bleibt für Lehrkräfte oft eine Herausforderung, wie sie in den Karikaturen über Eltern mit Migrationsgeschichte sichtbar werden. Die erste Karikatur verdeutlicht die problematische Annahme, dass Menschen mit Migrationsgeschichte generell nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügten, was den Bildungserfolg durch eine defizitorientierte Zuschreibung gefährdet. Die zweite Karikatur thematisiert die diskriminierende Vorstellung, Menschen aus anderen Ländern besäßen einen geringeren Bildungsstand, was mit einer Stigmatisierung von Personengruppen als „primitiv“ einhergeht. Diese rassistischen Zuschreibungen führen dazu, dass Lehrkräfte den Schüler/innen sowie deren Eltern ein geringeres Potenzial zuschreiben, was die Bildungsbiografien nachhaltig negativ beeinflussen kann, oder gar zur Abschiebungen führen kann (vgl. Karakaşoğlu & Vogel 2024, S. 105). Nur durch eine konsequente diversitätsreflexive Haltung und dem Verständnis von dem Elternhaus als eine wichtige Bildungsressource für die Schüler/innen (vgl. Hertel et al 2019, S. 361), kann das Ziel einer chancengerechten Bildungspraktik erreicht werden.
Literaturverzeichnis
- Hertel, S., Hartenstein, A., Sälzer, C., & Jude, N. (2019). Eltern. In M. Harring, C. Rohlfs & M. Gläser-Zikuda (Hrsg.), Handbuch Schulpädagogik (2. aktualisierte und erweiterte Aufl., S. 375–385). Stuttgart: UTB GmbH / Waxmann.
- Karakaşoğlu, Y. (2026). Elternkooperation in der Schule der Migrationsgesellschaft [Ringvorlesung]. Universität Bremen.
- Karakaşoğlu, Y., & Vogel, D. (2024). Migration bewegt Schule. Transnationalität als Impuls für Schulentwicklung und Lehrkräftebildung. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.
- Killus, D., & Paseka, A. (2021). Kooperation zwischen Eltern und Schule: eine Orientierung im Themenfeld. Die Deutsche Schule, 113(3), 253–266.