Sind Mädchen wirklich die schlechteren Mathematiker?

Die vergangene Ringvorlesung behandelte die Thematik der Leistungsunterschiede im Mathematikunterricht. Eine vorgestellte PISA-Studie kam zu dem Schluss, dass die deutsche Schülerschaft im Fach Mathematik leistungsheterogen ist. Des Weiteren kam sie zu dem Schluss, dass gerade zwischen Jungen und Mädchen große Unterschiede bestehen, speziell im Bezug auf die Wahrnehmung des eigenen Leistungsvermögens.

Dass die Schülerschaft generell sehr leistungsheterogen ist halte ich für sehr besorgniserregend. Während meiner Schulzeit konnte ich selbst beobachten, wie sich bei vielen meiner MitschülerInnen eine regelrechte „Mathephobie“ entwickelte. Sobald es um das Fach Mathematik ging, schien bei vielen eine Art kognitive Blockade einzusetzen. Jegliche Motivation die diese SuS sonst für andere Fächer zeigten schien zu verschwinden und einer „Null-Bock-Haltung“ zu weichen. Ein Phänomen, welches ich sonst bei keinem anderen Schulfach beobachten konnte.

Die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern halte ich für mindestens ebenso besorgniserregend, da ich diese nicht für angeboren halte. Das von der Gesellschaft gezeichnete Bild, dass Jungen die besseren Mathematiker sind und vielleicht auch die Art und Weise Mathematik in der Schule zu vermitteln halte ich für Hauptausschlaggebend für diese Studienergebnisse. Dass gerade Mädchen eine schlechtere Wahrnehmung ihrer mathematischen Fähigkeiten besitzen, halte ich für wenig überraschend, da dies bei Mädchen im Schulalter ein generelles Problem ist (https://arsfemina.de/ein-mädchen-ist-fast-so-gut-wie-ein-junge-1/selbsteinschätzung-und-selbstbewertung-von-mädchen 28.06.2018 12:29 Uhr).

Spiele wie „Eckenrechnen“ im Mathematikunterricht halte ich leider für etwas problematisch, auch wenn sie mir selber früher großen Spaß bereiteten. Aus Sicht des Lehrers mögen diese Spiele sehr angenehm sein, da sie wenig Vorbereitung erfordern und die Unterrichtsatmosphäre angenehm auflockern. Für einige SchülerInnen stellen diese Spiele auch sicherlich eine zusätzliche Demotivation dar. Gerade für Mädchen, die im Schulalter oftmals schüchterner sind als Jungen und eine schlechtere Selbstwahrnehmung ihrer math. Fähigkeiten haben. Diese beiden  Faktoren werden oft dazu führen, dass ein Junge das Spiel, trotz gleicher math. Fähigkeiten, gewinnt. Dies wird die Selbstwahrnehmung der Mädchen noch weiter verschlechtert.

Ich würde es für klüger halten mathematische Spiele in gegeneinander antretenden, leistungsheterogenen Gruppen zu spielen. Hierbei erhalten Mädchen eine fairere Chance ihre eigenen Fähigkeiten besser kennenzulernen, als bei Spielen wie „Eckenrechnen“.

Eine interessante Beobachtungsaufgabe für das Praktikum ist, wie die Lehrer versuchen ihre Fächer spielerisch zu vermitteln. Zudem möchte ich sehr gerne einige Lehrer fragen, wie sie versuchen Leistungshomogenität, so weit es geht, herzustellen.

Die meiner Auffassung nach größten Schwierigkeiten beim unterrichten von Mathematik sind, den Unterricht praxisnah und zugleich entlang des Lehrplans zu gestalten.

Die neue Art zu Unterrichten?

In der letzten Ringvorlesung stellte Professor Idel uns mit dem individualisierenden Unterricht eine Alternative zum Frontalunterricht vor. Eine Art von Unterricht, welche von der Gesellschaft immer mehr gefordert wird. Er stellte uns das Konzept der GSM als bereits bestehendes, individualisiertes Unterrichtskonzept vor. Der Unterricht an der GSM wird von vielen individuellen Projekten getragen, die an die Leistungsfähigkeit der SuS angepasst sind. Außerdem bearbeiten die SuS nur selten dieselben Aufgaben zur gleichen Zeit, da sie über einen individuellen Wochenplan verfügen, den sie in freier Zeiteinteilung bearbeiten können.

Diese Form von Unterricht ist laut Herrn Idel zwar ein sehr interessanter neuer Weg, allerdings nicht die Lösung aller Probleme. Gerade bei der Vergleichbarkeit der Ergebnisse besteht hier ein großes Manko.

Ich halte individuellen Unterricht für ausgesprochen wichtig, da nicht nur die Leistungsfähigkeit und der Leistungsstand eines jeden SuS individuell sind, sondern auch die persönlichen Interessen und die Art zu Lernen. Individueller Unterricht sollte allerdings auch nicht als Allzwecklösung gesehen werden, da es, gerade in den Hauptfächern, wichtig ist, alle SuS auf ein ähnliches Leistungsniveau und einen ähnlichen Wissensstand zu bringen.

In Anbetracht des in naher Zukunft stattfindenden Praktikums würde mich sehr interessieren, welche SuS effizienter Arbeiten: die SuS mit Wochenplan oder die SuS ohne Wochenplan. Des Weiteren würde mich sehr die persönliche Meinung der SuS Interessieren, die schon individuellen Unterricht und Frontalunterricht erlebt haben und einen entsprechenden Vergleich ziehen können. Außerdem interessiert mich, was sich durch individuellen Unterricht im Arbeitsalltag der LuL verändert hat.

Die Gefahr der Generalisierung

In einem begegnungspädagogischen Setting gilt es einen Raum der Begegnung zu schaffen, in unserem Fall einen Raum für interreligiöse Begegnung. Ziel ist es, Vorurteile und Hass durch den gegenseitigen Austausch zu bekämpfen. Beim begegnungspädagogischen Setting sollen Vertreter bestimmter Religionen ihre Religionen angemessen präsentieren.

Die Gefahr hierbei ist das sogenannte „Othering“. Wenn nur einer oder wenige Vertreter eine Großgruppe repräsentieren, generalisieren SuS oftmals die gesamte Gruppe.

In der sechsten Klasse besuchten wir als Klasse gemeinsam eine Synagoge. Einige meiner Mitschüler mit muslimischen Glauben ließen sich in der anschließenden Gesprächsrunde in der Schule über die prunkvoll eingerichtete Synagoge aus. Der O-Ton lautete: „Die Juden haben ihr ganzes Geld eh nur geraubt und prahlen jetzt mit dem Reichtum, die Synagoge ist das beste Beispiel dafür!“. Die eine besichtige Synagoge wurde hier als Bestätigung des antisemitischen Weltbildes gesehen.

Für künftige Praktika habe ich mir zur Aufgabe gemacht, zu beobachten, ob mein Umgang und meine allgemeine Ausdrucksweise ggü. SuS religiöser Minderheiten vorsichtiger ist.

Wenn Rentnerinnen helfen

Wenn frisch zugewanderte Kinder und Jugendliche in das deutsche Schulsystem integriert werden sollen stehen alle Beteiligten vor einer großen Aufgabe. Die SchülerInnen müssen sich in ein neues Umfeld in einer fremden Kultur und mit einer fremden Sprache integrieren. Die Lehrkräfte werden auf eine ganz andere Art und Weise gefordert als von den in Deutschland geborenen SchülerInnen.

In Bremen hält man derzeit noch am am teilintegrativen Modell fest. Im teilintegrativen Modell besuchen neu zugewanderte Schüler zwar auch einen Vorkurs, parallel dazu besuchen sie aber auch schon einige Schulfächer im Regelunterricht. In der Regel besuchen diese SuS weniger sprachintensive Fächer wie Sport, Musik und Kunst. Mit diesem System will man die zugewanderten Kinder innerhalb eines Jahres rezeptiv auf das B1-Niveau und produktiv auf das A2-Niveau bringen.

Während meiner Grundschulzeit konnte ich die Erfahrung machen, wie es ist mit neu zugewanderten SchülerInnen zusammen beschult zu werden, da in der zweiten Klasse zwei Seiteneinsteiger zu unserer Klasse stießen. Anfänglich gab es noch eine große Sprachbarriere, die aber innerhalb weniger Monate sehr klein wurde. Ganz auflösen konnten sich die sprachlichen Schwierigkeiten allerdings nur schwer. So kam es dazu, dass die beiden Zugewanderten und zwei weitere Schüler aus Migrantenfamilien, die ebenfalls sprachliche Schwierigkeiten zeigten, gezielte Förderung durch zwei Rentnerinnen erhielten. Die beiden Rentnerinnen unterrichteten die vier SchülerInnen nun in einer homogenen Kleingruppe während und außerhalb der Unterrichtszeiten um ihre Defizite so gezielt auszugleichen.

Im Nachhinein weiß ich nicht, ob es die gezielte Sprachförderung, der gemeinsame Unterricht mit Muttersprachlern oder eine Kombination aus beidem war, aber die sprachlichen Fähigkeiten aller vier SchülerInnen entwickelten sich prächtig. Einer der beiden Seiteneinsteiger machte Jahre später sogar noch sein Abitur. Wie die schulische Laufbahn der anderen Dreien verlief weiß sich leider nicht.

Zum Thema „Erfahrungen im Regelunterricht mit zugewanderten SchülerInnen“ habe ich meinen Vater, der Grundschullehrer ist, interviewt. Laut seinen Angaben kommen die zugewanderten SchülerInnen mit sehr heterogenen Leistungsniveaus an der Schule an. Die Integration innerhalb der Schule funktioniert bei allen dafür gleichermaßen gut. Außerhalb der Schule fällt die Integration dafür deutlich schwerer. Dies liegt oft daran, dass die zugewanderten SuS oft in Wohnheimen weit von der Schule entfernt leben. Zudem sprechen die Eltern oft kein Deutsch, was gerade bei SchülerInnen im Grundschulalter die Absprache mit den Eltern der SchülerInnen erschwert.

Die Lesekompetenz der SuS die einen Vorkurs besuchten ist fast immer besser, als die der SuS die keinen Vorkurs besuchten. Die SuS die den Kurs besuchten können meist schon sehr gut lesen, das Sprachverständnis hingegen ist fast immer sehr schlecht.

Diese Angaben decken sich sehr stark mit den, in der Vorlesung vorgetragenen, wissenschaftlichen Ergebnissen, wonach die zugewanderten SuS innerhalb eines Jahres sehr stark aufholten, ihre Schwächen dabei aber vor allem im Textverständnis offenbarten.

Doppelte Heterogenität

Unter dem Begriff „doppelte Heterogenität“ versteht man, dass jeder Schüler eine unterschiedliche Prägung seiner eigenen Geschichte und somit auch eine individuelle Sichtweise auf die Dinge hat. Diese Prägung ergibt sich oft aus dem sozialen, kulturellen und religiösen Hintergrund.

Gerade in einem meiner Fächer, den Politikwissenschaften, ist die doppelte Heterogenität von großer Relevanz. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist unter Kinder und Jugendlichen auf Grund ihrer unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründe eine hohe Diversität an politischen Meinungsbildern zu finden.

Wenn man also eine Klasse mit 25 Schülern fragt, was sie sich denn unter dem Zustand von „Recht und Ordnung“ vorstellt, wir man wahrscheinlich auch 25 höchst unterschiedliche Antworten erhalten.

  1. Gruppensidkussionen zu bestimmten Fragen und Sachthemen bieten eine interessante Möglichkeit um die Vorstellungen der SuS kennenzulernen. Vorteil ist hierbei, dass man direkt die Vorstellungen vieler SuS kennenlernt. Ein negativer Punkt ist, dass emotional beladene Diskussionen leicht ausarten können.
  2. Bei Diskussionen zu persönlichen Wertfragen (z.B. im Rahmen des Sexualunterrichts) sollten die Schüler individuell (z.B. Fragebogen) befragt werden, um eine möglichst ehrliche Antwort des Einzelnen zu erhalten.
  3. Durch das Einsetzen bestimmter Medien, wie Filme oder Artikel, kann man die SuS und ihre Diskussion gezielt in eine bestimmte Richtung lenken

Für das anstehende Praktikum nehme ich mir vor zu beobachten, wie die Lehrer mit SuS umgehen, die Deutsch nur als Zweitsprache erlernten, und diese gezielt fördern.

RV02

Von der 5. Klasse bis hin zum Abitur besuchte ich stets von Multikulturalität geprägte Schulen. Streitigkeiten bezüglich religiöser Ansichten gehörten zur Tagesordnung. Nachdem diese Streitigkeiten immer häufiger auch physisch ausgetragen wurden, war unsere Klassenlehrerin gewissermaßen gezwungen Maßnahmen zu ergreifen. So wurden mehrere Lehreinheiten zu den Themen „Religionsfreiheit“ und „Interkulturelle Kompetenz“ abgehalten, um diesen Streitigkeiten Abhilfe zu verschaffen. Die Einheiten umfassten u.a. intensive Auseinandersetzung mit den drei Weltreligionen sowie eine Aufarbeitung religiöser Konflikte der Weltgeschichte. Die anschließenden Diskussionen waren sehr lebhaft, allerdings weniger von Streit geprägt als zuvor. Auch die anschließenden zwei Jahre, die ich in dieser Klasse verbrachte, waren nur noch von wenigen Streitigkeiten bezüglich der Religionsfrage geprägt.

Einzuordnen ist diese Maßnahe als praktische Anwendung der interkulturellen Pädagogik.

Für zukünftige Praktika sollte ich mir merken, stets nach dem Grund für Streitigkeiten fragen, um diesen so besser entgegenwirken zu können. Wie man auch am vorangegangen Beispiel gut erkennen kann, lassen sich die meisten Streitigkeiten durch Kommunikation und zielgerichtete Bildung beheben. Denn ein Großteil der religiösen Streitigkeiten in meiner Klasse ließ sich auf schlichte Unwissenheit zurückführen.

Maßnahmen, die wie diese, zur Kommunikation bezüglich spezifischer Themen Beitragen, lassen sich wahrscheinlich in jeder Klassengemeinschaft anwenden. Hierfür muss nur der Lehrplan allerdings die entsprechenden Freiräume bieten.

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