In meiner Kindheit bekam mein 2 Jahre jüngerer Bruder, vielleicht zu seinem 2. oder 3. Geburtstag, ich glaube von unserem Opa, ein illustrierendes Buch über Flugzeuge.
Wir guckten es uns gemeinsam an und eines der Bilder blieb bei mir besonders haften: Es war die Abbildung eines Amerikanischen Aufklärungsüberschallflugzeugs: Eine „Blackbird“.

Was mich faszinierte, war weniger der Einsatz als Kriegsflugzeug, als viel mehr das aerodynamische Design, mit leicht „plattgedrückter“ Optik.

Bevor ich eingeschult wurde, dachte ich, dass die neuen Grundschüler, in den ersten Tagen ihrer Schulzeit, mit möglichen Klassenprojekten begrüßt würden, die dann während der vierjährigen Grundschulzeit, nach und nach, umgesetzt und kombiniert würden, um daraus, bis zur weiterführenden Schule ein die Gemeinschaft zusammenschweißendes „Gesamt(kunst)werk“ zu komponieren.
Mich in diesen Gedanken vertiefend, nahm ich mir fest vor, die Konstruktion einer „Blackbird“ vorzuschlagen und auf jeden Fall durchzusetzen. das Klassenzimmer stellte ich mir als Konstruktionsort als groß genug vor.
Auf den wahrscheinlichen Einwand der Lehrer, dass dieses Flugzeug, da ein Kriegsgerät und somit waffentauglich, nicht als Schulprojekt geeignet sei, gedachte ich „man muss es doch nicht bewaffnen, um damit fliegen zu können.“, zu antworten und empfand mich damit als unglaublich schlau.
Der Tag der Einschulung rückte näher und voller Vorfreude malte ich mir die spannendsten, die Fantasie fordernden, weiteren Projekte aus: irgendwie dachte ich wohl schon damals an so etwas wie „Jugend forscht“ nur halt mit… vielleicht so etwas wie Experimentierkästen für Handwerk, Elektrotechnik, programmieren, Pflanzen ziehen, basteln, in der Art halt… ich muss wohl nicht dazu schreiben, dass mich die Schule tief enttäuscht hat… wo ich am Anfang noch motiviert war und dachte: *wann gehts denn endlich los mit den Abenteuern, wann kommen denn endlich die spannenden Projekte, mit denen man die Welt erforschen, erfahren und nützlich machen kann?*, begann ich irgendwann zu erahnen, dass dies wohl nie einsetzen würde… 

Wir hielten uns damit auf immer die gleichen Buchstaben, redundant und ohne Sinngewinn, bis zur Vergasung in irgendwelche Heftchen zu „schreiben“, es war deutlich eher „krakeln“.

In Mathe reagierten die Lehrer sehr ungeduldig, wenn ich auch ganz kleine Kästchen noch zum Zahlen reinschreiben benutzte. 

In der Aufgabe stand aber: JEDES Kästchen! Ich war schon stolz darauf, herausgefunden zu haben, dass sie mit „Kästchen“ das nur-weiße-Schachbrettmuster meinten… nirgends war ein Kasten, auf den man hätte Zahlen schreiben können. 

Außerdem: Was heißt Kästchen? Ein Kasten, egal wie groß, ist erstmal räumlich, also dreidimensional!

Wenn ihr von Karos oder Quadraten redet, dann nennt sie bitte auch so!

Wer bitte schreibt diese §$%&#* inkorrekt formulierten Mathebücher?

Weiter sollten zu „zeichnende“ Geldscheine einfach mit einer „10“ oder „100“ und einem Rechteck dargestellt werden… das stand aber nirgends!

Wer sich einen Geldschein mal mit mehr als einem halben Auge angesehen hat, wird bemerkt haben, dass auf diesen der entsprechende Wert deutlich häufiger gedruckt ist, als nur einmal. 

Entsprechend detailreich waren am Anfang meine Geldscheinzeichnungen. 

Das hat mich entsprechend Zeit gekostet…

Die anderen Schüler waren meist deutlich schneller fertig, mit, aus meiner Perspektive UNFERTIGEN Aufgaben! 

Und bekamen auch noch Lob und Anerkennung dafür!

Meine deutlich aufwändigeren Leistungen wurden dann in der Regel nur mit geringschätzigem Blick bedacht…

extrem viele Frustfaktoren… 

Aber es gibt doch auch Pausen!

Mhhh, gibt es:

Auf dem Pausenhof gab es ein 2m hohes Klettergerüst… im Klassenraum gab es diverse Springseile… klein Till kombinierte und gedachte sich als Trendsetter: mit den Seilen knotet man sich eine Art Klettergurt mit Aufhängemöglicheit an dem Klettergerüst… Knoten konnte ich, mein Vater ist ja Segellehrer und weil ich keine Lust auf Segeln hatte, habe ich die Knoten gelernt… davon wussten die Lehrer aber nix… 

Und von meiner Idee, mich mit den Seilen gesichert ins Klettergerüst zu hängen, hielten sie auch ganz wenig…

Euphorisch  und aufgeregt wollte ich ihnen noch meine Knotenkünste und Sicherung erklären, aber… keine Chance… abknoten und runterkommen… nicht, dass der Boden sowieso gegen etwaige Stürze der Kinder weichgepolstert war… anstelle von Trendsetteranerkennung, gab es schlechte Laune seitens der Lehrer und, weil Kinder von verordneten Autoritätspersonen sehr leicht zu beeinflussen sind und diesen Nacheifern um von ihnen mehr zu ähneln, auch eine Art erste Mobbingsituation…

Weit später, in der Realschulzeit bei dem Englischunterricht merkte ich zum x-ten Mal, dass die Stimmung, gegen die Lehrkraft, kippte und erinnerte mich an einen Vorschlag von zu Hause: „Wir können doch mal kollektiv englische Musik mitbringen und die dann gemeinsam im Unterricht übersetzen und jeder ist einmal dran!“, schlug ich voller Eifer und in der Gewissheit vor, mal wieder eine unbedachte und sehr gute Idee geäußert zu haben…

hmm, denkste!

„Musik übersetzen gehört in den Musikunterricht, hier lernen wir englisch.“, antwortete sie mir belehrend und stelle mich damit, rhetorisch, als dummes Kind bloß, was mir durchaus bewusst war, was mich wegen meines ausschließlich harmlos-konstruktiv-positiv gemeinten Beitrags aber kalt erwischte. Ich wollte spontan noch erwidern: „Ja, man kann aus dem Lernen und der Schule auch wirklich jeden Spaß herausdestillieren!“, verkniff mir jedoch diesen Kommentar, aus Angst frech zu sein und dadurch noch mehr Stress zu bekommen… Lehrer verkraften nur sehr selten Kritik an ihrer Unterrichtsweise.

Aber tatsächlich: Ich habe wegen Problemen sehr häufig die Schulen gewechselt und abgesehen von der Antonio Arroio in Portugal und einem gewissen Abschnitt in der Zeichen Akademie in Hanau, hatte ich in Deutschland immer das Gefühl, dass der Spaß systematisch aus den Einrichtungen herausgefiltert würde, kreative und Innovative Ansätze aus Angst vor Strukturverlust, oder als Angriff auf die „(Lehrer-)Autorität“, prinzipiell abgelehnt würden.

Ich habe mich damals immer gefragt: „Wo bleiben, wann kommen endlich die Leute, die Sehen, was wir Kinder können und uns aus dieser Zeitverschwendung herausholen?“, heute weiß ich, dass ich damals an Talentscouts gedacht habe(ich kannte den Begriff damals noch nicht)… wo sie geblieben sind weiß ich bis heute nicht, nur dass sie scheinbar in ganz Deutschland wohl sehr spärlich verteilt sind. 

Schade…

Quelle der Bilder:

http://www.fiddlersgreen.net/models/aircraft/Lockheed-SR71.html

One Response to “Wann kommen denn die spannenden Aufgaben, mit denen man die Welt erkundet?”

  1.   Fokko said:

    Jedes mal wenn ich einen Text von dir lese wird mir vor Augen geführt wie unterschiedlich Menschen Ihre Umgebung wahrnehmen, und wie unterschiedlich sich sich als Kinder verhalten haben.
    Ich kann mit gutem Gewissen sagen dass ich nie in so einem Maße über die Schule, was mich dort erwartet, oder gar Erwachsene nachgedacht habe. Sehr oft habe ich Dinge einfach nur hingenommen, mit dem Gedanken „Die Erwachsene werden schon wissen was Sie machen.“
    Mittlerweile weiß ich dass Erwachsene gar keine Ahnung haben was sie machen, und auch einfach nur auf’s Beste hoffen. Aber der Gedanke von „Die werden’s schon besser wissen.“ ist nie gegangen.

    Bei der Uninspiriertheit der Lehrer kann ich dir aber nur zustimmen. Zwar habe ich das Meiste meiner (Grund-)Schulzeit verdrängt und/oder vergessen, aber das ewige Hinkritzeln von Buchstaben, das schrecklich eintönige Wiederholen und die unglaublich unnötigen komplizierten Formulierungen die klein Fokko 100% nicht verstanden hat, haben sich doch in mein Gehirn gebrannt.

    Ich hoffe ja schon irgendwie dass sich dein Blog länger hält, einfach damit ich solch interessante Einblicke noch ein paar mal lesen darf. 🙂

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