mariefriedrichs

21. Januar 2023

Zehn Merkmale guten Unterrichts -Hilbert Meyer

Filed under: Allgemein — Schlagwörter: — Marie @ 19:59

“Was ist guter Unterricht?“ – Zehn Merkmale guten Unterrichts

Hilbert Meyer

Hilbert Lühr Meyer war Schulpädagoge von 1975 bis 2009 in Oldenburg. Meyer wurde bekannt durch Studienbücher zur Didaktik und Schulpädagogik. 2004 veröffentlichte Hilbert Meyer “Was ist guter Unterricht?“ worin dieser unter anderem Zehn Merkmale guten Unterrichtes vorstellt und näher erläutert.

Die Frage was guten Unterricht eigentlich ausmacht lässt sich nicht so einfach in einem Satz beantworten jedoch gibt es Richtlinien und Merkmale an, die sich orientiert werden, kann. Im Folgenden habe ich die die 10 Merkmale, was diese beinhalten sowie Ratschläge für die Umsetzung aus Hilbert Meyers “Was ist guter Unterricht?“ aufgelistet und zum Schluss in Bezug auf inklusiven Unterricht zusammengefasst.

 

  1. Klare Strukturierung des Unterrichtes
    1. Methodischer Grundrythmus
    2. Aufgabenklarheit
    3. Regelklarheit
    4. Rollenklarheit

Umsetzung:

  • Transparent mit der Unterrichtsplanung umgehen
  • Unterrichtsrituale verwenden
  • Mischung aus leichten und Schweren Fragen
  • Nach einer Frage Zeit zum Nachdenken geben
  • Schüler*innen Freiräume geben

 

  1. Hoher Anteil echter Lernzeit
    1. Die Mehrzal der Schüler*innen ist aktiv bei den Aufgaben
    2. Keine Ablenkungen oder Langeweile
    3. Entstehung Inhaltlicher Arbeitsergebnisse
    4. Aktive Lernphasen in Abwechslung von erholsamen Pausen
    5. Wenig Disziplinstörungen weder von der Lehrkraft noch von Mitschüler*innen

Umsetzung:

  • Gute Vorbereitung der Lehrer*innen und Schüler*innen
  • Künktlichkeit aller beteiligten
  • Klare Strukturierung
  • Angemessene Aufgabenformulierung
  • Konzentrationsübungen

 

  1. Lernförderliches Klima
    1. Gegenseitiger Respekt
    2. Verlässlich eingehaltene Regeln
    3. Gemeinsam geteilte Verantwortung
    4. Gerechtigkeit (unter alles Beteiligten)
    5. Fürsorge

Umsetzung:

  • Ausbau der Mitbestimmung
  • Maßnahmen zur Gewaltprävention
  • Übernahme von Klassenämtern
  • Konfliktmoderation
  • Regelmäßiges Schülerfeedback
  • Zielvereinbarungen mit der Klasse oder einzelnen Schülern
  • Klärung von Missverständnissen

 

  1. Inhaltliche Klarheit
    1. Aufgabenstellung verständlich
    2. Thematischer Gang nachvollziehbar
    3. Ergebnissicherung klar und verbindlich gestaltet

Umsetzung:

  • Genaue Bestimmung des Anspruch Niveaus der Aufgabenstellung
  • Ernstnehmen von Schülervorstellungen/Alltagserfahrungen
  • Nutzung von Teilen der von Schüler gemachten Fehlern, um den Lehr-Lernprozess voranzubringen

 

  1. Sinnstiftendes kommunizieren
    1. Das Lernen soll einen Sinn für die Schüler*innen geben („Wozu lerne ich das eigentlich?“)
    2. Nicht immer von Anfang an einleuchtend für Schüler*innen
    3. Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schüler*in über Inhalte des Unterrichtes

Umsetzung:

  • Interessen der Schüler berücksichtigen
  • Auf Erlebnisse und Erfahrungen der Schüler*innen zurückgreifen
  • Bezug zu Anwendungen im Alltag/ der Erfahrungswelt der Schüler herstellen

 

  1. Methodenvielfalt
    1. Reichtum der verfügbaren Methoden werden genutzt
    2. Verlaufsform des Unterrichtes wird variable gestaltet
    3. Grundform des Unterrichtes wird ausbalanciert

Umsetzung:

  • Abwechslung von Methoden im Unterricht
  • Nicht zu viele Methoden in einer Stunde
  • Methoden wählen, die für die Lehrkraft am besten funktioniert, variiert von Klasse zu Klasse
  • Gewählte Methode sollte den Lernprozess der Schüler*innen unterstützen

 

  1. Individuelles Fördern
    1. Jeder Schülerin und Jedem Schüler die Chance geben, ihr bzw. sein motorisches, intellektuelles, emotionales und soziales Potential umfassend zu entwickeln
    2. Durch geeignete Maßnahmen unterstützen

Umsetzung:

  • Bei der Planung von Unterricht und Entwicklung von Förderinstrumenten insbesondere die Lernvoraussetzungen der Schüler*innen beachten
  • Flexible Lernziele formulieren
  • Fehler zulassen und gemeinsam mit den Schülern analysieren

 

  1. Intelligentes Üben
    1. Es wird ausreichend und im richtigen Rhythmus geübt
    2. Übungsaufgaben werden passend zum Lernstand formuliert
    3. Die richtigen Lernstrategien werden von dem Schüler*innen genutzt
    4. Lehrkräfte geben gezielte Hilfestellung beim Üben

Umsetzung:

  • Bei Auswahl und Erstellung von geeignetem Übungsmaterial den (individuellen) Lernstand der Schüler*in berücksichtigen
  • Genügend Zeit für die Übungsphasen einplanen und zur Verfügung stellen (ggf. Stoffmengen reduzieren)
  • Unterschiedliche Methoden nutzen
  • Allen Schüler*innen unabhängig vom Leistungstand Erfolgserlebnisse ermöglichen

 

  1. Transparente Leistungserwartungen
    1. Passendes Lernangebot (angepasst an Lehrpläne und das Leistungsvermögen)
    2. Dieses Angebot ständig verständlich kommunizieren
    3. Nach Tests und Arbeiten zügig Rückmeldungen geben

Umsetzung:

  • Klare Abgrenzung der reinen Lern- und Arbeitsphasen von den Phasen der Leistungskontrolle
  • Nach Leistungskontrolle zügig und möglichst individuell Rückmeldung geben
  • Den Schüler*innen die Gelegenheit geben der Lehrkraft ihre persönliche Leistungserwartung mitzuteilen

 

  1. Vorbereitete Lernumgebung
    1. Ordnung
    2. Funktionale Einrichtung
    3. Bereithaltung von brauchbaren Lernwerkzeugen
    4. Sodass Lehrkräfte und Schüler*innen sich mit dem Raum identifizieren können und dort arbeiten können

Umsetzung:

  • Bei den Naturwissenschaften: Fachräume zum Experimentieren
  • Übersichtlich, ordentlich, schnell erreichbar
  • Regeln für den Aufenthalt in bestimmten Räumen muss eingehalten werden
  • Das Aufräumen muss geübt und nach festen Regeln ablaufen
  • Tafel und Whiteboard für jeden Sichtbar

In Bezug auf Inklusiven Unterricht:

Bei Inklusivem Unterricht ist eines der wichtigsten Merkmale um den Schüler*innen gerecht zu werden die individualisierte Förderung. Auch hier bei den 10 Merkmalen guten Unterrichts nach Hilbert Meyer wird immer wieder auf die Individualisierung hingewiesen. Sowohl bei der Planung von Unterricht als auch bei der Durchführung sowie bei der Rückmeldung läuft es immer wieder darauf hinaus, dass unterschiedliche Lernstände, Bedürfnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden sollten, um einen guten Unterricht durchzuführen. Verschiedene Methoden anzuwenden ist eine vieler Strategien dies Umzusetzen. Eine gute Kommunikation und Transparenz der Lernziele sind ebenso bedeutsam wie die echte Lernzeit. Von Bedeutung sind die oben genannten Punkte für jede Art von Unterricht und in Hinblick auf eine heterogene Lerngruppe umso wichtiger. Die 10 Merkmale von Meyer dienen somit als Orientierungshilfe für einen guten Unterricht. Das selbstständige und entdeckende Lernen hätte Meyer in seinen Merkmalen jedoch noch ergänzen können sodass auch diese Auflistung an Prinzipien noch nicht alle Merkmale guten Unterrichtes auflistet. Es wäre also durchaus Sinnvoll sich mit weiteren Quellen zu befassen um eine große Bandbreite an Methoden, Ratschlägen und Maßnahmen zu verinnerlichen.

 

Literatur

aus: Pädagogik 10/03, S. 36 – 43

Hilbert Meyer, Zehn Merkmale guten Unterrichts, Empirische Befunde und didaktische Ratschläge,

aus: Pädagogik 10/03, S. 36-43

 

Podcast- Individuelle und gemeinsame Lernwege im Deutschunterricht (Kira Ehleben, Marie Friedrichs, Tina Pichelmann)

Filed under: Allgemein — Marie @ 16:20

16. Januar 2023

Hans Wocken: Gemeinsame Lernsituation

Filed under: Allgemein — Schlagwörter: — Marie @ 22:18

Hans Wocken – Gemeinsame Lernsituation 

Hans Joachim Wocken wurde 1943 in Rütenrock geboren und studierte Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Vechta. Wocken arbeitete als Sonderpädagoge in Dortmund, promovierte anschließend und wurde Professor für Lernbehindertenpädagogik an der Universität Hamburg. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit integrativer Pädagogik. 

In dem Text „Gemeinsame Lernsituation“ verfasst 1998 von Hans Joachim Wocken werden verschiedene Lernsituationen beschrieben und in Form von Schaubildern dargestellt. Diese bestehen aus zwei Ebenen. Zum einen wird der Inhaltsaspekt, beispielsweise Ziele, Aufgaben und Pläne, durch horizontale Pfeile visualisiert. Zum anderen wird auf vertikaler Ebene der Beziehungsaspekt wie soziale Prozesse und kommunikativer Austausch veranschaulicht. 

Koexistente Lernsituation:

Beschreibung:

Das Verhalten der jeweiligen Person wird zum größten Teil über ihr eigenes Handeln bestimmt. Die beteiligten konzentrieren sich in erster Linie auf sich selbst. Das eigene angestrebte Ziel steht hierbei im Vordergrund. Die Gemeinsamkeit wird auf das räumliche beieinander sein reduziert wobei das interaktive weniger vorhanden ist. Vergleichbar ist dies mit dem Straßenverkehr. Man hat ein eigenes Ziel, eine eigene Route und braucht zur Realisierung den anderen erst einmal nicht. Jedoch muss, um das Ziel erreichen zu können, auf andere Fahrer und beteiligte Personen am Straßenverkehr geachtet werden. Kommuniziert wird hierbei meist lediglich mit Hup- und Lichtsignalen. Der Inhaltsaspekt dominiert in diesem Fall und der Beziehungsaspekt passiert eher passiv.

Im schulischen Kontext: 

Ein Beispiel für eine koexistente Lernsituation im Schulalltag ist die Bearbeitung des Wochenplans. Die Schüler*innen bearbeitend ihre Aufgaben individuell ihrem Tempo entsprechend. Ein direkter Austausch ist hierbei nicht vorhanden.

Kommunikative Lernsituation:  

Beschreibung:

Bei der kommunikativen steht die Interaktion also die Kommunikation und das Miteinander im Vordergrund. Der Inhalt spielt hierbei weniger eine Rolle. Hierbei gibt es weder einen Plan noch ein gemeinsames Ziel. Die beteiligen reagieren und antworten spontan auf das gesagte des anderen. Jeder war schon einmal in solch einer Situation. Beispielsweise beim Kaffee mit Familie oder Freunden oder auf einer Party. Es kann mehrere Abschweifungen innerhalb eines Gespräches geben ohne das eine Entscheidung getroffen werden muss oder ein Problem bearbeitet wird. Es ist also das Gegenstück zur koexistenten Lernsituation. 

Im schulischen Kontext:

Auch wenn diese Form von Lernsituation nicht auf den ersten Blickscheint, als ob sich diese einer Lehrenden Einrichtung wiederfinden lässt, so kommt sie doch auch in der Schule vor. Beispielsweisen in den Pausen oder beim Frühstück. Hierbei tritt die intentionale Pädagogik zurück. Diese Zeit ist ebenso wichtig wie die Zeit der koexistenten Lernsituation. 

Subsidiäre Lernsituation:

Beschreibung:

Bei der Subsidiären Lernsituation ist sowohl der Inhaltsaspekt als auch der Beziehungsaspekt relevant. Diese lässt sich in zwei verschiedene Situationstypen unterteilen. Zum einen wird die unterstützende Lernsituation erläutert. Hierbei bietet Schüler*in A Schüler*in B Unterstützung bei der Bewältigung der Aufgaben an und arbeitet beiläufig kontinuierlich an seinem eigenen Lernziel weiter. Somit wird durch einseitige Kommunikation dem hilfsbedürftigen Schüler B Unterstützung geleistet. Zum anderen wird die prosoziale Lernsituation beschreiben. Hierbei ist es für Schüler*in A nicht mehr möglich sich neben der Hilfestellung, die eigenen Lernziele weiter zu verfolgen. Schüler*in A stellt die eigenen Bedürfnisse zurück, um Schüler*in B zu Helfen. 

Im schulischen Kontext:

Beide Lernsituation sind im Schulalltag wiederzufinden. Die unterstützende Lernsituation tritt beispielsweise auf, wenn beispielsweise ein Schüler bei der Aufgabenstellung nicht zugehört hat und der Sitznachbar demjenigen die Aufgabe erklärt und beide anschließend an ihren Aufgaben weiterarbeiten.  Die prosoziale Lernsituation kann innerhalb eines Gemeinsamen Unterrichtes immer wieder vorkommen. Ist die Lehrkraft gerade nicht in Reichweite oder traut sich ein/e Schüler*in nicht um Hilfe zu bitten, so kommt es auch zu Hilfestellungen und Assistent unterhalb der Schüler*innen. 

Kooperative Lernsituation:

Beschreibung:

Bei der Kooperativen Lernsituation arbeiten alle Schüler*innen an der Bewältigung einer Aufgabe. Arbeitet die Gruppe an einem gemeinsamen Ziel wird dies als solidarische Lernsituation bezeichnet. Gibt es unterschiedliche Zielsetzungen, wird dies komplementäre Lernsituation genannt. Verfolgen sie unterschiedliche Ziele so sind sie dennoch an auf Kooperation und Interaktion untereinander angewiesen. Wird an einem gemeinsamen Ziel gearbeitet stärkt dies die Gemeinschaft. 

Im schulischen Kontext:

Auch hier treten beide Lernsituationen im schulischen Alltag auf. Solidarische Lernsituationen sind beispielsweise im Sportunterricht bei der Zusammenarbeit innerhalb einer Mannschaft oder bei Gruppenarbeiten auf. Eine komplementäre Lernsituation kommt beispielsweise beim Fußball spielen oder Schachspielen vor. Man kann beides nicht allein spielen und ist, auch wenn man ein anderes ziel verfolgt, voneinander abhängig.  

Anwendung von oben genannten Lernsituationen im inklusiven Unterricht: 

Jede Lernsituation weist verschiedene positive Eigenschaften auf, die zu Lernerfolgen der Schüler*innen beitragen. In einem inklusiven Unterricht steht die Individualität der Schüler*innen im Vordergrund. Wichtig für die Lehrperson ist es also die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und dementsprechend auch den Unterricht anzupassen. Demnach ist es nicht Sinnvoll nur eine Lernsituation in einem inklusiven Unterricht zu. Vor allem sind jedoch Lernsituation, die die Gemeinsame Lernen der Kinder mit verschiedenen Bedürfnissen fördert. Das Austauschen, die gegenseitige Hilfe und das Lernen miteinander zeichnen einen inklusiven Unterricht aus. Denn dabei geht es eben nicht darum zu separieren, sondern um die Gemeinsamkeit der Vielfalt.  Demnach sollten vor allem Lernsituationen wie kooperative Lernsituation aber auch subsidiäre Lernsituationen im inklusiven Unterricht verwendet werden. So schrieb auch Wocken: „Die Gemeinsamkeit der Verschiedenen ist die eigentliche Erkennungsmelodie der Inklusion, ihr Substanzieller Kern. Und deshalb ist die Gemeinsamkeit der Verschiedenen auch ein unverzichtbares Kernmerkmal der Inklusion.“ (Wocken, Hans (2019), S.14)

 

Literatur:

Wocken, Hans (1998): GemeinsameLernsituationen (S.41-48) 

Wocken, Hans (2019): Inklusive Bildung. Annäherung an den Begriff der Inklusion und Förderungen an die Inklusionsforschung. In: Auswege Magazin, Perspektiven für den Erziehungsalltag. Letzter Zugriff: 10.01.2023

Wocken, Hans (2017): Vielfalt allein genügt nicht! Zur dialektischen Einheit von Vielfalt und Gemeinsamkeit. In: Wocken, Hans (Hrsg.): Beim Haus der inklusiven Schule. Praktiken – Kontroversen – Statistiken. Hamburg: Feldhaus Verlag, S. 170-250 Letzter Zugriff: 10.01.23

 

8. Januar 2023

Hallo Welt!

Filed under: Allgemein — Marie @ 23:21

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