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  • Auf dem Weg zu einer Schule für alle – gemeinsames Lernen am gemeinsamen Gegenstand oder gemeinsame Lernsituationen? RV07

    Während meiner Schulzeit ist mir besonders eine Situation aus dem Sportunterricht in Erinnerung geblieben. In unserer Klasse gab es einen Schüler, der eher ruhig war und sportlich Schwierigkeiten hatte. Besonders bei Mannschaftsspielen wurde er häufig als Letzter gewählt oder teilweise gar nicht richtig in Gruppen integriert. Die Lehrkraft begründete dies meistens damit, dass die Gruppen „möglichst ausgeglichen“ sein sollten und manche Schüler den Ablauf oder die Leistung der Gruppe negativ beeinflussen könnten.

    Für den betroffenen Schüler hatte dies zur Folge, dass er sich immer stärker zurückgezogen hat und kaum noch aktiv am Unterricht teilnahm. Auch innerhalb der Klasse entstand dadurch schnell das Gefühl, dass manche Schüler weniger geeignet für gemeinsames Lernen seien. Solche Formen der Ausgrenzung können dazu führen, dass Schüler*innen wichtige soziale Lernprozesse verpassen und sich immer weiter vom Klassenverband distanzieren (vgl. Müller 2018: 71).

    Ich beschreibe hier die Schülerin Lea, die ich aus einem Praktikum kenne.

    Lea beteiligt sich eher selten mündlich am Unterricht und arbeitet häufig langsamer als andere Kinder. Besonders in lauteren Arbeitsphasen wirkt sie schnell überfordert und zieht sich zurück. Aus der Sicht eines Förderausschussbescheides würde vermutlich vor allem beschrieben werden, dass sie Schwierigkeiten bei der Konzentration sowie bei der aktiven Mitarbeit zeigt und Unterstützung bei der Strukturierung von Aufgaben benötigt.

    Im schulischen Alltag zeigt sich allerdings auch eine andere Seite. Lea arbeitet besonders konzentriert, wenn Aufgaben klar gegliedert sind und sie genügend Zeit bekommt. Außerdem interessiert sie sich sehr für kreative Aufgaben und bringt dabei häufig eigene Ideen ein. In Gruppenarbeiten braucht sie zwar etwas Zeit, um sich einzubringen, arbeitet dann aber zuverlässig mit anderen Kindern zusammen.

    Vergleich:
    Die erste Beschreibung konzentriert sich hauptsächlich auf Defizite und Schwierigkeiten. Die zweite Sichtweise betrachtet dagegen stärker die individuellen Fähigkeiten sowie Bedingungen, unter denen erfolgreiches Lernen möglich wird. Dadurch wird Lea nicht auf ihre Schwierigkeiten reduziert, sondern als individuelle Schülerin wahrgenommen. Auch Müller beschreibt, dass pädagogische Perspektiven verhindern können, dass Kinder durch feste Zuschreibungen stigmatisiert werden (vgl. Müller 2018: 103).

    1. Für diese Aufgabe würde ich ein Arbeitsblatt aus dem Geschichtsunterricht betrachten. Viele Materialien bestehen dort aus langen Texten und komplizierten Aufgabenstellungen. Eine zugänglichere Variante könnte wichtige Informationen farblich hervorheben und Aufgaben in kleinere Schritte unterteilen. Eine weitere Variante könnte zusätzlich mit Bildern oder kurzen Zusammenfassungen arbeiten, damit Inhalte leichter verständlich werden.

    Diese Veränderungen würden nicht nur einzelnen Schüler*innen helfen, sondern allgemein den Zugang zum Unterricht erleichtern. Für die Umsetzung solcher Veränderungen wären besonders Absprachen mit Fachlehrkräften oder sonderpädagogischen Fachkräften hilfreich.

    1. Für meine Empfehlung habe ich das Video „Neuroinclusion: A School Community Approach“ auf der Plattform all-means-all.education ausgewählt. Das Video beschäftigt sich mit neurodiversen Menschen im schulischen Kontext und zeigt, warum neurologische Unterschiede nicht als Defizit verstanden werden sollten. Besonders interessant fand ich, dass dort erklärt wird, wie wichtig Akzeptanz und gegenseitiges Verständnis innerhalb einer Schulgemeinschaft sind.

    Eine wichtige Stelle befindet sich bei 01:30: „Neurodiversity is natural and valuable, not one brain and not one neurotype is better than another.“ Diese Aussage verdeutlicht, dass Unterschiede zwischen Menschen als normal angesehen werden sollten.

    Eine weitere wichtige Stelle findet sich bei 09:15: „Different group membership actually creates an empathy gap.“ Dort wird beschrieben, dass nicht ausschließlich neurodivergente Menschen Verantwortung für Anpassung tragen sollten, sondern auch das Umfeld Verständnis entwickeln muss.

    Literatur:

    Müller, F. J. (Hrsg.) (2018) Blick zurück nach vorn – WegbereiterInnen der Inklusion. Band 2. Gießen: Psychosozial-Verlag (Dialektik der Be-Hinderung).

    Müller, F. J. (2026) Auf dem Weg zu einer Schule für alle – gemeinsames Lernen am gemeinsamen Gegenstand oder gemeinsame Lernsituationen? RV07 vom 19.05.2026.