Ein Praktikum im Archiv

Da im Rahmen unserer Ausbildung zum FAMI ist auch ein Praktikum in einem Archiv vorgesehen ist und wir uns frei entscheiden dürfen, in welches Archiv wir gehen wollen, hatte ich mich meinerseits entschieden in das Niederländische Landesarchiv Abteilung Oldenburg zu gehen. Das NIedersächsische Landesarchiv ist zuständig für die historischen uns amtlichen Überlieferungen des Bundeslandes und ist aufgeteilt in acht Abteilungen, darunter auch Oldenburg. Ich möchte hier einmal von meinen Erfahrungen während meines 4-Wöchigen Praktikums berichten :))

Da ich im ersten Lehrjahr wahlweise schon einmal das Fach Methoden und Verfahren: Archiv belegt hatte war mir die Funktion eines Landesarchivs nicht völlig fremd und ich hatte eine ungefähre Vorstellung was auf mich zukommen könnte. Trotzdem war es eine spannender und auch teilweise überraschender Einblick in die Arbeit eines Archivs und die Unterschiede zu den Tätigkeiten eines FAMIs im Vergleich zur Bibliothek.

Bereits zu Beginn meiner Zeit im Archiv habe ich eine Einführung in die dort verwendete Software bekommen, über die unter anderem recherchiert, die Bestände verzeichnet und Bestellungen und Nutzer verwaltet werden. Arcinsys (die besagte Software) sah auf den ersten Blick erstmal etwas ungewohnt aus aber nach kurzer Einführung und ein wenig selbständiger Recherche in den Beständen, konnte ich mich damit eigentlich sehr schnell anfreunden. Damit ich einen Eindruck davon gewinnen konnte wie neue Archivalien und Bestände in das System aufgenommen, also verzeichnet, werden, durfte ich selbständig (natürlich mit Unterstützung bei Problemen) an zwei unterschiedlichen Beständen verzeichnen. Das verzeichnen ähnelt eigentlich stark dem Katalogisieren in der Bibliothek, nur, dass man weniger Angaben zu den formalen Daten der jeweiligen Ressource macht, sondern eher versucht einen möglichst aussagekräftigen Titel zu vergeben. Dieser stammt oft z.B. von der Akte selbst. Wenn sich kein guter Titel finden lässt werden nach Möglichkeit mit einer sogenannten „Enthält-Angabe“ einige besonders wichtige Inhalte der Ressource hervorgehoben. Zudem wird eine Laufzeit angegeben, das heißt es wird aus der jeweiligen Ressource ermittelt, in welchem Zeitraum die darin enthaltenden Dokumente bearbeitet werden.

Einer der Bestände, die ich bearbeitet habe waren Akten der Eierverkaufsgenossenschaft Wiefelstede, was erstmal nicht besonders spannend klingt aber die Genossenschaft wurde bereits 1897 gegründet und ich habe unterschiedliche Unterlagen von der Zeit bis in die 1970er bearbeitet und konnte dabei beobachten, wie sich Handschriften und Vorgänge gewandelt haben. Und auch wenn ich jetzt vielleicht kein Profi bin, kann ich nach diesem Praktikum schon einiges an alten Handschrifte gut lesen. Wird bestimmt irgendwann einmal nützlich sein :)

Einen Überblick über den Bestand den ich bearbeiten durfte
Beispielsweise einer meiner Einträge in Arcinsys

Das Verzeichnen hat mit ähnlich wie das Katalogisieren in der Bibliothek auch eigentlich Spaß gemacht, konnte aber nach einer Weile etwas anstrengend werden, vor allem wenn sich kein guter Titel finden lies oder es sich um schwer zu entziffernde Handschriften handelte. Daher war es schön, dass ich neben dem Verzeichnen als Hauptaufgabe während meines Praktikums auch täglich Einblicke in andere Bereiche und Aufgaben erhalten habe.

Neben dem Verzeichnen habe ich noch Eindrücke in die Aufgaben im Lesesaal bekommen. Dazu gehört ähnlich wie auch in der Bibliothek die Betreuung der Nutzenden, wenn auch um einiges weniger in der Anzahl. Zudem wird auch Nutzenden bei der Recherche geholfen, wenn diese selbst nicht mehr weiterkommen. Es werden auch Emailanfragen von Außerhalb bearbeitet, besonders häufig werden darüber zurzeit, auf Grund des Arktikels des Spiegels und der Veröffentlichung der Mitgliederkartei der NSDAP, die Entnazifiezierungsakten von Verwandtet angefragt, die für den Oldenburger Raum eben im Niedersächsischen Landesarchiv Abteilung Oldenburg aufbewahrt werden.

Interessant war auch mein Einblick in die Verpackung der Archivalien. Denn jede einzelne wird auf Büroklammern, Heftklammern und ähnliches kontrolliert und wies im Archiv genannt wird „enteist“ (also alles aus Metall wird entfernt). Danach werden die Akten in neue säurefreie Papiermappen verpackt und je nach dicke der einzelnen Akten zusammen oder getrennt in einen ebenfalls säurefreien Archivkarton gepackt. All dies soll den Bestand vor Inneren (Säurefraß, rostendes Eisen, …) und Äußeren (Wasserschaden, Schimmel, …) Schäden schützen und dadurch einen möglichst langen Erhalt der Archivalien sichern. Dadurch sehen die Regale im Archiv oft auch sehr einheitlich aus und man kann die einzelnen Kartons von außen eigentlich gar nicht unterscheiden.

Eine weitere Maßnahme, die den Bestand schützen aber auch die Nutzung für Nutzer von Außerhalb ermöglichen soll ist die Digitalisierung. Auch hier durfte ich einen Einblick erhalten, auch wenn ich hier tatsächlich nicht viel neues gesehen habe, da dort lustiger Weise genau der gleiche Scanner genutzt wird, den ich auch aus unserer Digitalisierung in der SuUB kenne.

Während meiner ersten Recherche in Arcinsys durfte ich bereits nach Beständen gucken, die mich interessieren und die ich dann selbst mit weiter Bestellungen anderer Nutzer aus dem Magazin holen, genannt „ausheben“ durfte. Ich hatte mich für einen Brief über einen Fund antiker Waffen in meinem Heimatort entschieden. Das Ausheben an sich war nicht sonderbar kompliziert aber die Bestände im Landesarchiv sind in den Regalen von unten nach oben aufsteigend und von rechts nach links einsortiert, was bei mir eigentlich jedes Mal aufs Neue große Verwirrung ausgelöst hat. Neben dem Ausheben durfte ich dann auch noch bei reponieren von Bestellungen helfen, was im Grunde genommen das Gegenteil des Aushebens, da die Bestellungen, wenn sich wieder abgegeben werden an ihren Platz im Magazin zurückgebracht werden.

Neben diesen unterschiedlichen Arbeitsbereichen wurden mir auch immer wieder besonderer Fälle gezeigt, denen man während der Arbeit begenet. So wurde mir bespielsweise ein Wachstafel aus dem 15. Jarhundert gezeigt, die für einen italienischen Forscher digitalisiert werden sollte.

Schlussendlich kann ich sagen, dass mir das Praktikum im Archiv sehr gefallen hat und ich dadurch viele spannenden neue Erfahrungen gewonnen habe. So ein Besuch in einem Archiv kann auch außerhalb von einem Praktikum interessant sein, wenn man z.B. zu seiner eigenen Familie Nachforschungen anstellen möchte oder genrelle Interesse an der Geschichte der Gegend hat. Außerdem ist das Archiv ein wunderbar kühler Aufenthaltsort in einer Hitzewelle :)

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