Die Begriffe Bildung, Kompetenz und Qualifikation bilden eine zentrale Grundlage pädagogischen Denkens. Raithel, Dollinger und Hörmann (2005) unterscheiden klar zwischen diesen Konzepten: Während Bildung auf die umfassende Persönlichkeitsentwicklung abzielt, versteht sich Kompetenz als die Fähigkeit, Wissen und Fertigkeiten flexibel in Situationen anzuwenden. Qualifikation hingegen bezeichnet formale Nachweise wie Zertifikate oder Abschlüsse. Für die berufliche Bildung bedeutet dies, dass Lernen nicht nur auf die Erfüllung formaler Anforderungen reduziert werden darf, sondern immer auch auf die Entwicklung von Handlungskompetenz und Bildung gerichtet sein muss.
Der Begriff Qualifikation bezeichnet beruflich verwertbare Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich eng an den Anforderungen des Arbeitsmarktes, an Standards und an formalen Abschlüssen orientieren. Beispiele hierfür sind etwa der sachgerechte Umgang mit medizinischen Geräten oder die Einhaltung von Hygienestandards. Qualifikationen sind in der Regel eindeutig prüfbar und können durch Zertifikate oder Zeugnisse nachgewiesen werden.
Davon abzugrenzen ist der Begriff Kompetenz, der die Fähigkeit beschreibt, erworbenes Wissen und Fertigkeiten in konkreten Situationen angemessen einzusetzen. Nach der Definition von Weinert (2001) umfasst Kompetenz nicht nur kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch motivationale, volitionale und soziale Komponenten. Im Zentrum steht die Handlungsfähigkeit in komplexen Situationen. Kompetenzen sind teilweise überprüf- und messbar, beispielsweise durch internationale Vergleichsstudien wie PISA (Programme for International Student Assessment) oder PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies).
Der Begriff Bildung schließlich geht über Qualifikation und Kompetenz hinaus. Bildung wird in der Tradition von Humboldt oder Klafki als Selbstbildung verstanden, mit dem Ziel, Persönlichkeit und Mündigkeit zu entfalten. Sie ist nicht in erster Linie funktional, sondern orientiert sich an Sinn- und Wertefragen. Zentrale Kategorien sind Reflexion, Verantwortung und Freiheit. Anders als Qualifikation oder bestimmte Kompetenzfacetten ist Bildung nur schwer überprüf- oder messbar, da sie einen umfassenden und individuellen Entwicklungsprozess beschreibt.
Gerade in der Pflegeausbildung zeigt sich, dass mehrsprachige Schüler:innen trotz sprachlicher Unsicherheiten ein hohes Maß an Kompetenz im praktischen Handeln entwickeln können. Die Gefahr besteht jedoch, dass diese Kompetenzen durch den Fokus auf sprachgebundene Qualifikationen verdeckt bleiben. Daraus ergibt sich für mich die Notwendigkeit, Lerngelegenheiten zu gestalten, in denen Kompetenzen und Bildungsprozesse auch unabhängig von formalen Nachweisen sichtbar werden.
Qualifikationslogiken dürfen daher nicht die alleinige Orientierung darstellen. Vielmehr sehe ich es als Aufgabe von Lehrkräften, auch die individuellen Bildungsprozesse der Lernenden zu würdigen und solche Kompetenzen sichtbar zu machen, die in standardisierten Prüfungen häufig nicht erfasst werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die zentrale Frage, wie ich in meiner zukünftigen Rolle als Berufspädagogin sicherstellen kann, dass Mehrsprachigkeit nicht als Defizit wahrgenommen wird, sondern als Ressource, die Lernprozesse bereichert und wie diesbezüglich Unterstützungsmodelle angewendet werden können.
Mit Blick auf die Mehrsprachigkeit in Pflegeschulen ist es wichtig, die Unterschiede zwischen Bildung, Kompetenz und Qualifikation klar zu erfassen. Die folgende Tabelle stammt aus dem Seminar Grundlagen der Berufspädagogik I – Grundbegriffe der Pädagogik und wurde von mir ergänzt, um die Bedeutung der Begriffe im Kontext mehrsprachiger Lernender zu verdeutlichen.
Die Gegenüberstellung zeigt deutlich, dass die Begriffe Bildung, Kompetenz und Qualifikation unterschiedliche Dimensionen pädagogischen Handelns beschreiben, die jedoch in der Praxis eng miteinander verwoben sind. Durch die Erweiterung um den Aspekt der Mehrsprachigkeit wird sichtbar, dass sprachliche Vielfalt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Zum einen kann sie Identitätsbildung und interkulturelle Sensibilität fördern, zum anderen erweitert sie kommunikative und berufliche Handlungsspielräume, kann aber zugleich durch Sprachtests und Prüfungslogiken zur Hürde werden.
Für mich ergibt sich daraus die Aufgabe, Lerngelegenheiten so zu gestalten, dass Kompetenzen und Bildungsprozesse unabhängig von sprachlichen Barrieren sichtbar werden. Mehrsprachigkeit darf nicht auf Defizite reduziert werden, sondern sollte als Ressource begriffen werden, die den Unterricht und die berufliche Praxis bereichert. In meiner zukünftigen Rolle als Berufspädagogin bedeutet das, Unterrichtsmaterialien, Prüfungsformate und Lernsettings kritisch zu reflektieren und so weiterzuentwickeln sowie anzuwenden, dass sie Bildungsgerechtigkeit sichern und allen Lernenden die Möglichkeit und Chancen geben, ihre Potenziale zu entfalten.
Moralisches Urteilen wird stark an spezifische Kontexte gebunden.
Das Urteil verändert sich je nach sozialer Situation (z. B. Familie vs. Arbeit).
Gefahr: mangelnde Konsistenz in den Werten.
Segmentierung:
Entwicklung relativ stabiler moralischer Standards in einzelnen Lebensbereichen (Segmenten).
Z. B.: berufliches Handeln folgt klaren ethischen Regeln, privat aber andere Maßstäbe.
Die Entwicklung wird gefördert durch:
Reflexion moralischer Konflikte.
Perspektivübernahme.
Austausch in sozialen Gruppen.
Pädagogische Implikation:
Lernumgebungen sollten Gelegenheiten bieten,differenziertes moralisches Urteilen in vielfältigen Situationen zu üben, um eine konsistente ethische Haltung zu fördern.
Dieses Portfolio versteht sich als eine Auseinandersetzung und Reflexion zentraler Themen der Pädagogik, die im Rahmen des Seminars behandelt wurden. Im Mittelpunkt stehen zunächst die Grundbegriffe der Pädagogik, die als Fundament pädagogischen Denkens gelten. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit Antinomien und Standards pädagogischen Handelns, die die Spannungsfelder professioneller Praxis sichtbar machen. Diese Perspektive wird durch die Ethik berufspädagogischen Handelns ergänzt, die die moralische Verantwortung von Lehrkräften hervorhebt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Lernmotivation, insbesondere auf der Selbstbestimmungstheorie, die eng mit der Unterrichtsplanung verbunden ist. Daran schließen die Lernstrategien an, die den Lernprozess der Schüler:innen praktisch unterstützen. Mit dem Thema Lernziele, Learning Output und der Gestaltung von guten Aufgaben für berufsbezogenes Lernen wird dieser Fokus auf konkrete didaktische Planung vertieft. Auch die moralische Urteilsbildung als Ziel berufspädagogischer Bildung findet Beachtung, bevor schließlich die Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Berufsbildung als zukunftsweisendes Thema reflektiert werden.
Darüber hinaus soll das Portfolio einen persönlichen Schwerpunkt setzen. Nämlich die Mehrsprachigkeit in Pflegeschulen. Sprache kann für Lernende sowohl Schlüssel zur Teilhabe als auch potenzielle Barriere darstellen. Deshalb beabsichtige ich, die Seminarthemen mit diesem Aspekt zu verknüpfen, um seine Bedeutung für die Pflegeausbildung sichtbar zu machen. Auf diese Weise dient das Portfolio nicht nur der Reflexion der Seminarinhalte, sondern zugleich als inhaltliche Grundlage und Anknüpfungspunkt für meine anstehende Masterarbeit.