Autor: Pia

  • Literaturverzeichnis

    Antifaschismus. (o. D.). Bundesamt für Verfassungsschutz. https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/glossareintraege/DE/A/antifaschismus.html

    Bundesverband Trans* & Eckert, N. (2023). Was sind TERFs? Oder: Warum manche Strömungen des Feminismus nicht für alle Frauen kämpfen. Bundesverband Trans*. https://www.bundesverband-trans.de/wp-content/uploads/2024/04/Kurzbroschuere-TERFs_2024_web.pdf

    Clothing, B. (2024, 6. Juli). Graffiti Tag: Definition and Influence on Streetwear Clothing. B.Different Clothing. https://bdifferent.clothing/de-de/blogs/der-blog/graffiti-tag-definition-und-einfluss-auf-streetwear-kleidung?srsltid=AfmBOopyOi6JQVlTfZqN4L6dDzfKE9cmGCT5c9bQgi8ns9Q7IG8swF-G

    Cornbread – 7 artworks – drawing. (o. D.). www.wikiart.org. https://www.wikiart.org/en/cornbread

    Graffiti Tags – diese 4 Tipps und Tricks solltest du kennen. (2025, 14. Juni). Graffiti Wiki. https://www.graffiti-wiki.com/tutorial/graffiti-tags/

    “Jin, Jiyan, Azadi:” the Kurdish roots of the Iranian protests and how the arts can help us to feel interconnected struggles – Development Studies at SOAS. (2023, 4. Juli). https://blogs.soas.ac.uk/development-studies/2023/07/04/jin-jiyan-azadi-the-kurdish-roots-of-the-iranian-protests-and-how-the-arts-can-help-us-to-feel-interconnected-struggles/

    Mathios, D. (2016). Latrinalia. Udenver. https://www.academia.edu/21147125/Latrinalia

    OLIVE TREE – Palestine. (o. D.). https://www.piecesofpalestine.com/?portfolio=olive-tree&lang=de

    Papenbrock, M. (o. D.). Wie alles anfing- Peter Kreuzer und das Münchner Graffiti der frühen Jahre. https://kg.ikb.kit.edu/downloads/Papenbrock_Kikol_Graffiti%20NOW.pdf

    Shane & Shane. (2025, 26. Mai). Graffiti Kunstgeschichte: Die Entwicklung und Bedeutung der Graffiti Art im urbanen Raum | GRAFFITIARTIST. GRAFFITIARTIST | Professionelle Graffitis für Jedermann. https://graffitiartist.de/graffiti-themen/graffiti-kunstgeschichte/

    Tinkle. (2021, 15. Mai). What does ‘Latrinalia’ Mean? Tinkle. https://tinkle.rca.ac.uk/2021/04/14/what-does-latrinalia-mean/

  • Reflexion aus meiner Arbeit

    Zu Beginn meiner Arbeit ging ich mit der Überzeugung rein, dass Latrinalia und der anonyme Austausch im „geschützten“ Raum der Toiletten inhärent gut sei. Durch die Arbeit mit dem Thema und vor allem den transfeindlichen Aussagen die sich über den Zeitraum anhäuften erkannte ich immer mehr parallelen zu Diskussionen und Austausch in den Kommentarspalten auf Social Media: die gegebene Anonymität gibt vielen Menschen den Mut und Sicherheit diskriminierende Aussagen ohne große Sorgen zu verbreiten. Dennoch fanden sich auch viele Gegenstimmen und Solidarität, die sich klar gegen die menschenfeindlichen Aussagen stellten.

    Wie wichtig ist nun dieser Raum als Ort um seine Gedanken, Sorgen und Meinungen mit anderen anonym zu teilen?

    Einerseits können Toiletten einer Universität Menschen den Raum geben, sich und ihre Gefühle nach außen zu tragen, während man durch die Anonymität des Latrinalia geschützt ist. Andererseits zeigen die Toiletten der Universität Bremens, dass diese Anonymität auch etwas negatives hervorbringen kann: menschenverachtende und hasserfüllte Inhalte, die gegen marginaliserte Menschen gehen, bei denen die Anonymität diese Täter*innen schützt.

    Die Latrinalia an der Universität Bremen sind eine Mischung aus kollektivem Schmerz und Wut, aus Kreativität, räumliche Einnahme und aus Stimmen die ansonsten nicht gehört bzw. gelesen werden würden. Dabei können sich verschiedenste Menschen zusammentun aber sich auch gegeneinander aufstellen.

    Die behandelten Themen haben eine breite Bandweite: Feminismus, Intersektionalität, Antifaschismus, Ani-Rassismus, Queerness, Kreatives ausleben, mentale Gesundheit und klassische Tags. Die Toiletten sind und bleiben ein Ort der anonymen Begegnung.

    Das Institut selbst spiet dabei auch eine wichtige Rolle: die Universität kann entscheiden was stehen bleibt und welche Wörter bzw. Sätze direkt entfernt werden. Dies kommt natürlich auch auf die Kapazitäten an, wie oft und frequentiert die Latrinalia entfernt werden können. Es stellt sich die Frage: ist es von Vorteil Aussagen stehen zu lassen um die Diskussion und den Meinungsaustausch gewährleisten zu können? Welche Stimmen werden eingeschränkt? Welche werden zelebriert?

    Das Interview zeigte mir, dass Latrinalia oft durch direkte Emotionen und persönliche Bezüge erstellt werden. Die Anonymität hilft dabei, sich so auszudrücken, wie man es möchte. Dennoch kann es auch einschränkend sein, da es nicht immer leicht ist die „richtigen“ Worte zu finden. Die Reaktionen anderer können einen dennoch treffen und verletzen, auch wenn man nicht genau weiß, wer diese verfasst hat.

    Bei den fehlenden Worten greifen viele Personen zu Stickern, welche bereits ein zentrales Thema besitzen und mit Darstellungen dieses untermalen können. Oft sind diese von verschiedenen Organisationen oder auch Parteien.

    Latrinalia sind gleichzeitig ein kreatives Ausleben und definieren sich aus spontanen Gedanken und dem Bedürfnis in kurzer Zeit eine Message oder etwas kreatives rüberzubringen. Das politische steht oft im Mittelpunkt. Außerdem interessant zu sehen ist, dass je nach Fakultät die Latrinalia sich ändern: in vielen Fakultäten gab es keine bis ein paar Latrinalia auf den Toiletten, wie zum Beispiel bei Pädagogik. In den Räumlichkeiten, in denen größtenteils Geisteswissenschaften oder Kunst gelehrt werden, finden sich umso mehr Latrinalia. Bei der Cafeteria des GW2 sind ebenfalls viele Latrinalia zu finden, wie zum Beispiel die transfeindlichen Aussagen. Dort gehen viele verschiedene Menschen auf Toilette, es kann nicht genau differenziert werden, welche Studiengänge diese Menschen besuchen. Über die Jahre, in denen ich an der Universität Bremen studierte (Winter 2022), gab es auf den Toiletten der Cafeteria des GW2-Gebäudes und des SFG-Gebäudes den größten Austausch. Dabei wurden regelmäßig ganze Diskussionen entfernt, es finden sich aber immer neue wieder. Die Themen sind oft aktuell: seien es die Wahlen Anfang des Jahres, der Genozid in Palästina oder der allgemeine Rechtsruck. Die Diskussionen zeigen, das viele verschiedene Menschen die Universität Bremen besuchen und dass diese aus den unterschiedlichsten Postionen, Klassen, Studiengängen und Sozialisationen kommen. Dies kann zu entweder spannenden Konversationen mit Chancen auf neue Erkenntnisse sein, oder ein gegenseitiges degradieren und Beleidigungen beinhalten.

    Ausblick:

    Interessant zu wissen wäre, was mit den transfeindlichen Aussagen auf den Frauen*-Toiletten des GW2-Gebäudes passiert: was genau möchte die Universität dagegen tun? Das stumpfe Entfernen der Latrinalia hilft nicht dabei, dass sich betroffene Studierende in den Kreisen der Universität wohl fühlen. Das Thema Transfeindlichkeit sollte aufgegriffen werden. Im Idealfall sollte es Angebote geben, die über diese Feindlichkeit aufklären, denn Bildung ist der Schlüssel gegen die Menschenfeindlicheit vorzugehen.

    Mich würde interessieren, wie sich die Diskussionen und Konversationen über die nächsten Monate entwickeln: welche Themen werden von Relevanz sein? Welche werden weniger? Latrinalia sind nah an den Geschehnissen der Welt verknüpft und sind ein Spiegel unserer Zeit. Ich frage mich ebenfalls, wie sich der Austausch über Palästina entwickeln wird, da dieses Gebiet auch im Universitätskontext äußerst umstritten ist.

    Auch ich habe bei manchen Diskussionen auf den Toiletten mitgewirkt und es war spannend nach verschiedenen Zeitabständen zu schauen, ob andere Leute einem geantwortet haben. Diese Art der Kommunikation benötigt viel Geduld aber gibt einem auch eine ganz neue Weise, sich Anonym mit anderen auszutauschen. Nicht wie auf Social Media oder im Internet, gibt das Analoge und Schreiben mit Stift oder Marker mit den eigenen Händen ein anderes Gefühl von Ausdruck.

    Ich hätte gerne über einen längeren Zeitraum verschiedene Latrinalia angesammelt und wäre in andere Gebäude und Fakultäten gegangen, um einen noch größeren Überblick über die behandelten Themen zu erhalten. Ebenfalls wäre es interessant gewesen, noch mehr Interviews zu führen, um die persönlichen Beweggründe für das Partizipieren von Latrinalia verschiedener Menschen herauszufinden. Dadurch, dass das Taggen und Latrinalia oft als Vandalismus bezeichnet werden und diese als illegal gelten, ist es kompliziert an Menschen heranzukommen, die offen über das Thema sprechen wollen, da diese vermeiden wollen von der Universität sanktioniert zu werden.

    Ich werde in den nächsten Monaten weiterhin die Latrinalia auf den Toiletten der Universität sammeln und auch in andere Gebäude gehen, um gegebenenfalls für meine Bachelorarbeit die Entwicklung der Diskussionen und Aussagen aufzeigen zu können.

  • Interview über Diskussionen und Austausch auf den Toiletten

         

    Hammer und Sichel

    Auf den Toiletten im SFG-Gebäude finden sich Diskussionen über as Hammer und Sichel Symbol. Ich hatte das Glück die Person interviewen zu können, welche die Diskussionen startete. Seit 2018 ist sie Studentin der Universität Bremen und begann dieses Jahr mit den Diskussionen. Ursprünglich kommt die interviewte Person aus Litauen und bringt ihre Position zu dem Hammer und Sichel Symbol in die Räume der Universität.

    Das Interview 

    A: Ich

    B: Interviewte Person 

    A: „Wann sind dir die ersten Male politischen Aussagen auf den Uni-Toiletten aufgefallen?“

    B:“Also […] das war nicht direkt an der Uni, mir ist so generell in Bremen aufgefallen, dass es sehr viele Hammer und Sichel gibt, davon sehr viel und besonders als die Ukraine angegriffen worden ist 2022 [….]. Dann ist mir das auch mehr an der Uni aufgefallen. Das konnte ich dann nicht aus meinen Augen lassen.“

    A:“Aus welcher Position kommst du, dass du das Sichel und Hammer Symbol kritisierst?“

    B:“[…]Also das ist einfach so, dass in Litauen an den Schulen und generell immer gelehrt wird Sichel und Hammer ist kein harmloses Symbol. Darunter sind sehr viele Menschen gestorben. Nicht nur in der Schule, man spürt das in ganz Litauen, mein Vater zum Beispiel konnte nicht studieren und sein Abschluss wurde einfach gefaked weil er Punk war und sowas. Er wurde vom KGB festgenommen und saß im Knast. Er sollte in den Krieg gehen und hat dann extra gesagt dass er psychisch Krank ist und dann hat er so richtige Medikamente bekommen wo er immer halbwegs paralysiert ist und sowas und lag im Krankenhaus […], weil er einfach nicht zum Krieg wollte für Russland. Und daraus kommt eine sehr große Allergie gegen dieses Zeichen glaub ich, das ist voll wie Nazi-Symbolik für mich, da hab ich auch voll Allergie gegen. Für mich sind das beides Symbole wo viele Menschen drunter gelitten haben. Ich sehe da viel Schmerz und Leiden“.

    A:“Was hat dich dazu bewegt in den Toiletten etwas zu schreiben, zu antworten oder zu Stickern?“

    B:“Ich wollte glaub ich zu dem Zeitpunkt eben weil es auch 2022 war und so da gabs auch viel Angstgefühl für mich so: wie gehts weiter? Wie gehts auch mit Litauen weiter und sowas [….]. Und da war einfach so für mich das erreicht, dass ich unbedingt in den Austausch mit Leuten gehen wollte hier, weil ich finde dass die das verstehen können wenn man denen das erklärt und die meisten das auch verstehen wollen, aber mir fehlte einfach dieser Raum für diesen Austausch und ich dachte: okay die Graffiti sind da und ich mache auch außerhalb der Uni Sachen mit Stickern und Tags. Und dann dachte ich so: okay, jetzt einfach loslegen! Das erste Graffiti ist auch ganz spontan entstanden als ich auf dem Klo saß zwischen zwei Vorlesungen und ich dachte mir so: Ne, ich kann jetzt nicht einfach so weggehen, ich schreib das jetzt auf!“

    A:“Was war dir dabei wichtig als du das aufgeschrieben hast?“

    B:“Es gab einfach zu wenig Raum für den Austausch, man redet nicht so viel darüber finde ich und das war einfach so für mich die Möglichkeit mich auszudrücken. Es ist ein so komplexes Thema und es war für mich eine Herausforderung das zu erklären in so kurzen Worten und so, ich glaube auch dass es nicht so viele Leute verstanden haben was ich damit meine[…]“

    A:“Fandest du da die Anonymität da hilfreich?“

    B:“Tatsächlich schon, ich hab mich sicher gefühlt in dem Moment das zu schreiben und sowas. Ich glaube das wenn die Leute um mich gestanden wären und gesagt hätten „das ist doch scheiße, das ist voll falsch“, dann würde ich das glaube ich mich auch nicht trauen.“

    A:“Wenn man jetzt einfach so auf die Toilette als Raum blickt: was bedeutet so dieser Raum für dich? Also auch im Vergleich zum digitalen Austausch oder so offizielle Orte des Ausdrucks?“

    B:“Im Internet fänd ich das gar nicht so anonym sogar, wenn ich das auf Reddit poste ist das trotzdem mein Name und sowas, ich glaube ich würde mich nicht so sicher fühlen.“

    A:“Denkst du, dass Toiletten ein Ort für marginalisierte Stimmen sind, die nicht immer den Raum finden sich ausdrücken zu können?“

    B:“Schon, also ich habe mich tatsächlich nirgendwo so sicher gefühlt wie dort auf der Toilette (lacht). Ist schon ein schöner Ort mit den vier Wänden, man geht raus und man kann gar nichts mehr nachverfolgen.“

    A: „Gibt es Aussagen die du gelesen hast, die dich besonders berührt oder zum nachdenken gebracht haben?“

    B:“Natürlich Hammer und Sichel und natürlich auch als ich die Antworten darüber bekommen habe, also jetzt schaue ich da mit einem lächeln drauf, aber als ich das zum ersten Mal gelesen habe diesen Gegenwind, und es war nur Gegenwind, hatte ich so richtig n‘ Stich im Herz. Und da habe ich dann mit meinem Verlobten telefoniert und habe gefragt „Mensch habe ich mich irgendwie falsch ausgedrückt?“, wieso verstehen das andere nicht? Also das hat mir schon weh getan, natürlich.“

    A: „Also obwohl es anonyme Antworten trifft es einen dennoch?“

    B:“Ja, genau. Ich würde gerne den Personen Auge zu Auge sehen und mit denen drüber reden. Und die würden mich verstehen können.“

    A:“Würdest du sagen es ist eine begrenzte Art zu kommunizieren auf Toiletten zu schreiben?“

    B:“Das auch, auf jeden Fall. Ich konnte mich auch selber nicht so gut ausdrücken weil ich auch in einem Wutmoment gefangen war als ich das geschrieben habe. Das kam so richtig aus Emotionen raus: ich möchte mich jetzt hier zeigen und trotzdem denke ich dass es viele falsch interpretiert haben.“

    A:“Welche Rolle spielt für dich Anonymität für Mut, Radikalität oder Offenheit?“

    B:“Sehr große Rolle tatsächlich. Ich würde mich das sonst nicht trauen. Das gibt immer Mut, diese Anonymität. Und trotzdem fühlt man sich empowered wenn man sich ausgedrückt hat, so bisschen: ich hab was für mich getan.“

    A:“Was bedeutet das auf Wände schreiben für dich persönlich?“

    B:“Also das ist einfach so Selbstausdruck, das ist für mich ein kreativer Akt, also meine Kreativität ist für mich Selbstausdruck und Selbstverwirklichung. Das bedeutet das für mich.“

    A:“Würdest du sagen das schreiben und Diskutieren auf Wänden bringt die Leute zusammen?“

    B:“Also auf jeden Fall ist das ein Raum für einen Austausch und das bringt schon Leute so zusammen, auch wenn es so Gegenstimmen gibt. Mich hat das in diesem Beispiel nicht mit den anderen zusammengebracht, die hassen mich (lacht). Aber an sich ist das ein Raum für Austausch und zusammenbringen. Jetzt im Nachhinein betrachtet finde ich es auch nicht schlimm dass es so viel Gegenwind gab, trotzdem gab es Bewegung in dem Thema, dann kann man googeln und kann seine Meinung ändern.“

  • Frauenkämpfe

    Frauen-Leben-Freiheit 

    Im kurdischen Kurmanji ist „Jin, Jiyan, Azadî“ eine Parole der kurdischen Frauenbewegung. Die Parole wurde bekannt nachdem die 22 jährige Mahsa Amini, eine kurdische Iranerin, von der „morality Police“ der IRI (Islamic Republic of Iran) ermordet wurde, da sie dem „Islamic Dresscode“ nicht entprach („Jin, Jiyan, Azadi:” The Kurdish Roots Of The Iranian Protests And How The Arts Can Help Us To Feel Interconnected Struggles – Development Studies At SOAS, 2023).

    Dieser Sticker thematisiert Catcalling und dass dies kein Zeichen von Wertschätzung oder ein Kompliment ist. Catcalling bezeichnet das hinterherpfeifen oder rufen von Menschen und gilt als verbale Belästigung.

    Der Begriff „Toy“ hat seine Wurzeln aus der Graffiti Szene und wird meist als Degradierung genutzt: „Toys“ sind Sprühanfänger*innen oder „schlechte“ Sprayer*innen. In diesem Fall werden „Boys“ oder Männer als „Toys“ beschrieben, also degradiert. Man kann es als Feministische Rebellion gegen das Patriarchat und die Strukturen in diesem sehen.

  • Palästina, Sudan und Kongo

    Der Diskurs über die humanitären Notlagen in Palästina, im Kongo oder Sudan werden im öffentlichen oft sanktioniert. Auch in der Universität Bremen gab es Einschränkungen in den Protesten aus Solidarität für Palästina. In den Toilettenkabinen der Universität finden sich „stille Proteste“ durch Latrinalia, durch denen die humanitären Notlagen und Genozid aufzeigen. Es gibt die Option sich über Themen zu verständigen, die einen beschäftigen und die einem wichtig sind. Der Großteil der Latrinalia fokussieren sich auf Palästina.

    Sticker, die Solidarität für Palästina aussprechen: „Die Gegenwart mag trügen, die Zukunft bleibt uns treu. Ob Hoffnungen verfliegen, sie wachsen immer neu.“- Karl Liebknecht, Zuversicht (1918). Der Olivenzweig der auf dem Sticker zu finden ist, steht für die enge Verwurzelung zwischen Palästinenser*innen und ihrem Land. Olivenbäume sind ein wichtiger Bestandteil der Land- und Privatwirtschaft (OLIVE TREE – Palestine, o. D.).

    Die Latrinalia sind groß und nicht zu übersehen. Auch das Wählen von Großbuchstaben zeigt die Dringlichkeit die Message „Free Gaza“ herüberzubringen. Wenn man sich auf die Toilette begibt ist diese Schrift genau auf Augenhöhe und klar sichtbar.

  • Antifaschismus

    Es finden sich viele linke Codes auf den Toiletten der Universität Bremen. Normalerweise heißt es „1312“ also „all cops are bastards“, in diesem Fall wurden die Zahlen vertauscht, die Message bleibt gleich. Darunter wird der Spruch wiedergegeben.

    „Antifaschismus“ wurde in Deutschland ursprünglich Anfang der 1920er Jahre von der „Kommunistischen Partei Deutschlands“ (KDP) als antikapitalistischer Kampfbegriff eingeführt“ (Antifaschismus, o. D.).

    Es gibt viele verschiedene Arten an Stickern, die mit Antifaschismus zu tun haben. In diesem Beispiel wird Antifaschismus mit dem Hobby oder Sport Volleyball in Verbindung gebracht. Die Antifaschistische Aktion zeigt so, dass sie an vielen verschiedenen Orten und Institutionen zu finden sind und sich klar gegen Faschismus und andere Diskriminierungsformen stellen. Der Spruch „Nazis wegschmettern!“ ist die Verbindung vom Volleyball und politischen Kampf.

  • Öffentlicher Diskurs über die Transfeindlichkeit auf den Toiletten

    Screenshot: Instagram/Bremennext

    Bremennext veröffentlichte am 14.08.2025 einen Beitrag bei Instagram, in dem die transfeindlichen Aussagen auf den Toiletten der Universität Bremen thematisiert werden. Es gab diese Aussagen aber schon seit einem längeren Zeitpunkt. Meine ersten Bilder mit diesem Thema machte ich z.B. am 23.06.2025. Seitdem folgten noch weitere menschenfeindliche Aussagen bis es letztendlich in die Öffentlichkeit gelangte. Es zeigt, dass auch diese „versteckteren“ Austausche, Diskussionen und Aussagen in geschlossenen Räumen große Auswirkungen haben können. In diesem Fall werden die Realitäten vieler Studierenden abgesprochen und diskriminiert. Es ist wichtig, dass das Thema und die Latrinalia an die Öffentlichkeit gelangt sind, da dies aufzeigt, wie diskriminierend selbst die Studierenden untereinander sind und das Transfeindlichkeit weiterhin ein Problem unserer Gesellschaft ist.

    Reaktionen und weitere Maßnahmen der Universität

    Es gibt keine klaren Angaben, was genau gegen die Transfeindlichkeit und menschenfeindlichen Aussagen auf den Toiletten der Universität getan wird. Es wird aber deutlich, dass diese Anonymen Räume auch für negative und menschenverachtende Dinge genutzt werden und zu weiteren Spaltungen innerhalb der Universitätsraums führen können.

    Das AStA stellt sich gegen Transfeindlichkeit, die Universität wolle gegen die Aussagen strafrechtlich vorgehen. Durch die Anonymität der Aussagen gestaltet es sich jedoch schwierig, die Personen ausfindig zu machen. Es ist gut, dass Transpersonen geschützt werden sollen, es ist jedoch wichtig dass dies letztendlich nicht nur leere Versprechen der Universität sind. Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, die Menschen schützen und den Hass innerhalb der Universität beenden.

    Screenshot: Instagram/bremennext

  • Transfeindliche Aussagen auf den Toiletten

    Aussagen, die die freie Entscheidung eine Gender-Affirming Surgery durchzuführen, fälschlicherweise als eine „Verstümmelung der Frau“ bezeichnet.

    „TERF“ bedeutet „Trans-Exclusionary Radical Feminist“ und ist eine Strömung, die Transpersonen, vor allem Trans-Frauen von feministischen Kämpfen ausschließt. Der Begriff wurde ursprünglich von Radikalfeminist*innen selbst verwendet (Bundesverband Trans* und Eckert (2023). In diesem Fall schrieb die Person, dass „Lesben Penisse nicht attraktiv“ finden würden, was letztendlich die Realität von Transfrauen abspricht. Transfrauen sind Frauen, die Geschlechtsteile definieren dabei nicht wer eine Person ist und was sie sein sollte. Insgesamt ist sichtbar, wie viele Menschen sich gegen diese Transfeindlichen Aussagen wehren und sich zusammentun, die Menschenfeindlichen Aussagen weniger Sichtbar zu machen, durch das Durchstreichen, ergänzen und überkleben von Worten.

    Ausschluss von Transpersonen und Transrealitäten innerhalb der LGBTQIA+ Community.

    Man erkennt den aktiven Austausch und die Empörung vieler Menschen, die im GW2 der Universität Bremen auf die Toilette gingen. Es herrscht ein reger Austausch, der Ton untereinander ist rau. Die Anonymität gibt vielen das Selbstvertrauen alles zu sagen, was ihnen in den Kopf kommt, egal wie menschenfeindlich es ist. Die Kommunikation hat viel Bewegung und wirkt schon fast überladen. Durch das Überlappen von Worten und überkleben verliert sich nach und nach der Inhalt. Der Anblick auf die Wand wirkt chaotisch. Der rote Stift, welcher für Transpersonen genutzt wurde, sticht dabei heraus. Die kleinen Absätze mit viel Text sind nur lesbar wenn man nah herangeht. Was ebenfalls heraussticht sich Beleidigungen wie das „FUCK U“. Die Aussage „warum so menschenfeindlich auf Klo“ liegt dabei auf einer freieren Fläche neben der Diskussion und stellt eine ganz grundlegende Frage: wieso ist die Toilette als Ort, Raum für so viel Hass? Ein vulnerabler Ort, vor allem für Menschen die Trans sind. Ein Ort der eigentlich dafür dienen sollte, die menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen, der in diesem Moment durch Hasserfüllte Aussagen zu einem Ort von Ausgrenzung, Hass und Angst für andere wird. Ich persönlich kann nicht nachvollziehen, wie es ist Trans* zu sein, da ich eine Cis-Frau bin und dadurch nicht nachvollziehen kann, wie es ist täglich mit den Anfeindungen und Drohungen zu leben. Es ist schockierend zu sehen, wie viele Menschen sich aktiv gegen andere stellen und sich hinter dem Deckmantel der Anonymität verstecken.

     

  • Mentale Gesundheit

    Auf den Frauen*-Toiletten der Universität Bremen finden sich verschiedene Beiträge zu dem Thema mentale Gesundheit. Sei es der Austausch mit anderen oder Tipps für andere, um den Alltag zu erleichtern.

    Der Druck, als Frau*, FLINTA oder weiblich sozialisierte Person einem gewissen Schönheitsideal entsprechen zu müssen ist von allen Seiten und vor allem zu Zeiten von Social Media spürbar. „You look awesome today! :)“ ist eine kleine Erinnerung daran, sanfter mit sich selbst umzugehen und die eigenen Gedanken auf etwas positiveres zu lenken.

    Liebevolle Aussagen gerichtet an andere: Ein Appell sich selbst zu respektieren und zu lieben.

    Übungen gegen Panik: Auf diesem Sticker werden einzelne Schritte beschrieben, die gegen Panik helfen können. Universitäten sind oft ein Raum von Angst, Druck und Panik. (Mir hat dieser Sticker z.B. auch schon mal geholfen).

    Raum für Frustration und Verbindung: Hier wird die Frustration offen dargelegt, dass die Autor*in dieses Latrinalia dachte, die Universität sei ein Ort um Freund*innenschaften fürs Leben zu finden, was sich in diesem Fall nicht bestätigte. Eine andere Person antwortete mit „ich bin da für dich bby (Baby)“, was als solidarischer Akt gesehen werden kann.

  • Humoristische Latrinalia

    „Alles hat seine Titten“- es ist kein direkter Sinn in der Aussage zu finden, sie zeigt aber wie Willkürlichkeit Humor fördern kann.

    Auch künstlerische Darstellungen sind zu finden. Bei diesem Kunstwerk werden mehrere Farben genutzt. Es entstand ein Latrinalia mit viel Bewegung, Abwechslung und auch politischen Darstetllungen wie z.B. das Venussymbol, was häufig für feministische Kämpfe steht.

     

    Hier wird sich auf eine humoristische Art über den Geruch auf den Toiletten der Universität beschwert. Dabei werden mehrere Optionen als Grund dargelegt, wie eine offizielle Umfrage. Eine weitere Person ergänzte ihre eigene Antwort. Auch wenn man nicht direkt den Sinn hinter den Aussagen erkennt bleibt der Blick auf der Schrift hängen und bringt Humor in die Toilettenkabine. Parallel gibt es einem das Gefühl nicht allein mit dem Thema zu sein und dass auch andere den Aufenthalt auf den Toiletten als nicht angenehm wahrnehmen, was auf die Gerüche zurückzuführen ist.

    Auch sexuelle Inhalte sind zu finden. In diesem Beispiel wird (richtigerweise) auf Konsens geachtet.

    Wir werden durch den Spruch direkt von den geschriebenen Worten angesprochen: die Frage „pissing all by yourself handsome?“ ist an alle Lesenden gerichtet und gibt ihnen ein Kompliment („handsome“).  Eine andere Person antwortete im ähnlichen Stil auf den ersten Satz, auch in einem sexuellen und humoristischen Ansatz.