Partizipation und Beziehungsgestaltung
1. Soziale Ungleichheit im Bildungssystem
Im Vortrag wurde deutlich, dass Bildungserfolg eng mit der sozialen Herkunft verbunden ist. Kinder aus Akademikerfamilien haben deutlich bessere Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse als Kinder aus nicht-akademischen Haushalten. Der Stifterverband zeigt, dass wesentlich mehr Kinder aus akademischen Familien ein Studium beginnen als Kinder aus Nichtakademikerfamilien (vgl. Stifterverband 2021). Dadurch wird sichtbar, dass Bildung in Deutschland nicht für alle gleichermaßen zugänglich ist.
Außerdem wurde thematisiert, dass Schulen selbst soziale Ungleichheiten verstärken können. Lehrkräfte bewerten Schüler*innen nicht immer unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, wodurch Kinder aus benachteiligten Familien oft schlechtere Voraussetzungen im schulischen Alltag haben (vgl. Steffens 2026). Bildung darf deshalb nicht nur als Frage individueller Leistung betrachtet werden, sondern muss auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Bedingungen gesehen werden.
2. Das Passungsproblem
Das sogenannte Passungsproblem beschreibt die fehlende Übereinstimmung zwischen den Anforderungen der Schule und den Lebensrealitäten vieler Schüler*innen. Besonders Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen erleben Schule häufig als einen Ort, an dem ihre eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse wenig berücksichtigt werden (vgl. Ellinger & Kleinhenz 2021).
Im Vortrag wurde außerdem beschrieben, dass Schüler*innen ihre Beziehungen zu Lehrkräften teilweise als stark hierarchisch erleben. Dadurch entsteht häufig das Gefühl, nicht wirklich verstanden oder ernst genommen zu werden. Probleme und schulisches Scheitern werden dann oft auf die eigene Person bezogen, obwohl auch schulische Strukturen dabei eine wichtige Rolle spielen (vgl. Steffens 2026).
3. Bedeutung von Partizipation
Partizipation wurde im Vortrag als wichtiger Bestandteil einer veränderten Schulkultur dargestellt. Schüler*innen sollen stärker in schulische Prozesse einbezogen werden und die Möglichkeit erhalten, ihre Perspektiven einzubringen. Dadurch können starre Strukturen aufgebrochen werden.
Auch die Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen spielt dabei eine zentrale Rolle. Anstelle eines rein hierarchischen Verhältnisses soll eine Beziehung entstehen, die stärker von Anerkennung und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Lehrkräfte müssen deshalb lernen, auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen einzugehen und Beziehungen bewusst zu gestalten.
Literaturverzeichnis
Ellinger, S. & Kleinhenz, L. (2021): Soziale Benachteiligung und Resonanzerleben. Entfremdungsprozesse in der Schule.Kohlhammer.
Steffens, Jan (2026): Zur Notwendigkeit von Partizipation und Beziehungsgestaltung. Kritische Perspektiven auf Be-Hinderungsprozesse in der Institution „Schule“. Vorlesung vom 12.05.2026.
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. (2021): Vom Arbeiterkind zum Doktor. Der Hürdenlauf auf dem Bildungsweg der Erststudierenden. Diskussionspapier Nr. 2/2021. Online verfügbar unter: https://www.stifterverband.org/medien/vom_arbeiterkind_zum_doktor (Zugriff: 12.05.2026).