RV11// Prof. Dr. Maike Vollstedt// Mathematik ist nichts für Mädchen? Die Genderfrage und ihre Rolle für Mathematik(unterricht)

RV11// Prof. Dr. Maike Vollstedt// Mathematik ist nichts für Mädchen? Die Genderfrage und ihre Rolle für Mathematik(unterricht)

1.Nennen Sie drei zentrale Aspekte, die für eine gendersensible Gestaltung des Mathematik-Unterrichts von Bedeutung sind und erläutern diese kurz. Wählen Sie eines Ihrer Unterrichtsfächer, das nicht Mathematik ist. Inwiefern sind diese Aspekte auch Ihrem Fach relevant?

Ein Unterricht im Jahr 2023 sollte Fächer unabhängig immer gendersensibel gestaltet werden. Lehrer*innen sollten sich der Stereotype und Vorurteile gegenüber ihrem Fach bewusst sein und aktiv dagegen vorgehen. Es herrscht häufig der Irrglaube, dass Jungen in Naturwissenschaften begabter sein als Mädchen, dies führt häufig zu mehr Selbstbewusstsein und Motivation. Durch Fehlverhalten des Elternhauses und der Lehrperson werden Gleiche Anfangsvoraussetzungen schnell zu Ungleichheiten und die Vorurteile werden wieder bestätigt. (Vgl. Folie 37)
Als ersten Aspekt sollte sich die Lehrperson der Vorurteile, die gegenüber ihrem Bereich herrschen bewusst sein und im Unterricht dagegen vorgehen. Der Unterricht sollte immer neutral gestaltet werden und gendertypische Aussagen sollten vermieden werden.
Als zweiten Aspekt ist die Sprachgestaltung wichtig. Es ist wichtig zu wissen welche*r Schüler*in wie angesprochen werden möchte. Die Namen und Pronomen stimmen nicht immer mit der Klassenliste überein, machen aber die Identität der Schüler*innen aus.
Ein dritter Aspekt könnte die Verwendung von Vielfältigem und Repräsentativem Material sein.
Es fängt schon mit Textaufgaben an, wo Vielfältigkeit oft fehlt aber leicht eingebracht werden kann.
Außerdem kann man Lehrvideos verwenden und Schüler*innen in Gruppenarbeiten arbeiten lassen um Zusammenarbeit und einzelne Stärken zu fördern.
Mein Fach Englisch ist auch oft mit Vorurteilen behaftet. Flinta* sprechen Englisch, Cis Männer nicht. Hört sich vielleicht erst einmal komisch an, ist aber leider ein Vorurteil, dem ich schon oft begegnet bin. Es wird oft davon ausgegangen, dass Mädchen und Queere Menschen besser Englisch beherrschen als Jungen. Dagegen möchte ich in meinem Unterricht aktiv vorgehen. Englisch ist für alle* und sollte auch von jede*m möglichst gut beherrscht werden.

 

2.Erinnern Sie sich an eine Unterrichtsstunde, die Sie vorbereitet oder beobachtet haben. Inwiefern spielte eine gendersensible Gestaltung bei der Vorbereitung eine Rolle? Würden Sie es heute wieder so machen? Was würden Sie ggf. ändern?

Da ich leider noch keinen Unterricht gestaltet oder beobachtet habe kann ich dazu nicht so viel sagen. Allerdings würde ich natürlich versuchen meinen Unterricht so gendersensibel wie möglich zu gestalten und es mir auch von meinen Kolleg*innen wünschen.

 

3. Wählen Sie ein Schulbuch Ihrer Wahl zu einem Ihrer Fächer und analysieren einen Abschnitt hinsichtlich gendersensibler Gestaltung. Gehen Sie dabei auf die Verwendung von Darstellungen/Fotos sowie die sprachliche Gestaltung ein. Machen Sie ähnliche Entdeckungen wie Parise (2021)?

Als Beispiel habe ich mir das Buchreihe Green Line ausgesucht. Auf dem Cover eines Buches ist ein Schwarzer Junge abgebildet, was gegen Vorurteile vorgeht und Jungen in ihrer Motivation unterstützt. Außerdem sind die Charaktere sonst auch sehr vielfältig gestaltet und es werden viele verschiedene Kulturen und Thematiken behandelt. Ich habe das Buch selbst in meiner Schulzeit verwendet und hatte nie den Eindruck, dass es Vorurteile sonderlich unterstützt. Auch wenn das Buch keine queeren Menschen repräsentiert, findet man immerhin Jungen und Mädchen, die gleichermaßen an Englisch interessiert sind. Es ist zwar kein schlechtes Buch, könnte aber durchaus nochmal überarbeitet werden.

 

Quellen:
Jungwirth, Helga (2012): Genderkompetenz im Mathematikunterricht. Fachdidaktische Anregungen für Lehrerinnen und Lehrer. Klagenfurt: IMST Inst. f. Unterrichts- u. Schulentwicklung Alpen-Adria-Univ. S.21-31

Parise, Megan M. (2021): Gender, sex, and heteronormativity in high school statistics textbooks.


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Eine Antwort zu „RV11// Prof. Dr. Maike Vollstedt// Mathematik ist nichts für Mädchen? Die Genderfrage und ihre Rolle für Mathematik(unterricht)“

  1. Avatar von Jan
    Jan

    1. Allen drei genannten Punkten kann ich nur vollends zustimmen. Besondere Achtung möchte ich aber besonders dem letzten Teil der Frage geben, da die Probleme, die dort aufgezeigt werden, in meinem Befinden deutlich zu wenig angesprochen werden und da mich das angegebene Beispiel im Fach Englisch, welches ich ebenfalls studiere, auch betrifft. Erst nach genauerer Reflektion nach Lesen der Antwort sind mir eben jene Vorurteile, dass Mädchen und queere Menschen besser englisch Sprechen als Cis Männer, bewusst geworden. In meinem zweiten Fach Geschichte finde ich ein ähnliches Vorurteil wieder, da die Wissenschaft zu Beginn rein männlich praktiziert wurde und lange Zeit auch geprägt wurde, was in dem Vorurteil mündet, Männer wären von Natur aus besser in Geschichte, was selbstverständlich so nicht korrekt ist. Aktiv gegen solche Stereotypen vorzugehen ist, so wie Du selber auch angibst, ein Grundsatz, der meinen Unterricht prägen soll.

    2. Ein ergänzender Kommentar ist aus gleichen Gründen wie in der Antwort nicht möglich. Allerdings stimme ich erneut voll und ganz zu, dass ich gendersensiblen Unterricht praktizieren möchte und mir von den Kolleg*innen wünschen würde, dass sie dies auch tun.

    3. Da die Buchreihe Green Line mir ebenfalls geläufig ist und ich das benannte Cover kenne, stimme ich auch hier zu. Im Generellen fällt die Repräsentation von queeren Menschen, so fasse ich es zumindest auf, in Schulbüchern eher gering aus, wohingegen die Repräsentation anderer Kulturen sich auf einem bereits passablen Niveau bewegt. Nichtsdestotrozt ist es wichtig Stereotypisierung aller genannter Personengruppen zu vermeiden. “[M]ost photographs of female occupations were in roles such as teachers and nurses (Parise, S.6).” Diese Aussage von Parise muss ich leider ebenfalls unterschreiben. Im Großen und Ganzen scheinen Verlage Schritte in Richtung mehr Inklusivität zu machen, jedoch scheint dies noch ein langer Weg zu sein. Da in der Schule neben den zu lernenden Inhalten auch alltägliche Fragen behandelt werden, sollten mehr als nur 0,6% Fragen von Gendergerechtigkeit, einem sehr aktuellen und präsenten Thema im Alltag, den Schulbüchern gewidmet werden. (Vollstedt, Folie 47)

    Quellen:

    Parise, Megan M. (2021): Gender, sex, and heteronormativity in high school statistics textbooks.

    Vollstedt, Dr. Maike (2023): Mathematik ist nichts für Mädchen? Die Genderfrage und ihre Rolle für Mathematik(unterricht). Vortrag vom 19. Juni im Zuge der Ringvorlesung 11 Umgang mit Heterogenität in der Schule (Gy/OS)

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