Kippa

Von: Felina Semmler

Der Kurzfilm „Kippa“ thematisiert den Antisemitismus gegenwärtig in den Schulen. Trotz vermeintlicher Offenheit und Multikulturalität an Schulen, werden Menschen des jüdischen Glaubens diskriminiert. Ebendies erlebt der Junge Oskar an seiner neuen Schule. Ab dem Zeitpunkt der Bekenntnis zu seinem Glauben wird er von seinen neuen Freunden schikaniert, körperlich angegriffen und bedroht. 

Oskar zieht zunächst keine Verbindung zwischen seiner Religion und der offensichtlich starken Ablehnung seiner „Freund“. Seine Verzweiflung über das Mobbing und die Diskriminierung wird immer größer, seine Eltern fühlen sich macht- und hilflos, besonders angesichts der Reaktion der Schule. 

Die Normalität und Geborgenheit innerhalb der Familie steht im starken Kontrast zu der drastischen stimmungstechnischen Änderung an der Schule und in der Klasse. Die Lehrer*innen und die Schule reagieren weder auf die Versuche der Mutter dies zu thematisieren, noch auf gewaltgeladene Situationen im Unterricht. Sehr plakativ wirkt daher der Schriftzug am Schulgebäude „360° – Weltoffen“,  der gezeigt wird, als Oskar die Schule verlässt, nachdem die Situation eskaliert ist. 

Der Film bietet einige Momente des Unverständnisses, seitens des Zuschauers, für die Täter, aber auch für den Umgang der Schule mit dieser Thematik. Hierbei ist vor allem die Ignoranz der Schulleitung etwas, das sehr problematisch ist. Diskriminierung, egal aus welchem Grund, darf besonders in öffentlichen Einrichtungen nicht geduldet und schon gar nicht runtergespielt werden. Ebendies setzt „Kippa“ sehr gekonnt in Szene. Er prangert die aktuelle Situation an und zeigt Schwachstellen auf, die eine Eskalation der Situation nicht verhindern. 

Vor allem die Darstellung von Oskars Verzweiflung und seinem Unverständnis bezüglich des Stimmungsumschwungs zwischen ihm und seinen „Freunden“ verdeutlichen die Absurdität der Diskriminierung. Der Film schafft einen emphatischen Zugang zum Antisemitismus der heutigen Zeit und transportiert die bisher bekannte Thematik in die Gegenwart. Anhand der Kürze und dem Inhalt des Films bietet sich dieser Kurzfilm auch für den Einsatz an Schulen, bezüglich des Gegenwartsbezugs von Antisemitismus im Geschichtsunterricht, an. 

Mir gefällt die Umsetzung der Thematik, sowie die filmische Darstellung, sehr gut. Die Darstellung, die eher unaufgeregt und ruhig ist, steht im Kontrast zu der Thematik und wirkt somit unterstützend zum Inhalt. Die filmische Darstellung wirkt wie ein Fenster, das den Zugang zu der Auseinandersetzung mit heutigem Antisemitismus ermöglicht.

Kippa | DE |2018 | Drama | Lukas Nathrath | 26 min. | Riccardo Campione, Samy Abdel Fattah, Dominik Ganser, Susann Uplegger, Frank Auerbach | FSK unbekannt

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