Das etwas andere Beratungsgespräch (Eingereichter Text für Vocatium-Ausbildungspreis 2026)
Neulich, in einer ruhigen Stunde in der Leihstelle der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, kam eine Studentin auf mich zu. In meiner Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste habe ich täglichen Umgang mit Forschenden und Studierenden, also nahm ich aus Gewohnheit an, dass sie Bücher ausleihen oder Hilfe bei der Suche nach Literatur möchte. Stattdessen konnte ich durch ihre Fragen reflektieren, was ich an meiner Ausbildung wirklich liebe – und ihr gleichzeitig weiterhelfen! Hoffentlich hilft mein Gedankenprotokoll auch anderen:
Ich: „Moin, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“
Studentin: „Hallo, ich habe vielleicht ein etwas ungewöhnliches Anliegen und ich weiß nicht, ob ich hier an der richtigen Stelle dafür bin. Sie sind doch Bibliothekar:in?“
Ich: „Nicht ganz, ich bin FaMI, also Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, in Ausbildung. Für Bibliothekar:innen ist ein Studium erforderlich. Das kann man berufsbegleitend an die Ausbildung anschließen, wenn man möchte.“
Studentin: „Oh, darf ich vielleicht ein paar Fragen zu der Ausbildung stellen? Ich überlege mein Studium zu beenden und eine Ausbildung anzufangen. In einer Bibliothek zu arbeiten stelle ich mir irgendwie sehr angenehm vor.“
Ich: „Natürlich dürfen Sie mir dazu Fragen stellen, ich nehme mir dafür gerne Zeit. Übrigens habe auch ich mein Studium beendet und bereue es überhaupt nicht, dass ich stattdessen die FaMI-Ausbildung begonnen habe!“
Studentin: „Darf ich fragen, wieso Sie sich umentschieden haben?“
Ich: „Ich habe mein Studium kurz vor der Corona-Pandemie begonnen, und als die Pandemie kam, hat sich vieles so schnell verändert. Die Pandemie selbst, die unsichere geopolitische Lage, der immer größere Einfluss sozialer Medien auf die ohnehin schon riesige Flut an alltäglichen oder akademischen Informationen, Künstliche Intelligenz – ich kam nicht wirklich im Studentenleben an, da alles irgendwie in großer Unruhe war. Umso dankbarer bin ich für diesen ruhigen Hafen, den ich in der Bibliothek gefunden habe, von dem aus ich Menschen in ‚Informations-Unruhe‘ helfen kann.“
Studentin: „Sie sprechen mir aus der Seele! Bei Recherchen für das Studium fühle ich mich oft überrollt von den ganzen Informationen. Bibliotheksmitarbeiter:innen haben mir oft gut geholfen. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Lesen Sie auch die Bücher, die es hier gibt?“
Ich: „Ich bin zwar froh, in meinem Job von meiner Leidenschaft für Literatur umgeben zu sein und finde oft Lese-Inspiration, aber Lesen kann ich doch nur zu Hause. In einer Bibliothek gibt es einiges zu tun! Beratung von Nutzer:innen bei gezielten Recherchen, Leihverkehr zwischen Bibliotheken, Erwerb geeigneter Bücher, Zeitschriften und E-Lizenzen sowie Digitalisierung jahrhundertealter Bestände…
Mir bedeutet es jedoch am meisten, mit meiner Arbeit Menschen durch fundierte Quellen zu den verschiedensten Themen in ihrer persönlichen Bildung und wissenschaftlichen Arbeit zu unterstützen. Es ist eine wichtige, demokratiefördernde Arbeit – ob öffentliche oder wissenschaftliche Bibliothek. Übrigens: Wussten Sie, dass KI-Systeme teilweise Quellen erfinden? Oft wird dadurch nach nicht existierenden Büchern oder Artikeln gesucht. Ich bin dann gerne mit tatsächlichen Quellen zur Stelle.“
Studentin: „Das klingt wirklich schön! Und das mit der KI ist ja absurd, eigentlich wollte ich noch mit einem Chat-Bot nach Informationen zur Ausbildung suchen. Können Sie mir stattdessen etwas empfehlen?“
Ich: „Ich kann Ihnen die Webseiten des Berufsverbands Information Bibliothek (https://www.bib-info.de/) und Mein Job Bibliothek (https://meinjob-bibliothek.de/ausbildung/) wärmstens empfehlen.“
Studentin: „Vielen Dank, Sie haben mir in meiner Orientierung wirklich weitergeholfen!“
Ich: „Immer wieder gerne. Denn das ist es, was ich an meiner Ausbildung liebe: In einer Welt voller Informationen Orientierung zu schaffen.“


