Wenn ich auf meine eigene Schulzeit zurückblicke, fallen mir kaum konkrete Maßnahmen und Projekte ein, deren Intention es war ein Bewusstsein für soziokulturelle Heterogenität zu schaffen. Meine Erinnerungen sind sehr vage und verschwommen, da meine Schulzeit bereits länger zurückliegt. Eine prägnante Erinnerung an meine Grundschulzeit ist jedoch, dass einige meiner Mitschüler kaum bis gar nicht der deutschen Sprache mächtig waren, obwohl sie und in den meisten Fällen auch ihre Eltern in Deutschland geboren wurden. In einigen Fällen haben die Familien besagter SuS zu Hause nur in der Muttersprache kommuniziert und die SuS kamen erst in der Grundschule das erste Mal intensiv in Kontakt mit der deutschen Sprache. Die betroffenen SuS wurden direkt in dem normalen Schulalltag integriert und hatten innerhalb kürzester Zeit ihre Sprachdefizite revidiert.
Um diese Situation differenziert zu reflektieren fehlen mir jedoch die nötigen Erinnerungen, ich kann nicht beurteilen ob es speziellen Sprachunterricht für die SuS gegeben hat.
Indessen bin ich durchaus in der Lage den Lernerfolg zu beurteilen. Es war für die besagten SuS von großem Vorteil direkt in den Regelunterricht integriert zu werden, sie waren direkt mit der Sprache konfrontiert und wurden somit zu einer Auseinandersetzung mit der Sprache gezwungen. Die Sprachdefizite waren nie der Grund für Diskriminierung oder Ausgrenzung durch andere SuS, was zu einer weiteren positiven Sprachentwicklung führte.
Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus sind meiner Meinung nach Folgen von Unwissenheit, Ablehnung von Unbekanntem und Angst. Aber gerade dem kann man im Zuge der soziokulturellen Heterogenität entgegenwirken. Als angehende Lehrkräfte fällt uns die Aufgabe zu Vorurteile zu revidieren, Unbekanntes zu ergründen, die Angst vor dem Fremden zu nehmen und Interesse an Neuem zu wecken. Meiner Meinung nach lassen sich Projektwochen dazu nutzen um Verständnis zu schaffen und den SuS neue Möglichkeiten aufzuzeigen.
Als konkretes Beispiel würde ich gerade in den jüngeren Jahrgangstufen Projektwochen nutzen, um die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft aufzuzeigen. Dazu würde ich Aufgaben bearbeiten lassen, in Bereichen die jeden Schüler und jede Schülerin mit einander verbinden. Die gemeinsame Zubereitung eines Menüs mit Gerichten aus den jeweiligen Heimatländern könnte Anlass sein, Geschichten zu erzählen oder Fragen nach Bräuchen, dem Leben in dem Land oder der Religion zu stellen. Eine solche Aktion schafft auf eine spielerische Art ein Bewusstsein für die soziokulturelle Heterogenität und fördert zur gleichen Zeit die Akzeptanz des Anderen und die Homogenität als Klassengemeinschaft.
Projektwochen, Ausflüge und Aktionen die ein Bewusstsein für soziokulturelle Heterogenität schaffen, sind meines Erachtens in der Interkulturellen Bildung einzuordnen. Durch das Wissen um Heterogenität und die Akzeptanz dieser, wird das Risiko von Diskriminierung und Rassismus vermindert. Weswegen ich Maßnahmen die das Ziel einer Reduktion von diesem Verhalten haben, durchaus der antirassistischen Pädagogik zuordnen würde.
Um meine Erfahrungen als Grundschülerin aus einem objektiveren Standpunkt aus zu reflektieren, ließe sich als Beobachtungsthema für das Praktikum die Sprachentwicklung von Flüchtlingen analysieren, die direkt in den Regelunterricht aufgenommen wurden sind. Des Weiteren stellt sich mir in Hinblick auf das Orientierungspraktikum die Frage, in wie weit ich mit meinem Verhalten eine Vorbildfunktion einnehme, um den Umgang mit Heterogenität und ihrer Akzeptanz zu fördern.
Es ist meiner Ansicht nach wichtig die Aufmerksamkeit und das Verständnis für Heterogenität so früh wie möglich an die SuS heranzutragen. Je jünger Kinder sind, desto unvoreingenommener gehen sie auf Neues, ihnen unbekanntes ein. Wenn man früh beginnt SuS auf die Heterogenität unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen und für Verständnis und Akzeptanz zu werben, werden viele Ursachen die zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus führen können minimiert werden.


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