Ablauf in der realen Klasse

Die Durchführung der Unterrichts war ursprünglich für den 12. Januar vorgesehen. Aufgrund von Schneefall erfuhr ich am Vorabend, dass sie auf den 26. Januar verschoben werden musste. Diese Terminänderung erforderte eine logistische Umorganisation, änderte jedoch nichts am Inhalt der Planung.

Der Unterricht fand in einer 10. Klasse (E-Phase) statt und folgte dem Lehrplan der 11. Klasse während der 3. und 4. Stunde.

Die Gruppe bestand aus etwa fünfzehn Schülern;innen, von denen die meisten entweder französischer Muttersprache oder zweisprachig mit sehr guten Französischkenntnissen waren. Diese Homogenität und das hohe Sprachniveau waren ein günstiger Faktor für die Durchführung der Kommunikationsaufgabe.

Anwesend waren Nicolas Michel, Lehrer am Gymnasium Horn, einer seiner Referendare sowie ein Mitkommilitone (FD3).

Beobachtungen und Unterschiede zur Seminarerprobung:

Insgesamt verlief die Sitzung wie ursprünglich geplant. Die verschiedenen vorgesehenen Phasen wurden eingehalten und die allgemeine Struktur blieb unverändert. Auf Anraten meiner Dozentin Katin Grigat und der Mitkommilitonen hatte ich den Schwerpunkt auf das Sprechen gelegt und daher einige Anpassungen an meiner Tabelle vorgenommen, die ich sorgfältig ausgedruckt hatte, um sie vor Augen zu haben. Ich hatte auch einige Elemente der Powerpoint-Präsentation geändert, um meine Zeit auf zwei Stunden statt wie bei meiner Erprobung 1 vorgesehen auf eine Stunde anzupassen.

Am Morgen selbst kam es jedoch zu einer unvorhergesehenen Verzögerung: aufgrund eines technischen Problems mit meinem Auto (defekte Wasserpumpe) in Verbindung mit den schwierigen Wetterbedingungen kam ich mit fünfzehn Minuten Verspätung an. Ich musste also spontan mein Zeitmanagement anpassen. Ich entschied mich, einige formale Elemente zu reduzieren (Begrüßsung und Erklärungen zu Beginn der Sitzung wurden kürzer gefasst), während ich die zentralen Phasen, die dem Inhalt und der Diskussion gewidmet waren und die ich aus didaktischer Sicht als vorrangig betrachtete, beibehielt.

Trotz dieser anfänglichen Verzögerung verlief das Zeitmanagement insgesamt reibungslos. Die Schüler:innen verstanden schnell, was in dieser Stunde von ihnen erwartet wurde, und zeigten sich sofort engagiert. Die Aufgaben wurden gut verstanden, und die Arbeitsatmosphäre blieb konzentriert und positiv. An ein oder zwei Stellen waren geringfügige Anpassungen erforderlich (kurze Ermahnungen bezüglich der Lautstärke einer Gruppe), die jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf den Ablauf hatten.

Die Sitzung war von einer ausgezeichneten Dynamik geprägt, die durch Humor und konstruktiven Austausch, ausschließlich auf Französisch, gekennzeichnet war. Die Vielfalt der Diskussionen bestätigte die Relevanz des Schwerpunkts auf mündlichen Kompetenzen.

Wichtigste Beobachtungen

Bei der Umsetzung fielen mehrere Aspekte besonders auf:

  • Das hohe Sprachniveau der Gruppe begünstigte tiefgehende Diskussionen. Das hatte mich noch mal positiv überrascht.
  • Der humoristische Aspekt der Fake News trug zu einer entspannten Atmosphäre bei, die das Wortergreifen förderte.
  • Die Authentizität des Themas (KI, Fake News, Instagram) sorgte für eine hohe Motivation.
  • Die Aufgabe wurde schnell verstanden, was zeigt, dass die Anweisungen klar genug waren

Feedbacks und Reflexion

Das Feedback, das ich am Ende des Unterrichts erhielt, hat mich tief beeindruckt. Als Nicolas Michel der Lehrer mir sagte, dass ich mich „sehr gut geschlagen“ habe, dass ich entspannt war und ,dass es eine „wertvolle Stunde“ gewesen sei, war ich wirklich erleichtert. Vorher hatte ich große Zweifel gehabt, insbesondere wegen der Verschiebung des Unterrichts und der unerwarteten Verspätung am selben Morgen. Als ich hörte, dass die Unterrichtsstunden als „wertvoll” empfunden worden waren, wurde mir bewusst, dass trotz der unvorhergesehenen Ereignisse das Wesentliche, die Qualität des Austauschs und die didaktische Kohärenz, erhalten geblieben war.

Dieses Feedback stärkte mein Vertrauen in meine Fähigkeit, eine anspruchsvolle Klasse mit zweisprachigen Schülern:innen auf hohem Niveau zu unterrichten. Es zeigte mir auch, dass ich in unerwarteten Situationen flexibel und professionell bleiben kann, ohne dass dies die Qualität des Unterrichts beeinträchtigt.

Das Feedback meines Seminarkollegen, der den angenehmen und reibungslosen Ablauf der Sitzung hervorhob, bestätigte mein eigenes Empfinden: die Atmosphäre war konstruktiv, die Schüler:innen engagiert und der Austausch authentisch. Das hat mich besonders berührt, da es eines meiner impliziten Ziele war, einen Raum zu schaffen, in dem die Sprache lebendig und natürlich verwendet wird.

Rückblickend betrachtet war dieses Feedback nicht nur eine punktuelle Bestätigung, sondern ein wichtiger Moment in meinem Professionalisierungsprozess. Es hat mir geholfen, meine eigenen Unsicherheiten zu überwinden und meine sich entwickelnden Kompetenzen als Lehrerin anzuerkennen.

Was gut funktioniert hat:

Mehrere Elemente des Unterrichts haben sehr zufriedenstellend funktioniert. Zunächst einmal war die Motivation der Schüler:innen  während der gesamten Stunde spürbar. Es gab keine nennenswerten Momente der Unkonzentriertheit und keine passiven Schüler:innen. Dieses konstante Engagement lässt sich durch die Authentizität des Themas sowie durch die kreative und humorvolle Dimension von Fake News erklären. Der direkte Bezug zu ihrer digitalen Welt förderte eine aktive und anhaltende Beteiligung.

Die visuellen Hilfsmittel (Folien) und die Anweisungen wurden ohne größere Schwierigkeiten verstanden. Die Schüler:innen haben die Anforderungen der Aufgabe, einschließlich der Abschlussaufgabe, schnell verstanden. Dies zeigt, dass die Strukturierung des Unterrichts und die Klarheit der Erklärungen dem Niveau der Gruppe angemessen waren.

Auch die Nutzung der digitalen Tools verlief reibungslos. Fobizz funktionierte einwandfrei und erforderte keinen technischen Eingriff meinerseits. Auch das Tool Zeoob wurde von den Schülern:innen selbstständig genutzt. Diese technische Selbstständigkeit ermöglichte es, das Tempo der Sitzung aufrechtzuerhalten und unnötige Unterbrechungen zu vermeiden, was zur pädagogischen Kontinuität beitrug.

Insgesamt schuf die Kombination aus klaren Anweisungen, thematischer Relevanz und technischer Stabilität einen effizienten und dynamischen Lernrahmen.

Was weniger gut funktioniert hat:

Das Ausbleiben größerer Schwierigkeiten bedeutet nicht, dass der Unterricht  perfekt war, sondern vielmehr, dass sich die Planung und die nach der Erprobung I vorgenommenen Anpassungen ausgezahlt haben. Dadurch konnte ich konkret erkennen, wie wichtig der Prozess der Überarbeitung und reflexiven Analyse für die berufliche Weiterentwicklung ist.

 

Analyse der Erprobung anhand didaktischer Qualitätskriterien:

Für diesen Kurs hatte ich einige Recherchen zu den Kriterien durchgeführt, die zur Erstellung eines guten Sprachkurses beitragen.

Folgendes konnte ich während meiner ersten Erprobung umsetzen:

– Die Ausrichtung auf sprachliche Handlungen war deutlich erkennbar: die Schüler:innen haben nicht nur über Fake News gesprochen, sondern mit der Sprache gehandelt, indem sie Inhalte produziert, präsentiert und auf die Beiträge der anderen reagiert haben. Die vorgeschlagene Aufgabe stellte eine bedeutungsvolle Kommunikationssituation dar, die zu spontanen und reichhaltigen Gesprächen führte. Dieses Kriterium findet sich auch in den Arbeiten von Hofrichter et al. 2024 wieder: „mit Abstand am häufigsten genannte Kriterium in Englisch ist die Schaffung hoher Sprechanteile der Schüler:innen durch ‚echte‘ kommunikative Anlässe (12 %); dahinter folgt der aktive Gebrauch der Fremdsprache als Kommunikationsmedium (4 %). „ (vgl. Hofrichter et all: 2024: 125) und auch in den Recherchen von Meyer bei der KMK: „von Sprache als Form … zur Sprache in Kontext und im Gebrauch“ (vgl.Meyer in KMK oj: 23)

– Die Authentizität des Instagram-Kontexts, Fake News und KI-generierte Inhalte förderten die Neugier und damit das Engagement und die Beteiligung. Die Debatten zeigten, dass das Thema für die Lernenden sinnvoll war und eine authentische Meinungsäußerung ermöglichte Authentizität der Kommunikation / Interaktion (vgl. Meyer in kmk oj: 25)

– Was das Scaffolding betrifft, so haben mehrere Elemente die Schüler:innen bei der Erfüllung der Aufgabe unterstützt: die bereitgestellte Aufforderung, die Kriterien zum Erkennen von Fake News sowie die Vorbereitungsphase in der Gruppe haben die Produktion strukturiert und das Sprechen gesichert. Dieses Scaffolding ermöglichte es den Schülern:innen, ihre Ideen in der Präsentationsphase selbstständiger zu entwickeln. vielfältiges und gezieltes Üben in allen Bereichen des Faches (vgl. Meyer in KMK oj: 24)

– Die explizite Differenzierung stand bei diesem ersten Versuch nicht im Mittelpunkt, da das Niveau der Gruppe relativ homogen war. Dennoch ermöglichte die Zusammenarbeit eine gegenseitige Unterstützung zwischen den Schülern:innen.

Schließlich stellte die Verwaltung der von der KI generierten Produktionen eine zentrale Herausforderung dar. Obwohl eine kritische Haltung gefördert wurde, zeigte die Erprobung I, dass diese Analyse mit Hilfe expliziterer Kriterien besser strukturiert hätte werden können. Dieser Punkt floss in die spätere Überarbeitungsphase ein.

Überbearbeitung II – Was habe ich geändert ?

Im Zuge der zweiten Überarbeitung wurden mehrere zentrale Anpassungen vorgenommen, die sowohl die didaktische Klarheit als auch die Umsetzbarkeit der Stunde deutlich verbessert haben.

Finale Änderungen

  • Neuer Schwerpunkt: die wesentlichste Veränderung betrifft die klare Festlegung des Kompetenzschwerpunkts auf die produktive mündliche Kompetenz (Sprechen). Während in der ursprünglichen Planung die Schreibkompetenz stärker im Zentrum stand, wurde nach der Erprobungsphase deutlich, dass das kommunikative Potenzial der Aufgabe vor allem in der Präsentations- und Diskussionsphase lag.

In der überarbeiteten Fassung dient die schriftliche Produktion der Fake News nun ausdrücklich als vorbereitende Phase zur mündlichen Auseinandersetzung. Dadurch wurde die Zielhierarchie präzisiert und die Stunde kohärenter strukturiert.

  • Präzisierung des Promptings in Fobizz: eine weitere  Überarbeitung betrifft die Konkretisierung der consigne zur Nutzung von Fobizz. In der finalen Version wurden detaillierte Erklärungen ergänzt, die den Schüler:innen Schritt für Schritt verdeutlichen, wo und wie der Prompt eingegeben werden muss.

(Zum besseren Verständnis wurden in der endgültigen Fassung entsprechende Screenshots eingefügt, die die einzelnen Eingabefelder sowie Beispiel-Formulierungen visualisieren.)

Die Anpassung war für mich hilfreich. Ich hatte weniger Stress beim Arbeiten mit dem digitalen Tool. Weil das Prompt klarer und besser strukturiert war, konnte ich mich besser auf den Inhalt konzentrieren.

  • Strukturierte Einführung in die Nutzung von Zeoob

Auch die Arbeit mit Zeoob wurde in der überarbeiteten Version genauer angeleitet. Ergänzt wurden konkrete Hinweise zur Gestaltung des Instagram-Posts (Titel, Bildunterschrift, Layout), um die Textsortenspezifik deutlicher herauszustellen.

(Die finale Version enthält hierzu visuelle Beispiele bzw. Screenshots, die die einzelnen Gestaltungsschritte illustrieren.)

Diese Präzisierung stärkt die Textsortenkompetenz und verhindert, dass die technische Bedienung des Tools den Unterrichtsfluss hemmt.

  • Reflexion über übernommenes und nicht übernommenes Feedback

In dieser Überarbeitungsphase habe ich mehrere Elemente aus dem Feedback berücksichtigt, das ich während des Experiments erhalten habe. Die wichtigste Änderung betrifft die Neudefinition des Schwerpunkts: ich habe mich dafür entschieden, den Fokus der Sitzung auf die produktive mündliche Kompetenz „Sprechen“ zu legen. Der Versuch hatte gezeigt, dass das kommunikative Potenzial der Aufgabe hauptsächlich in den Debatten und Präsentationen lag und nicht in der schriftlichen Produktion als solcher.

Ich habe auch die Empfehlung berücksichtigt, das Format auf eine Doppelstunde auszuweiten, um mehr Raum für den Austausch zu schaffen und übermäßigen Zeitdruck zu vermeiden. Schließlich habe ich die Anweisungen zur Verwendung der digitalen Tools (Fobizz und Zeoob) präzisiert und detaillierte Erklärungen und Screenshots hinzugefügt, um die technische Handhabung zu vereinfachen.

Die Empfehlung, jegliche Verwendung der deutschen Sprache in den Folien zu vermeiden, habe ich hingegen nicht vollständig befolgt. Mir wurde vorgeschlagen, eine ausschließlich französischsprachige Umgebung beizubehalten. Ich habe mich jedoch dafür entschieden, am Ende der Sitzung einige einfache Übersetzungssätze beizubehalten, um die Diskussion zu unterstützen. Obwohl die Schüler:innen diese nicht wirklich brauchten, da die Gruppe zweisprachig war, bin ich der Meinung, dass eine leichte Unterstützung am Ende der Sitzung eine beruhigende Funktion haben kann.

Ich bin der Meinung, dass es in den letzten Minuten einer kognitiv und kommunikativ intensiven Unterrichtsphase nämlich zu einer sprachlichen Ermüdung kommen kann. Eine punktuelle Unterstützung in einer noch besser beherrschten Sprache kann dann dazu beitragen, das Engagement aufrechtzuerhalten, die kognitive Belastung zu verringern und ein Klima des Vertrauens zu bewahren. Diese Entscheidung stellt das sprachliche Eintauchen nicht in Frage, sondern ist, so denke ich, Teil einer maßvollen und durchdachten Begleitung.

Qualitative Verbesserung des Szenarios

Die für die Qualität des Unterrichts entscheidendste Änderung war die Neuausrichtung auf die mündliche Kompetenz. Durch diese klarere Hierarchisierung der Ziele konnte der Unterricht kohärenter strukturiert werden: Das „Schreiben“ wurde zu einer Vorbereitungsphase für die Diskussion und war nicht mehr Selbstzweck. Dadurch wurde die Kommunikationsdynamik gestärkt.

In diese Überarbeitung habe ich auch theoretische Elemente integriert. Die Neuausrichtung auf eine Hauptkompetenz entspricht einem kompetenzorientierten Ansatz. (vgl. Nieweler 2017). Die Klarstellung der Anweisungen und der Aufforderung diente der Unterstützung (Scaffolding) und der Verringerung der kognitiven Belastung. Die Verlängerung auf eine Doppelstunde berücksichtigt das Handlungs- und Kommunikationspotenzial der Aufgabe. Diese Anpassungen basieren also nicht nur auf einem subjektiven Eindruck, sondern auf didaktischen Überlegungen.

Für meine zukünftigen Planungen halte ich es für wichtig, von Anfang an eine klare Hierarchie der Kompetenzen festzulegen, die Zeitplanung in den Diskussionsphasen realistisch zu antizipieren und eine genaue Anleitung für die Verwendung digitaler Tools vorzusehen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Kohärenz einer Sitzung weniger von der Fülle der Ideen als von der Klarheit der didaktischen Prioritäten abhängt.