Erprobung I an der Uni

Verlauf und Zentrale Beobachtungen

Bei diesem ersten Probedurchlauf im Seminar war ich besonders gestresst, da ich mich nicht immer wohl dabei fühle, vor meinen Kommilitonen und einer erfahrenen Lehrerin zu unterrichten.

Zwei Dinge, die ich als besonders positiv empfand, haben mir jedoch geholfen:

– Ich hatte eine strukturierte Powerpoint-Präsentation vorbereitet, die in einer Schule einsetzbar war und die verschiedenen Arbeitsphasen klar erkennbar darstellte (Begrüßung, Warm-up, Einstieg, Hauptphase, Was haben wir heute gelernt, Verabschiedung). Diese Struktur hilft mir immer sehr, wenn ich ein solches Format für meinen Unterricht verwende.

– Ich hatte die richtige Klasse am Vortag beobachten und mich mit ihrem Lehrer vor Ort austauschen können. Dieser Austausch ermöglichte es mir, meine Unterrichtsstunde an die Eigenschaften der Gruppe anzupassen.

Und wenn ich nur einen einzigen positiven Punkt nennen müsste, wäre es dieser. Diese Vorbereitung im Vorfeld ist rückblickend ein sehr positiver Aspekt dieses ersten Experiments.

Was negatives ?

Mein erste Kompetenzschwerpunkt war eindeutig falsch, aber das wurde mir erst nach meiner Erprobung I und nach dem Feedback der Studierenden klar: wie bereits in diesem Portfolio erwähnt, hatte ich die Sitzung ursprünglich auf die schriftliche Produktionskompetenz (Schreiben) ausgerichtet. Während der Erprobung I wurde mir jedoch klar (insbesondere dank der lebhaften Diskussionen, die durch das ausgelöst wurden, was später zur Hauptphase werden sollte), dass die mündliche Kompetenz (Sprechen) tatsächlich relevanter war. Die Diskussionen zeigten, dass das kommunikative Potenzial der Sitzung weit über das einfache Schreiben hinausging, dessen Anteil sich auf das einfache Abschreiben einer zu ändernden Vorlage beschränkte. (Diese Erkenntnis hat meine Planung in der Folge stark beeinflusst.)

Was das Zeitmanagement angeht, war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich die Sitzung für eine oder zwei Stunden planen sollte. Ich hatte mich für ein einstündiges Format entschieden, stellte jedoch schnell fest, dass dies nicht ausreichte. Der Austausch war reichhaltig, das Thema stieß auf großes Interesse, und selbst die Reaktionen auf die von Fobizz Bild generierten Bilder führten zu spontanen Diskussionen und humorvollen Momenten. Daher lautete die Empfehlung im Feedback eindeutig, eine Doppelstunde einzuplanen, um mehr Raum für Diskussionen zu lassen und eine zu schnelle Dynamik zu vermeiden. Diese Bemerkung war natürlich zu beachten, denn diese Änderung trug dazu bei, eine authentische und menschliche Atmosphäre des Austauschs zu bewahren, anstatt einen zu mechanischen und zu schnellen Ablauf.

Reflexion

Besonders gut funktioniert hat nach meiner Einschätzung die Einstiegsphase („Vrai ou faux?“). Die bewusst humorvoll formulierten Fake News erzeugten sofort Aufmerksamkeit und motivierte die Lernenden. Die humorvolle Zuspitzung der Inhalte führte nicht nur zu einer hohen Beteiligung, sondern schuf auch eine positive, entspannte Lernatmosphäre. Didaktisch lässt sich dies durch die emotionale Aktivierung erklären: Humor kann als motivierender Faktor wirken und Hemmungen beim Sprechen reduzieren. Die Forschungen von Loeschmann (2015) zu diesem Thema sind sehr interessant, und ich habe sie mit großer Freude gelesen, da sie meiner Sichtweise entsprechen: „So wichtig Lehrende bei der Schaffung einer heiteren Lern- und Arbeitsatmosphäre auch sind, die Mitwirkung, ja die Verantwortung der Lernenden darf keineswegs unterschätzt werden, vielmehr kommt es darauf an, sie zu aktivieren, zu animieren, sich angemessen humorvoll an der Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen.“ (vgl. Loeschmann 2015: 49-50).

Auch die Präsentationsphase im Plenum erwies sich als besonders gelungen. Die Vorstellung der selbst erstellten Fake News führte zu spontanen Reaktionen, Lachen und lebendigen Diskussionen. Diese positive Dynamik unterstützte die mündliche Beteiligung und förderte eine kommunikative Unterrichtsatmosphäre, in der meine Mitkommilitonen die die „Schüler:innen“ spielten, trauten, frei zu sprechen und aufeinander zu reagieren.

Ich denke, dass es sehr hilfreich war, eine gebrauchsfertige, klare und gut strukturierte Powerpoint-Präsentation erstellt zu haben. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, auch als Angestellte an der Schule, Powerpoint-Präsentationen mit folgendem Ablauf zu erstellen: Begrüßung, Erläuterung der Sitzung, Erwärmung, Haupthase, was haben wir heute gelernt, Verabschiedung. Das hilft allen, den Überblick zu behalten und nicht den Faden zu verlieren.

Als kleinere Schwierigkeit zeigte sich ein technisches Problem beim Hochladen einer Datei auf StudIP. Auch wenn dies keinen gravierenden Einfluss auf den Ablauf hatte, verdeutlicht es die Notwendigkeit, bei digital gestützten Unterrichtssettings stets alternative Lösungswege einzuplanen. Der Einsatz digitaler Werkzeuge erfordert somit nicht nur methodische Planung, sondern auch organisatorische Flexibilität.

Eine weitere Herausforderung betraf die Zeitplanung. Die Diskussions- und Präsentationsphase entwickelte eine größere Dynamik als ursprünglich erwartet, sodass der geplante Zeitrahmen einer Einzelstunde nicht ausreichte. Didaktisch lässt sich dies durch das hohe kommunikative Potenzial der Aufgabe erklären: Die authentische Thematik sowie die humorvollen Beiträge führten zu intensiven Austauschprozessen. Rückblickend erscheint die Durchführung als Doppelstunde sinnvoller, um der inhaltlichen Tiefe und der mündlichen Interaktion ausreichend Raum zu geben und eine unnötige Beschleunigung des Unterrichts zu vermeiden.

Im Nachhinein und nach mehreren Wochen des Nachdenkens bin ich nun besser in der Lage, die Bedeutung der verschiedenen Rückmeldungen zu analysieren und zu verstehen. Im ersten Moment haben mich einige Bemerkungen verunsichert, da sie Entscheidungen in Frage stellten, in die ich viel Energie investiert hatte. Mit etwas Abstand konnte ich jedoch ihre didaktische Relevanz erkennen. Das Feedback im Seminar hat mir geholfen, meine Prioritäten zu klären, insbesondere in Bezug auf die Hierarchisierung von Kompetenzen und das Zeitmanagement.

Diese Experimentierphase erwies sich somit als entscheidend für meinen beruflichen Lernprozess: Sie konfrontierte mich mit der Kluft zwischen theoretischer Planung und ihrer konkreten Umsetzung und veranlasste mich, meine Entscheidungen kohärenter und zielgerichteter anzupassen.

Überarbeitung – Was habe ich geändert ?

Die größte Veränderung bestand darin, die  produktive Kompetenz zu ändern: nicht mehr „Schreiben“, sondern „Sprechen“. Während dieser Erprobung an der Universität habe ich festgestellt, dass das Schreiben, das ich ursprünglich ausgewählt hatte, überhaupt nicht geeignet war, weil die Schüler:innen nur sehr wenig schreiben.

Außerdem habe ich meine Stunde zu einer Doppelstunde umgearbeitet und nicht zu zwei einzelnen Stunden. Eine Einzelstunde war dafür zu kurz.

Die Powerpoint Präsentation musste ich nur leicht anpassen.