Abschlussreflexion

1. Während der Ringvorlesung zur Heterogenität in Schulen fand ich die Vorlesung zur Mehrsprachigkeit von Andrea Daase sehr interessant. Es ist wichtig, die Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und Schülern als eine Fähigkeit anzuerkennen. Es gibt Unterschiede zwischen Deutsch als Erst- und Zweitsprache. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Erstsprache haben, trotzdem Schwierigkeiten mit der Fachkompetenz in der deutschen Sprache haben können. Umgekehrt bedeutet es auch, dass Schülerinnen und Schüler, die nicht in Deutschland geboren sind, nicht automatisch auf dem Niveau einer Zweitsprache sind. Es ist wichtig, diese Unterschiede anzuerkennen und zu verstehen, um Schülerinnen und Schüler nicht zu benachteiligen. Schon seit dem ich in der Grundschule war war ich mir sicher, dass ich Lehrerin werden möchte. Dieses Verlangen hat nie nachgelassen, denn über die Jahre wurde mir klar: Ich möchte die Lehrerin sein, die ich damals gerne gehabt hätte. Deshalb ist es für mich als angehende Lehrerin sehr wichtig und wertvoll, eine Perspektive einzunehmen, in der ich mich selber gut reflektieren kann und jede*m einzelne*n Schüler*in gleich behandle. Die ein oder andere Lehrkraft hat dies auch versucht zu vertreten, jedoch blieb es bei dem Großteil aus. Im Deutschunterricht sollten fachdidaktische Methoden angewendet werden, um den Schüler*innen den Spracherwerb zu erleichtern. Eine Lösung wäre dafür, dass man Menschen, die nicht all zu vertraut mit der deutschen Sprache sind quasi an die Hand zu nehmen und in einem niedrigeren Deutsch Niveau spricht, um sich verständlicher auszudrücken, wenn es um Erklärungen von Inhalten geht, anstatt Fachsprache einzusetzen. Mit dem höheren Niveau kann man dann folgen, wenn die Aufgabenstellung und das Thema verständlich weitergegeben wurden. 

Zudem fand ich die Vorlesung zum Englischunterricht sehr interessant. Ein wichtiger Punkt, den ich aus der Vorlesung entnehmen konnte und welcher mich zum nachdenken angeregt hat ist „Das Ideal des native speaker“, bei dem es darum geht, dass man erst als native speaker gesehen wird, wenn man akzent- und fehlerfrei sprechen kann und dass es als „peinlich“ angesehen wird, wenn man einen Akzent hat. Betont wurde dabei der Deutsche Akzent, den man lieber vermeidet, in dem man „fehlerlos schweigt“, als Fehler zu machen. Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass Schüler*innen aufgrund von Lehrermangel oft nicht von beispielsweise Englischlehrer*innen, sondern von vielen verschiedenen Lehrer*innen unterrichten werden, die die Sprache bzw. das Fach in vielen Fällen nicht beherrschen oder verstehen. Sehr schade hierbei ist, dass viele Schüler*innen ihre Lernkompetenz dadurch nicht erweitern und fördern können. Sie bekommen nämlich keine aktive Rückmeldung zu ihren Fehlern und können sich in den meisten Fällen nicht einmal selber mündlich beteiligen, weil Sie Lernmaterial bekommen, welches sie in Stillarbeit bearbeiten müssen. 

2. Das Handeln von einigen Lehrkräften in Hinblick auf das Thema der Geschlechterrollen hat mich zu meiner Schulzeit sehr geprägt, denn diese Erkenntnis habe ich während meiner Schulzeit des öfteren persönlich wahrgenommen. Es wurde oft diskutiert und behauptet, Jungen seien eher mathematisch fortgeschritten, als Mädchen es eben sind. Zudem wurde oft addiert, dass Mädchen dafür eher sprachlich begabt seien. Für mich als Lehrperson ist es daher äußerst wichtig sicherzustellen, dass ich Schüler*innen in keiner Art und Weise aufgrund ihres Geschlechts durch unbewusste Vorurteile benachteilige oder ihre Leistungen überbewerte. Es ist essenziell anzuerkennen, dass solche Vorurteile oft unbewusst aufgrund gesellschaftlicher Denkmuster entstehen, selbst wenn sie nicht unbedingt mit den eigenen moralischen Überzeugungen übereinstimmen. Daher ist es als eine Lehrperson sehr wichtig, sich diesen Dingen bewusst zu werden und diesem Denkmustern nicht zu folgen. Diese stimmen nämlich nicht zwingend überein, weshalb man sich in jedem Fachgebiet zu jedem/jeder Schüler*in ein eigenes Bild machen sollte und diese Fähigkeiten ohne jegliche Vorahnung behandeln und bewerten sollte. 

Zudem kam es in meiner Schulzeit oft zu Fällen von Mobbing. Ein Beispiel davon wäre während des Englischunterrichts. Meine Mitschülerin wurde ständig ausgelacht, wegen ihrer schlechten Aussprache und der falschen Satzbildung, denn sie beherrschte die Grammatik nicht gut. Immer wenn sie gesprochen hat fingen alle Schüler an zu lachen und Witze währenddessen, oder auch außerhalb des Englischunterrichts über sie zu machen.  Deshalb hat sie sich mündlich kaum bis gar nicht mehr beteiligt und einfach geschwiegen. Meiner Meinung nach ist es sehr blöd für die Schülerin, da sie in dem Fall ihre Englischkenntnisse nicht durch mündliche Beteiligung und die damit einhergehende Korrektur von ihren Fehlern (von der Lehrkraft) erweitern konnte. In meinem Unterricht werde ich sehr darauf achten, dass ich meine Schüler*innen in jeder Situation ermutigen und motivieren werde, in dem ich die richtigen Antworten hervorheben und loben werde. Zu bemängeln ist, dass die Lehrkraft sich da rausgehalten hat, beziehungsweise, dass der Lehrkraft wahrscheinlich nicht einmal bewusst war, dass dort Mobbing betrieben wurde. Diese Situation ist sehr zu bemängeln, man sollte LehrerInnen explizit auch auf solche Situationen schulen und ihnen bewusst machen, dass Mobbing auch schon mit erstmal „harmlos“ scheinenden Aspekten beginnen kann, denn: „Man spricht von Mobbing (englisch: Bullying) in der Schule, wenn ein/e Schüler/in über einen längeren Zeitraum absichtlich negativen, kränkenden oder verletzenden Handlungen von einer/einem oder mehreren Schüler/innen ausgesetzt ist und zwischen Opfer und Täter/innen ein Machtungleichgewicht der Kräfte besteht (vgl. Olweus 1995).“ (Strohmeier 2019) (Vorlesung: Mobbing, Diskriminierung und Rassismus, Folie 6) Dies traf auf jeden Fall auf die Schülerin zu. Dies prägte selbst mich, denn ich hatte trotz meiner guten Englischkenntnisse immer Angst, selbst in solch eine Situation zu kommen und beispielsweise ausgelacht zu werden, denn sowas zieht sich in vielen Fällen über einen längeren Zeitraum. 

3. Ich würde generell gerne mehr über das Thema Mobbing erfahren und hätte mir gewünscht, dass man es erweitern würde. Ein Beispiel für eine Erweiterung wäre, dass man Fallbeispiele mit einbeziehen könnte, in denen genau beschrieben wird, wie breit gefächert Mobbing sein kann und wie sensibel man mit diesem Thema umgehen muss. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass die Themen Diskriminierung, Mobbing und Rassismus aus jeweils einer Vorlesung bestehen würden, da mann dann auch viel mehr Input für diese wichtigen Themen hätte. Mehr erfahren würde ich auch gerne über das Thema Migration. In Anbetracht der zunehmenden Bedeutung von Migration halte ich es für wichtig, bei der Unterrichtsplanung dieses Thema angemessen zu berücksichtigen. Deshalb würde ich gerne im Rahmen der Vorlesung eine vertiefte Auseinandersetzung mit Migration durchführen und vor allem erziehungswissenschaftliche Ansätze erforschen, die auf die Herausforderungen der Migration eingehen und angemessene Reaktionen darauf entwickeln. Dieses Thema ist sehr präsent und wird auch in Zukunft weiterhin präsent sein. Anzumerken ist, dass die Einführung in jeder Vorlesung super gelungen ist. Ich wurde gut in das Thema eingeführt und hatte dann auch Spaß daran aktiv zuzuhören. 

Quellen: 

  • Hufeisen, Britta; Riemer, Claudia (2010): Spracherwerb und Sprachenlernen. In: Krumm, Hans-Jürgen; Fandrych, Christian; 
  • Hufeisen, Britta; Riemer, Claudia (Hrsg.): Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Ein internationales Handbuch. Halbband 1. Berlin: de Gruyter, 738–753. 
  • Senatorin für Bildung und Wissenschaft (2010). Englisch. Bildungsplan für die Oberschule. Bremen: Selbstverlag.
  • Oksaar, Els (1980): Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt, Sprachkonflikt. In: Melde, Peter H. (Hrsg.): Sprachkontakt und Sprachkonflikt. Wiesbaden: F. Steiner, 43–52.
  • Trautmann, Mathias/Wischer, Beate (2011): Heterogenität in der Schule. Eine kritische Einführung. VS-Verlag, S.17-18
  • Wandruszka, Mario (1979): Die Mehrsprachigkeit des Menschen. München & Zürich: R. Piper & Co. Verlag, S. 18
  • Strohmeier, D. (2019). Mobbing in multikulturellen Schulen. In: Kracke, B., Noack, P. (eds) Handbuch

Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert