- Ein Beispiel aus meiner Schulzeit war aus meiner Mittelstufenzeit, als der Coronavirus alle Schulen in Deutschland geschlossen hatte. Dabei wurden die vier Felder von Bourdieus Kapitaltheorie gut dargestellt und die Probleme des Distanzunterrichtes gut aufgezeigt. Die vier Felder unterteilen sich in: Ökonomischem, Kulturellem, Sozialem und dem Symbolischem Kapital (Bourdieu 1983; 1992). Unsere Schule musste lange auf die Ipads warten, wodurch manche Schüler aus meiner Klasse nicht am ZOOM-Unterricht teilnehmen konnten, da sie kein Geld für eigene Geräte hatten, um an den Konferenzen teilnehmen zu können (das unterschiedlich große ökonomische Kapital zwischen den einzelnen Schülern spiegelt sich hier wieder). Ihnen wurde dann immer nur gesagt: „Dann musst du das halt alleine oder mit deinen Eltern nacharbeiten.“ (wodurch sie auf ihr soziales Kapital angewiesen waren). Da bei manchen von ihnen die Eltern kein Wort oder nur gebrochen deutsch sprachen und sie keine Geschwister hatten um Hilfe zu bekommen, wurden sie im Deutschunterricht von den anderen abgehängt und haben am Ende auch noch Ärger dafür bekommen, dass sie die Aufgaben ohne jegliche Unterstützung nicht geschafft haben. Als wir die Ipads hatten und alle am Online-Unterricht teilnehmen konnten gab es nach wenigen Sitzungen eine neue Regel: Sobald ein Schüler zweimal ein türkisches Wort sagt fliegt er aus der Sitzung, beim ersten mal gibt es noch eine Erinnerung und beim zweiten mal fliegt er ohne Kommentar raus (wodurch das symbolische Kapital von den türkisch sprechenden Schülern eingeschränkt wurde, durch die Abwertung ihrer Sprache und das kulturelle Kapital verringert wurde, da sie ihre Kultur nicht „benutzen“ dürfen und diese auch durch diese Regel unterdrückt wird). Dieses Beispiel zeigt wie meine Mitschüler in jedem der vier Felder von Bourdieus Kapitaltheorie abgewertet oder benachteiligt wurden, da die Regeln nur auf die türkische Sprache und nicht auf alle fachfremden Sprachen bezogen wurden und sowas darf in der heutigen Zeit nicht mehr passieren.
- Mich hat das Beispiel von Dr. Dennis Barasi mit den leicht verständlichen Elternbriefen zum nachdenken angeregt und auch davon überzeugt, dass ich dies später versuche so gut wie möglich umzusetzen. Durch das gut verständliche schreiben verhindert man, dass sich die Elternteile ausgeschlossen fühlen und gibt dadurch auch ein Zeichen, dass man sich mit ihnen verständigen und austauschen möchte, um die Schullaufbahn des Kindes so gut wie möglich gestalten zu können.
Quellenangabe:
- Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale
Ungleichheiten. Übersetzt von Reinhard Kreckel. Göttin-gen: Otto Schwartz & Co. (Soziale Welt Sonderband, 2), S. 183-
198 - Bourdieu, Pierre (1992): Sozialer Raum und symbolische Macht. In: Pierre Bourdieu (Hg.): Rede und Antwort. Frankfurt am
Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1547 = N.F., 547), S. 135–154.


Diskussion (0)
Es gibt keine Kommentare zu diesem Dokument vor.