1. Inwiefern hat Ihnen die Vorlesungssitzung neue Erkenntnisse bezüglich selbst in der Schule beobachteter oder erlebter Situationen (Klassismus und/oder Mobbing) vermittelt? Bitte nehmen Sie dabei auf theoretische Inhalte der Vorlesung Bezug, verwenden Sie Fachbegriffe und beziehen Sie Ihre Ausführungen wenn möglich auf ein konkretes Beispiel.
Die letzte Vorlesung des Moduls Umgang mit Heterogenität des SoSe 2025 hat mir vor allem nahe gebracht, meine Erfahrungen aus meiner Schulzeit unter dem Aspekt des Klassismus genauer zu betrachten. Bourdieus Kapitaltheorie und die damit verbundene Illusion der Chancengleichheit unterschreibt ganz deutlich die Wahrnehmung, welche ich bereits in der Grundschule aber vor allem in der weiterführenden Schule hatte, und zwar, dass die bestehende Ungleichheit verstärkt wird, durch die Gleichbehandlung aller Schüler:innen, trotz unterschiedlichem/wenigem ökonomischen, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital (Bourdieu 1983; 1992). Vor allem die Darstellung von Kracke (Kracke et al. 2024, S. 5) veranschaulicht, wie unterschiedlich die Chancen zum Hochschulzugang sind für Schüler:innen deren Eltern Akademiker:innen sind und die Eltern die es nicht sind (Bei 100 Kindern aus Akademiker Familien sind es 78/ Bei Kindern aus Nicht-Akademiker Familien sind es gerade mal 25). Hier möchte ich ein Realitätsbezogenes Beispiel nennen. Ich selber komme aus keiner Akademiker Familie, aber wie bei so vielen Migra-Kinder ist es der Traum der Eltern, dass ihre Kinder die höchste Bildung genießen und später beruflich abgesichert sind. Damals wurde ich auf ein Privatgymnasium getan wo fast alle aus reichen Elternhäuser kamen. Aus einer Klasse die aus circa 30 Schüler:innen bestand, bekamen nur zwei Schüler:innen neben mir staatliche Hilfe und jedes Mal wenn es um das Thema Klassenfahrten, Schulausflüge etc. kam, wurden wir ausgelacht als es zum Thema bezahlen ging. Oder auch die Anmerkungen und Witze die gemacht wurden, wenn man nicht die neusten Nike Schuhe oder die neuste Schultasche hatte. Das ist nicht nur verbales Mobbing nach der Struktur von Wachs und Schubarth (Wachs & Schubarth 2021), sondern lässt Schüler:innen sich fehl am Platz fühlen sowie der Habitus-Struktur-Konflikt (Schmitt 2006, S. 8) es erläutert.
2. Welche Handlungserfordernisse leiten Sie für sich als (angehende) Lehrkraft aus den Erkenntnissen ab?
Als Lehrkraft möchte ich vor allem eine feste Bezugsperson für die Schüler:innen sein und eine positive Lehrer:innen-Schüler:innen Beziehung schaffen, denn nach Ehlert findet Mobbing am häufigsten in Abwesenheit der Lehrer:innen statt (Ehlert 2006, 115). Durch eine gesunde Beziehung zu Schüler:inne möchte ich mich vergewissern, dass Schüler:innen, welche unter Mobbing leiden, auf mich zugehen und das Gespräch suchen um mögliche Lösungsansätze zusammen zu finden aber auch um ihnen ein offenes Ohr zu bieten um über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen. Dies gilt nicht nur für Fälle von Mobbing sondern sollte für mich ein Standard sein, denn Lehrer zu sein bedeutet für mich mehr als nur Wissen zu übermitteln. Außerdem möchte ich an Fortbildungen teilnehmen welche Lehrkräfte auf das Thema sensibilisieren denn nach Wachs und Schubarth greifen Lehrer:innen welche an Fortbildungen zum Thema Mobbing teilnehmen doppelt so oft in Mobbingsituationen ein (Wachs & Schubarth 2021). Ein wichtiger Punkt ist es, dass ich in meinem Unterricht klare Werte und Normen unterrichten möchte und eine klare Grenze ziehe wenn es um die Themen Diskriminierung, Mobbing und Klassismus geht, ich möchte eine sichere Lernumgebung schaffen, in dem jeder akzeptiert wird wie er ist und es keinen Platz für Hass gibt. Auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich als alleinige Lehrkraft nichts großes bewirken kann, was das Thema Klassismus angeht, jedoch kann ich für meinen Unterricht und meinen Klassenraum Angebote schaffen wie differenziertes Lernen, welche auf individuelle Bedürfnisse und Fortschritte eingehen, auch kann ich als Bilinguale Lehrkraft eine gute Basis für das Verständigen bieten wenn es um das Thema Eltern-Sprach Tage geht, damit sich alle Eltern inkludiert und verstanden fühlen.
Literatur
- Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale Ungleichheiten. Übersetzt von Reinhard Kreckel. Göttin-gen: Otto Schwartz & Co. (Soziale Welt Sonderband, 2), S. 183- 198.
- Bourdieu, Pierre (1992): Sozialer Raum und symbolische Macht. In: Pierre Bourdieu (Hg.): Rede und Antwort. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1547 = N.F., 547), S. 135–154.
- Kracke, Nancy; Middendorff, Elke; Buck, Daniel (2018): Beteiligung an Hochschulbildung. Chancen(un)gleichheit in Deutschland. DZHW-Brief, 3/2018. DZHW.
- Schmitt, Lars (2006). Symbolische Gewalt und Habitus-Struktur-Konflikte: Entwurf einer Heuristik zur Analyse und Bearbeitung von Konflikten. CCS Working Paper, No. 2., https://www.researchgate.net/publication/279644098 (letzter Zugriff: 28.5.2021).
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- Wachs, S., Schubarth, W. (2021). Schule und Mobbing. In: Hascher, T., Idel, TS., Helsper, W. (eds) Handbuch Schulforschung. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-24734-8_65-1
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