RV10// Prof. Dr. Alisha M. B. Heinemann// Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Schule

  1. Benennen Sie auf Grundlage des Textes von Debus/Laumann 2018 die verschiedenen Ebenen auf denen a) Geschlechtliche Vielfalt , b) sexuelle und romantische Orientierungen differenziert werden können und c) recherchieren Sie als Gegensatz dazu, das Konzept der Heteronormativität und beschreiben Sie kurz, was damit gemeint ist. d) Arbeiten Sie heraus, inwiefern die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt von Menschen auch im Rahmen Ihres eigenen Berufs als Lehrer*in relevant sein könnte in Bezug auf die Lehrinhalte, die Lehrbücher, die Beziehung zu den Schüler*innen und Kolleg*innen. Nennen Sie dazu mindestens zwei konkrete Beispiele. 

Nach Debus/Laumann ist es wichtig, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt auf drei unterschiedlichen Ebenen zu betrachten. Erstens gibt es die Ebene der körperlichen Unterschiede, bei der Differenzierungen vorgenommen werden können. Zweitens sind die Ebenen der Identität und des Ausdrucks von Bedeutung und sollten gleichzeitig betrachtet werden. Es ist also notwendig, diese Aspekte parallel zu berücksichtigen. (vgl. Debus / Laumann 2018: 15ff). Heteronormativität beschreibt das gesellschaftliche Bild, das nur aus zwei Geschlechtern besteht (Mann und Frau) und in dem ausschließlich heterosexuelle Beziehungen als die Norm gelten. Personen, die sich weder mit einem der beiden Geschlechter identifizieren oder sich nicht in einer heterosexuellen Beziehung befinden, werden daher als „anders“ betrachtet. Sie werden indirekt dazu gezwungen, sich zu outen und zu erklären, dass sie nicht den sozialen Erwartungen entsprechen (Quelle: diversity-arts-culture.berlin, oberer Abschnitt).

Beispiele: Es ist von Bedeutung, dass Lehrinhalte die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt angemessen repräsentieren, um Schüler*innen ein umfassendes Verständnis zu vermitteln. Dies kann beispielsweise durch die Integration von LGBTQ+-Personen in den Geschichtsunterricht oder Sozialkunde geschehen, um ihre Beiträge und Erfolge in der Gesellschaft zu thematisieren. Diese Einbindung ermöglicht nicht nur Wissensvermittlung, sondern fördert auch die Sichtbarkeit und Akzeptanz diverser sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten. Darüber hinaus sollten Lehrbücher aktualisiert werden, um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt angemessen darzustellen. Hierbei ist es wichtig, Familien, Beziehungen und Geschlechterrollen in vielfältiger Weise zu präsentieren, um den Schüler*innen ein realistisches und inklusives Bild der Welt zu vermitteln. Lehrbücher können zum Beispiel durch Bilder und Texte verschiedene Familienformen und Beziehungsmodelle repräsentieren, einschließlich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und nicht-binärer Geschlechteridentitäten.

2. Fallbeispiel in der Schule: Jona weiß schon seit einiger Zeit, dass er ein Junge ist, auch wenn ihm bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. In der Schule haben die meisten Lehrenden Jona akzeptiert und nennen ihn bei seinem neuen Namen und Pronomen. Aber immer wenn es um die Toilettennutzung oder den Sportunterricht geht, kommt es zu Problemen. In der Umkleide beim Umziehen wird er von seinen Cis-männlichen Klassenkameraden ausgelacht. Die Cis-Mädchen wollen Jona in ihrer Umkleide auch nicht haben. Sie behaupten, Jona würde sie beobachten und das sei Ihnen unangenehm. Jona war früher sehr sportbegeistert, inzwischen nimmt er am Sportunterricht nur noch selten teil und meldet sich immer häufiger krank.

Überlegen Sie, welche Schritte würden Sie als Lehrer*in gehen, um Jona das alltägliche Leben leichter zu machen? Wie sollte sich das Kollegium aufstellen, welche Gespräche müssten mit der Klasse geführt werden und welche institutionellen Barrieren könnten abgebaut werden? Notieren Sie Ihre Überlegungen.

Als aller erstes würde ich ein einzelnes ein Gespräch mit den jeweiligen Schüler*innen führen. In diesem Fall mit Jona. Als Lehrerin* ist es nämlich wichtig, persönliche Gespräche mit Jona zu führen, um seine Gefühle und Bedürfnisse in dieser Situation zu erfahren. Nur so kann man angemessen handeln und Jona bestmöglich unterstützen. Darüber hinaus ist es von Bedeutung, die anderen Schüler*innen für das Thema Geschlechtervielfalt zu sensibilisieren und aufzuklären. Wenn man bemerkt, dass Jona diskriminiert oder gemobbt wird, ist es entscheidend, einzugreifen und Jona zu verteidigen. Auch das Kollegium sollte für das Thema sensibilisiert sein und eine offene und unterstützende Haltung gegenüber Geschlechtervielfalt einnehmen. Innerhalb des Kollegiums können Besprechungen organisiert werden, in denen Themen wie geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, Vorurteile und Akzeptanz diskutiert werden. Dabei ist es wichtig, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem die Schüler*innen Fragen stellen können, ohne sich unwohl zu fühlen.Des Weiteren sollte die Schule eine klare Position gegen Mobbing einnehmen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Es könnten institutionelle Barrieren wie heteronormative Umkleideräume abgebaut werden, indem geschlechtsneutrale Umkleideräume oder Toiletten zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise hätte Jona einen sicheren Ort, an dem er sich unbesorgt umziehen kann.

3. Recherchieren Sie in den sozialen Medien mindestens drei positive Vorbilder, die offen und bestärkend damit umgehen, dass Ihre eigene Sexualität oder Geschlechtsidenität von der heteronormativen Struktur abweicht und stellen Sie diese kurz in wenigen Sätzen vor.

Elliot Page, ehemals bekannt als Ellen Page, ist ein kanadischer Schauspieler, der sich öffentlich als transident geoutet hat. Als Vorbild für Transgender-Menschen weltweit nutzt Elliot Page seine Plattform, um Bewusstsein für die Anliegen und Herausforderungen von LGBTQ+-Personen zu schaffen. Durch ihr offenes und mutiges Auftreten trägt sie dazu bei, die Sichtbarkeit und Akzeptanz von transidenten Menschen in der Gesellschaft zu fördern.

Sam Smith ist ein britischer Singer-Songwriter, der sich als nicht-binär identifiziert und die Pronomen „sie“ und „ihnen“ verwendet. Sam hat mutig über die eigene Geschlechtsidentität gesprochen und damit dazu beigetragen, das Bewusstsein für nicht-binäre Identitäten zu erhöhen. Durch die Offenheit und das Engagement trägt Sam dazu bei, eine inklusivere Gesellschaft zu schaffen, in der verschiedene Geschlechtsidentitäten akzeptiert und respektiert werden.

Alex Mariah Peter, die Gewinnerin der 16. Staffel von Germanys Next Topmodel im Jahr 2021, wurde im falschen Körper geboren. Im Alter von 25 Jahren teilt sie mutig ihre Geschichte und erzählt, dass sie schon immer wusste, dass sie kein Junge ist. Obwohl die Sendung Germanys Next Topmodel hauptsächlich für eine jüngere Zielgruppe gedacht ist, nutzt Alex die sozialen Medien, um offen über das Thema zu sprechen. Sie zeigt der Öffentlichkeit, dass es völlig normal ist, wenn man sich nicht mit dem Geschlecht identifiziert, mit dem man geboren wurde. Durch ihre Offenheit trägt Alex dazu bei, das Bewusstsein zu schärfen und anderen Menschen zu zeigen, dass es wichtig ist, authentisch zu sein und sich selbst zu akzeptieren.

Quellen:

Debus, Katharina/ Laumann, Vivien (2018): Pädagogik geschlechtlicher, amouröser und sexueller Vielfalt. Zwischen Sensibilisierung und Empowerment, Berlin: Dissens, Institut für Bildung und Forschung e.V.

Hartmann, Jutta et al. Heteronormativität. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007.


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