Dialog im Dunkeln

Vor einigen Wochen wurde uns im Rahmen des Seminars „Einfügung in die inklusive Didaktik“ eine Exkursion zu der Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ mit Workshop angeboten. Dialog im Dunkeln ist eine Ausstellung in welcher einem die Möglichkeit geboten wird sich für 90 Minuten, als Sehender, durch verschiedene abgedunkelte Alltagssituationen in die Welt eines Menschen mit Sehbehinderung hineinzuversetzen.

Zuvor habe ich lediglich von einer Freundin von dieser Ausstellung gehört. Sie wollte mir aber nicht zu viel verraten und erzählte daher nur,dass es eine sehr prägende Erfahrung für sie war und dass ich dieses Angebot, an dieser Führung teilzunehmen, unbedingt annehmen soll. Auch Frau Hegemann-Fonger verriet uns nicht Zuviel. Sie kündigte Dialog im Dunkeln als tolle Erfahrung an und erzählte, dass dies nicht ihr erster Besuch sein würde. 

Als es dann so weit war und wir uns auf den Weg nach Hamburg zur Ausstellung machten waren wir alle gespannt was auf uns zukommen würde. Angekommen in der einladenden Eingangshalle der Ausstellung konnten wir unsere Sinne schon vor Beginn des Workshops und des Dunkelgangs durch kleine Stationen, welche in der Eingangshalle frei zugänglich waren, auf die Probe stellen. An diesen Stationen konnte man Geräusche erkennen, verschiedenste Gerüche zuordnen, mit einer Augenbinde vorgegebene Figuren, anhand von kurzen Beschreibungen, bauen und mit den Händen in einen Kasten greifen und den darin liegenden Gegenstand ertasten. Es gab auch eine Station an der wir an einem Bildschirm, auf welchem Videos zu verschiedenen Kategorien abgespielt wurden, standen. Auf diesen Videos wurde ein Satz zu der jeweilig gewählten Kategorie gebärdet, danach hatte man die Wahl zwischen 4 verschiedenen Antworten/ Übersetzungen. 

Nach einiger Zeit in der Eingangshalle wurde unsere Gruppe zum Workshop aufgerufen. In diesem Workshop unterhielten wir uns mit einer erblindeten Frau. Sie war sehr nett und gewährte uns einen kleinen Einblick in ihre Welt. Wir durften ihr die verschiedensten Fragen stellen. Sie erzählte uns von ihrer Erkrankung und davon wie sie im Alltag zurecht kommt. Nach einiger Zeit im Dialog mit ihr zeigte sie uns wie sie zum Beispiel die Uhrzeit erfährt oder woher sie weiß welche Farbe ihre Kleidung hat. Den Blindenstock stellte sie uns auch vor und erzählte uns auch von unterschiedlichen Sehbehinderungen. Durch ein paar Brillen, welche sie in die Runde gab, konnten wir uns ein wenig vorstellen wie man durch welche Sehbehinderung beeinträchtigt wird. 

Nach 45 Minuten im Workshop gingen wir nun in 2 Gruppen über zum Dunkelgang. Am Anfang bekamen wir jeder einen Blindenstock und wurden von einer blinden jungen Frau in der abgedunkelten Ausstellung empfangen. Die ganze Ausstellung über konnten wir nichts sehen und mussten uns in eine Welt in der man nichts sehen kann hineinversetzen. Wir wurden nach und nach über 90 Minuten durch verschiedene abgedunkelte Räume geführt, welche Alltagssituationen simulierten. Wir mussten uns nun auf unsere anderen Sinne konzentrieren, der Stimme unseres Guides folgen und die Räume ertasten. Während der Führung betraten wir verschiedene Räume. Zuerst betraten wir einen Wohnraum, welcher Küche und Wohnzimmer beinhaltete. Es war eine komplett neue Erfahrung für mich und anfangs hatte ich ein unwohles Gefühl, da ich mich auf einmal nicht mehr auf meinen Sehsinn verlassen konnte und im Dunkeln „tappte“. Nach einiger Zeit jedoch und nach begehen der anderen Räume bekam ich zunehmend ein sicheres Gefühl. Auch wenn ich noch einige male mit meinen Kommilitonen zusammenstieß gewöhnte man sich langsam an die Dunkelheit und auch die Augen, welche am Anfang noch weit aufgerissen waren, entspannten sich langsam.

Während der Führung und besonders im letzten Raum, der Dunkelbar, konnten wir unserem Guide Fragen stellen und sie erzählte uns ein wenig wie es ist, wenn einem die Fähigkeit zu sehen genommen wird. 

Abschließend kann ich sagen, dass diese 90 Minuten im Dunkeln und auch vorab der Workshop ein sehr prägendes Erlebnis war. Es ist seltsam aus diesen abgedunkelten Räumen zu gehen mit dem Wissen gleich „endlich“ wieder sehen zu können, denn bei diesem Gedanken bekam man prompt ein merkwürdiges Gefühl, da den Gudies dies nicht möglich ist. Natürlich macht man sich manchmal Gedanken darüber wie es wäre nichts mehr sehen zu können, jedoch war dieser Dunkelgang und dieser Dialog mit den Angestellten dort sehr beeindruckend und ich bin sehr dankbar für ihre Offenheit uns gegenüber.  

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