Objektbeschreibung: Assoziatives Schreiben

Gegenstand: Spiegel mit Kamm

Spiegel mit Kamm sieht aus wie ein etwas groß geratener Oreo-Keks. Es handelt sich jedoch um einen aufklappbaren Schminkspiegel mit integriertem Kamm. Gefertigt aus Plastik und wahnsinnig schlecht verarbeitet. Bestimmt ein billiges Teil, maximal zwei Euro würde ich schätzen. Mehr würde ich jedenfalls nicht dafür ausgebenMoment, ich würde überhaupt nichts dafür ausgeben.
Dabei ist es vielleicht manchmal gar nicht so unpraktisch einen kleinen Spiegel dabei zu haben. Wenn dieser kleine Gegenstand bloß nicht so feminin geprägt wäre Ach Mensch, wir leben echt in einer komisch verklemmten Scheiß-Gesellschaft. Okay, ich schweife ab.

Spiegel mit Kamm unterscheidet sich von einem wirklichen Oreo-Keks nicht nur durch Material, Größe und Funktion, nein es steht außerdem nicht Oreo darauf. Schon bescheuert, dass man trotzdem zuerst an den Markennamen denkt. Egal, auf unserem Keks-Spiegel steht jedenfalls Cocoa Cookies I Like.
Äh was?
Da ich nicht weiß was Cocoa bedeutet (falls es etwas bedeutet) werde ich nicht länger über die Aussage der Aufschrift grübeln. Stattdessen muss ich darüber nachdenken, wie es wohl zur Entwicklung, Fertigung und letzten Endes zum Kauf des Produkts gekommen ist. In meinem Kopf entsteht die lustige Szene, wie eine Anzugtragende Person seine Arbeitskollegen versucht vom Spiegel mit Kamm im Keks-Look Konzept zu überzeugen. Ich meine, irgendjemand muss sich das ja ausgedacht haben. Irgendjemand muss kalkuliert haben, dass Spiegel mit Kamm gewinnbringend zu vermarkten ist. Irgendjemand muss sich überlegt haben wie das kleine Teil möglichst billig hergestellt werden kann. Mal ehrlich, woher kommen diese unendlich vielen kleinen No-Name Produkte? Und wie ist es überhaupt möglich, dass Menschen Geld mit Produkten verdienen, die am Ende nur ein bis zwei Euro kosten?

Ich klappe den kleinen Keks auf und betrachte kurz mein Spiegelbild. Doch anstatt mir über meine Frisur Gedanken zu machen stelle ich mir Fragen über den Weg, den diese 20g Plastik schon zurückgelegt haben. Antworten habe ich keine. Ich glaube wir machen uns heutzutage viel zu wenig Gedanken über die Herkunft von all den Produkten und Artikeln die wir täglich benutzen.
Natürlich kann und will man nicht alles wissen aber eins steht ein fest:
Man muss auch nicht alles kaufen.

Literaturliste

Albrecht, Karl Otto (2001): Politik und Mode. Kassel: Edition Palatino.

De la Haye, Amy (2018): A Critical Analysis of Practices of Collecting Fashionable Dress. Fashion Theory 22. 381-403.

Lehnert, Gertrud (2013): Mode. Theorie, Geschichte und Ästhetik einer kulturellen Praxis. Bielefeld: Transcript-Verl.

Loschek, Ingrid (2010): Wann ist schön? Ästhetik des Schönen und des Hässlichen in der Mode. In: Holenstein, Schweizer, Weddigen, Zwahlen (Hrsg.): Zweite Haut. Zur Kulturgeschichte der Kleidung. Bern: Haupt Berne

Mani, Christine (2006): Jeanne Mammen – Eine Berlinerin aus Paris. Von der Modezeichnerin zur neusachlichen Großstadtchronistin. In: Burg, Zimmermann (Hrsg.): GARCONNES A LA MODE. Im Paris und Berlin der zwanziger Jahre. Göttingen: Wallstein Verlag. S. 29 – 47

Meinhold, Roman (2005): Der Mode Mythos: Lifestyle als Lebenskunst. Philosophisch- anthropologische Implikationen der Mode. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann

Ohrendorf, Marion (2004): Taschenlexikorn der Mode-Begriffe. Baden-Baden: Humboldt Verlag

Internet:

Pfannkuch, Katharina (2017): Politik in der Mode. Proteststoff. URL: http://www.spiegel.de/stil/politische-mode-kleidung-hat-immer-eine-aussage-a1144010.html (Datum des letzten Besuchs: 29.11.2018)

Was ist Kunst?

Letzte Woche war ich zum ersten Mal im Seminar „Einführung in die Kunstwissenschaft“ in der Weserburg.
Schön hier. Mit all den verstörenden Bildern von Cindy Sherman. Um 11 Uhr morgens. Nach drei Zigaretten trotz Erkältung. Weil das Seminar ja doch erst um 11.30 Uhr beginnt. Hätte man ja riechen können. …Trotz Erkältung.

Naja, ich will mich mal nicht beschweren, immerhin habe ich den ersten Termin verpasst.

Irgendwann geht es dann auch los bzw. weiter mit dem Stoff der Kunstwissenschaft.
Zum Einstieg eine kleine Analyse eines völlig überladenen, aber wahnsinnig guten Musikvideos von Beyonce und ihrem rappenden Mann. Danach dann zu etwas komplexeren Fragestellungen. Anstatt der Frage, was Wissenschaft bzw. wissenschaftliches Arbeiten ist (welche bisher in so ziemlich jeder Veranstaltung für uns unwissende Erstis aufkam, ohne jedoch wirklich geklärt zu werden) packt man in der Kunstwissenschaft wohl gleich zu Anfang so richtig aus und fragt:

„Was ist Kunst?“

Ja…. Was ist eigentlich Kunst? Gugte Frage.
Ob man, wenn man Philosophie studiert, auch gleich beim ersten Termin nach dem Sinn des Lebens gefragt wird?

Klar – auf Wikipedia gibt es bestimmt eine kurze, präzise Definition von Kunst.
Aber der Sinn des Lebens ist ja auch nicht wirklich 42.

Nach kurzer gedanklicher Überforderung finde ich Gefallen an der Frage und stellte mich auf eine wilde Diskussion mit 30 Leuten und 130 Meinungen ein.
Ach schade.Wir bleiben doch auf dem Boden der Tatsachen und bilden Zweiergruppen.
Und anstatt unserer eigenen Gedanken bekommen wir Texte ausgeteilt und sollen die Essenz des Kunstbegriffes, wie ihn andere einst definierten, auf einem Plakat zusammenfassen. Nice.
Am Ende stellt sich dann raus, dass die Antwort auf die gemeine Frage in der Geschichte der Kunst immer wieder überholt und neu definiert wurde. Ergibt Sinn. Cindy Sherman’s Fotografien wären im Mittelalter sicherlich auch keine Kunst gewesen….

Aber was ist denn jetzt Kunst?

Erst fällt mir überhaupt nichts ein.

Dann viel zu viel.

Wo fange ich an? Vielleicht damit, dass Kunst immer im Auge des Betrachters liegt? Und, dass damit eine allgemeine Definition unmöglich ist? Nein, dass wäre irgendwie kontraproduktiv.

Versuchen wir es so:
Kunst muss ja nicht zwingend ein Objekt sein. Es kann zum Beispiel auch ein Text, ein Klang oder eine Performance sein. Jedenfalls muss das Kunstwerk auf irgendeine Art erschaffen oder erdacht werden. Und um etwas zu erschaffen oder zu erdenken braucht jemand (später dann vielleicht der oder die Künstlerin) einen Impuls. Vielleicht ist dieser Impuls das entscheidende?

Angenommen ich will Wasser kochen und der Topf ist noch nicht erfunden.
Ich gehe also in die Werkstatt und versuche etwas zu konstruieren was sich möglichst gut zum kochen von Wasser eignet. Dann ist mein Impuls eher funktional und überhaupt nicht künstlerisch, egal wie ästhetisch der Topf am Ende aussieht und egal wie viel handwerkliches Geschick in ihm steckt.

Ein Impuls, der ein Kunstwerk hervorruft darf also nicht praktischer, funktionaler Natur sein. Er sollte vielmehr der Anregung, des Ausdrucks, der Verarbeitung von Gedanken oder Emotionen dienen.
Oder dem verbildlichen von Worten die nicht gefunden werden können.
Oder dem verwörtlichen von Bildern die nicht gesehen werden können. Ihr wisst was ich meine…

Selbst wenn man aus dem Impuls der Langeweile Farbe auf eine Leinwand klatscht, entsteht meiner Meinung nach Kunst.

Vielleicht liegt Kunst also doch nicht nur im Auge des Betrachters sondern vor allem im Auge – im Impuls – des Schaffenden?

Hoffentlich werden wir beim nächsten Termin von „Einführung in die Kunstwissenschart“ gefragt was gute Kunst ausmacht.
Ich glaube dann wird’s so richtig Interessant.

Peace out, Yannic.