März
17
Plan B
März 17, 2026 | | Schreibe einen Kommentar
Ursprünglich haben wir ja geplant Interviews in einem Plattenladen zu führen, um dort direkt mit musikaffinen Personen ins Gespräch zu kommen. Dieser Zugang wurde uns jedoch verwehrt. Wer konnte damit rechnen? Nun standen wir wieder auf der Straße mit keinem Ergebnis und waren dadurch auf einmal gezwungen unser Vorgehen umzuwerfen und anzupassen. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass das als unser erster wichtiger Moment der Forschung verstanden werden kann, da uns wohl oder über klar wurde, dass solche Feldzugänge nicht selbstverständlich sind sondern eben auch teilweise ausgehandelt werden müssen.
Weiter also zu Plan B, welcher sich schlagartig entwickelte. Somit entschieden wir uns für spontane Straßeninterviews, bei welchen wir unsere Fragen direkt in der Öffentlichkeit an die Bevölkerung Bremens richteten. Innerhalb von circa einer Stunde sprachen wir ungefähr 30 Personen an. Der nächste Dämpfer stand unmittelbar bevor. Es stellte sich heraus, dass von dieser Menge an Menschen nur ein sehr kleiner Teil bereit war, mit uns zu sprechen. Letztlich konnten wir sieben verwertbare Gespräche führen. Wir haben extra probiert Leute anzusprechen, die bereits Kopfhörer trugen, um die Schwelle zum Musik-Talk möglichst niedrig zu halten. Dies stellte sich aber als gar nicht mal so leicht heraus, da diese Personen von den Kopfhörern wie abgeschirmt wirkten. Später kamen wir zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Kopfhörern um eine Art von „sozialer Barriere“ handelte, was sie sehr schwer ansprechbar machte.
Wo ich hier schon von Ergebnissen schreibe, hier sind unsere der Forschung:
Unsere erhobenen Daten weisen verschiedene Muster auf, die hin und wieder auftraten. Als aller erstes wurde uns beiden durch das Betrachten unserer Ergebnisse bewusst, dass die „musikalische Sozialisation“, wie ich es jetzt mal so nenne, häufig aus der Familie heraus entsteht. Die Befragten gaben hin und wieder an, dass sie in ihrer Kindheit häufig die Musik von ihren Eltern oder Geschwistern gehört haben. Das entstand dann auch durch gemeinsame Alltagssituationen oder über das Radio. Der eigene Musikgeschmack hat sich dann eher später Entwickelt durch neue soziale Einflüsse.
Das nächste Ergebnis, was wir entnommen haben ist die Veränderung der eigenen Hörgewohnheit im Laufe des Lebens. Wie eben schon erwähnt verlief der Musikgeschmack der Befragten in der Kindheit eher fremdbestimmt über die Eltern oder eben auch die Geschwister aber die Befragten beschrieben in den Interviews im Laufe des Alters eine voranschreitende Individualisierung von ihrem Musikgeschmack. Hierbei wurden beispielsweise Genres wie Hip-Hop, Indie oder auch alternative Musik genannt, in die sie quasi nicht „hineingeboren“ wurden.
Wir beiden waren uns im Anschluss sehr einig, dass die Frage nach der Musik als „Kapitel der Lebensgeschichte“ fast am interessantesten war, weil sich hier deutliche Unterschiede gezeigt haben. Manche Personen beschrieben Musik für sich so, als wäre sie eng mit der eigenen Lebensgeschichte verknüpft, also beispielsweise mit Lebensphasen oder Beziehungen oder anderen emotionalen Zuständen, wobei andere hingegen die Musik als eher funktional ansahen. Hier beispielsweise als Konzentrationshilfe zum Lernen. Das hat für uns wunderbar unterstrichen, dass die Musik für uns alle nicht die gleiche symbolische Bedeutung hat.
Wir haben unter anderem auch gefragt, ob die Musik im Leben auch als Grundlage für Freundschaften gedient hat. Hier gingen die Antworten etwas auseinander. Aus den Antworten konnten wir für uns ziehen, dass die Musik in sozialen Beziehungen meistens eher eine begleitende Funktion übernimmt, anstatt für diese zu sorgen.
März
17
Planänderung
März 17, 2026 | | Schreibe einen Kommentar
Gegen Mittag trafen wir uns im Viertel vor dem Laden Black Plastic. Wir sahen uns vorher kurz noch einmal die Fragen an, die wir stellen wollten und wiederholten geistig nochmal unser geplantes Vorgehen. Mit großer Zuversicht betraten wir den Laden. Der Verkäufer am Tresen schien uns erst gar nicht wirklich bemerkt zu haben, daher zögerte ich und wartete, bis er uns sah. Ich sprach dann nervös das erste Wort und erklärte, dass wir Studenten sind und dass wir für unseren Blog gerne wenn möglich ein paar Fragen stellen wollen. Der Verkäufer sah mich betrübt an und schüttelte bereits beim ersten Wort, das ich sprach, langsam den Kopf bis ich aufhörte zu reden. Er meinte dann nur “Nein nein, ich habe keine Lust, mein Kollege ist nicht da und ich bin krank. Ich habe keine Lust mit euch zu sprechen.”
Wir mussten dann diese Antwort akzeptieren und verließen enttäuscht wieder den Laden. Wir waren sehr frustriert, dass das nicht geklappt hat. Wir überlegten uns dann einen Plan B und fingen an, die Menschen die an uns vorbei liefen und offensichtlich Musik hörten zu fragen, was sie denn gerade so hören. Wenn wir nicht abgewimmelt wurden, stellten wir auch weitere Fragen. Mehr dazu im nächsten Beitrag.
Dez.
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Black Plastic
Dezember 9, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
Black Plastic ist der Plattenladen für den wir uns interessieren. Ob wir diesen Standort schlussendlich zum forschen verwenden können bleibt noch offen.
Den Plattenladen gibt es seit 2019 in Bremen. Es gibt auch einen zweiten, deutlich größeren Standort von Black Plastic in Dortmund. Die Inhaber des Ladens in Bremen sind das „Schallplatten Spezialisten Team“, bestehend aus Michael Kosslers und Valentin Gube. Weitere Mitarbeiter dort sind Olli, Thimo, Marc und Guido. Auf ihrer Website beschreiben sie sich als Fachleute mit geballter Fachkompetenz und viel Liebe zur Schallplatte. Sie betonen auch, dass uns die Leidenschaft Musik miteinander zu teilen verbindet, auch wenn Menschen ganz unterschiedliche Musikgeschmäcker haben. Valentin hat den Laden mit aufgebaut und kümmert sich um den An- und Verkauf und um Veranstaltungen, entweder auf Messen oder im Laden. Michael leitet den Onlineshop auf Discogs und kümmert sich dort um den Export.
Der Plattenladen im Viertel ist 40 Quadratmeter groß und bietet sowohl neue als auch gebrauchte Schallplatten an. Dort kann man dann stöbern, fachsimpeln oder auch Musik hören. Wenn man seine Schallplatten verkaufen möchte, kommen die Mitarbeiter die im Laden arbeiten auch gerne zu einem nach Hause, holen die Sammlung dort ab und bringen sie nach Bremen in ihren Laden, um sie dort weiterzuverkaufen.
Dez.
2
Ausflug zum Plattenladen?
Dezember 2, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
Wir haben uns den Gedanken gemacht uns mit Plattenläden in Bremen auseinanderzusetzen, da ein Plattenladen ein Ort ist, an dem viele Menschen mit dem gleichen übergeordneten Ziel, sich auf dem ein oder anderen Wege mit Musik auseinanderzusetzen, aufeinander treffen. Hier würden wir gerne mit Inhaber*innen sprechen, da diese über einen direkten Einblick verfügen und bestimmt etwas über ihre Kunden und deren Musikverhalten berichten können. Idealer Weise wäre ein Laden, wie zum Beispiel „Black Plastic“ im Viertel, da ich da selbst schon Musik in From von Platten erworben habe und sich ein guter Freund von mir schon mal im Uni-Kontext mit dem Geschäft auseinander gesetzt hat und die Möglichkeit bestünde.
Nov.
18
Erste mögliche Interviewfragen (18.11.)
November 18, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
Uns interessiert der persönliche Kontext. Möglicher Titel „Persönliche Musikgeschichte und ihre soziale Bedeutung“. Der Titel ist aber etwas unkreativ. Alternativ finde ich „Playlist des Lebens“ gut.
Ich habe mir ein paar Interviewfragen überlegt. Dabei stellt sich mir gleichzeitig auch die Frage, ob wir die Geschichte eines einzelnen Menschen oder die Geschichten von mehreren erzählen sollen. Mögliche Interviewfragen:
Welche Musik hast du in deiner Kindheit viel gehört?
Wie haben sich deine Hörgewohnheiten über die Jahre verändert?
Gibt es Songs, die sich wie Kapitel deiner Lebensgeschichte anfühlen?
Weiterhin würde ich die Fragen gerne tiefgründiger gestalten. Dabei stellt sich mir die Frage, wie ich das machen kann, wenn ich diese Menschen gerade erst kennengelernt habe. Daher müssen wir dabei vorsichtig sein. Was mich aber jetzt grob interessiert sind die Fragen:
Wie nutzt du Musik um Gefühle zu verarbeiten?
Gibt es Songs die du mit wichtigen Momenten verbindest?
Weitere Fragen sollen sich auf die Gemeinschaftsbildung beziehen. Dabei könnte man die Leute fragen, ob sie sich zu irgendwelchen Szenen dazugehörig fühlen und welche Werte oder Haltungen sie mit dieser Musik verbinden. Weitere Fragen:
Hast du über Musik Freundschaften gefunden?
Bist du im Austausch mit anderen Fans?
So weit erstmal.
Nov.
18
Location und Erlaubnis? (18.11.)
November 18, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
Jemand hatte mir vorgeschlagen (ich glaube es war mein Vater), dass beispielsweise ein Plattenladen ein idealer Ort wäre, um für unser Thema zu forschen. Das habe ich sofort aufgegriffen und notiert, da ich diesen Ort für die Forschung persönlich besser finde als ein Live-Club oder Konzertlocations. Denn in einem Plattenladen ist es erstens ruhig, die Leute kennen sich meist gut mit Musik aus (denn dafür sind sie wahrscheinlich dort) und die Umgebung ist übersichtlicher. Ein Plattenladen den ich persönlich kenne und wo ich gerne hingehe, ist Hot Shot Records in der Knochenhauerstraße.
Gleichzeitig kommt mit so einer Location natürlich die Frage, wie es da mit der Erlaubnis aussieht. Das wir dort Menschen befragen möchten muss mit den Leuten die dort arbeiten abgesprochen werden. Ich fühle mich unwohl bei dem Gedanken, Leute dort bei ihrem Einkauf zu „stören“, da ich es selbst kenne, wenn man von Fremden zu irgendwas befragt wird. Der erste Gedanke ist bei mir immer, dass mir irgendwas angedreht werden soll (zB ein Job oder so). Daher könnte man das ganze evtl. etwas inoffizieller gestalten und nicht jede Person „abfangen“ die uns entgegen kommt, sondern ganz natürlich mit den Leuten ins Gespräch kommen und mit Erlaubnis festhalten, was sie uns berichten. Das wäre für mich eine kleine Überwindung, aber durchaus machbar.
Um Daten zu sammeln, können wir Notizen machen und den Ton aufnehmen. Dafür bräuchte man ein entsprechendes Aufnahmegerät (oder mit dem Handy, je nach dem wie gut das klingt). Ich frage mich wann man anfängt das Interview festzuhalten, wenn man mit den Leuten erst in ein natürliches Gespräch kommen möchte.
Nov.
11
Mitarbeiter Nr. 2
November 11, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
Moin!
Mein Name ist Mads und ich beteilige mich nun an diesem Blog und dem mit einhergehenden Forschungsthema „verschiedene Musikkulturen in Bremen“. Ich habe soeben den Zugang zu diesem Blog von Jan erhalten und bin nun in der Lage Beiträge zu verfassen und meine Gedanken zu dem Thema hier zu teilen. Aktuell sind wir beiden von unserem ersten Versuch ein paar Daten auf dem Campus der Universität Bremen zu erheben zurückgekommen und sammeln unsere Gedanken dazu. Wir haben uns in der kurzen Zeit für die Methode des teilnehmenden Spaziergangs entschieden und sind im Zuge dessen über den Boulevard spaziert aber dazu im Blogeintrag „Teilnehmender Campus-Spaziergang“ mehr.
Nov.
11
Teilnehmender Campus-Spaziergang
November 11, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
In dem Digital Storytelling Seminar heute am 11.11 haben wir uns erstmals einer praktischen Übung gewidmet und sind in der Pause des Seminars gegen 16.00 bei Dämmerung über den Campus spaziert. Unser Ziel hat sich während des Spaziergangs ergeben und zwar wollten wir erst einmal beobachten, wie viele Menschen dort überhaupt aktiv Musik hören. Von allen Leuten die uns während der nur 10 Minuten entgegengekommen sind, konnten wir etwa 16 Menschen entdecken, die Kopfhörer im oder auf dem Ohr hatten. Dies waren entweder In-Ear oder Over-Ear Kopfhörer mit Kabel oder Bluetooth. Diese Personen waren alle augenscheinlich alleine unterwegs. Für die knappe Zeit die Mads und Ich unterwegs waren, haben wir also erstaunlich viele Menschen gesehen die nach unserer Vermutung aktiv Musik oder Podcasts konsumiert haben. Hätten wir uns immer genau aufgeschrieben, wenn uns eine Person mit Kopfhörern entgegenkommt, könnten wir eine genauere Zahl nennen.
Auf dem Weg zurück ins SFG sind wir an einem Poster vorbeigekommen, welches für die Lila Eule geworben hat und verschiedene Events listete. Allerdings vergisst man beim reinen Beobachten schnell was oder wer dort eigentlich gelistet wurde.
Nov.
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Vertiefung des Themas
November 10, 2025 | | Schreibe einen Kommentar
Ich wollte ursprünglich untersuchen, wie sich Musikkultur durch die Digitalisierung verändert hat, z.B. durch Streaming oder Social Media. Dabei ist mir aber aufgefallen, dass mich besonders interessiert wie Menschen Musik nutzen, um Gefühle auszudrücken oder zu verarbeiten. Außerdem finde ich spannend, wie Musik Gemeinschaft schafft und gleichzeitig Themen wie kulturelle Aneignung sichtbar macht.