Reflexive Koedukation

Faulstich-Wieland wirbt für den Ansatz der “Reflexiven Koedukation”. Dieser Zugang ließe sich sinnführend um den Aspekt des Umganges mit kultureller Heterogenität zu einem Konzept der “reflexiven interkulturellen Koedukation” erweitern. Welche konkreten negativen Wirkungen könnte ein pädagogisches Arbeiten hervorrufen, das sich bezüglich der hier angesprochenen Heterogenitätsdimensionen nicht diesem (selbst-)reflexiven Prozess stellt?

Meiner Meinung nach ist es wichtig, egal in welchem Zusammenhang oder Fach, stets mehrere mögliche Ansichten, Meinungen und Möglichkeiten aufzuzeigen und die Schüler in ihrem Lernprozess lediglich zu begleiten und zu unterstützen. Es ist wichtig, dass Schüler bereits während ihrer Schulzeit lernen sich selbst und ihr Denken zu reflektieren, andere Meinungen kennenzulernen, für sich im Nachhinein abzuwägen, ob ihre eignen Ansichten eventuell verändert werden könnten.
Wenn ein Lehrer im Unterricht seine Meinung als die einzig Wahre und Richtige präsentiert und infolgedessen jede hiervon abweichende Ansicht verurteilt und für falsch erklärt, nimmt er seinen Schülern hiermit zum Einen ihre persönliche Meinung, zum Anderen zeigt er aber auch, dass es nur diese eine Meinung gibt und andere nicht zugelassen sind. Vor allem in Bezug auf Religion finde ich dies sehr problematisch. Schüler sollten unbedingt lernen für andere Meinungen offen zu sein, auch wenn sie letztlich ihre eigene haben und die andere nicht für sich annehmen, ist es dennoch wichtig zu wissen, dass es andere Ansichten als die Eigene gibt und diese für jeden die subjektiv richtige ist.
Nach diesem (selbst-)reflexiven Prozess sollte jeder Lehrer in der Lage sein, das „Schuldladendenken“ abzulegen, aber auch seinen Schülern zeigen, dass Selbstreflexion sehr wichtig ist.

Wilfried Bos stellt in der Begleituntersuchung zu IGLU 2003 fest, dass Jungen sich in der Tendenz – im Vergleich mit der weiblichen Gleichaltrigengruppe – signifikant weniger sicher in Schule fühlen, deutlich weniger gerne zur Schule gehen und eindeutig häufiger das Gefühl haben, dass sich die Lehrkräfte nicht/wenig um sie kümmern. Wie erklären Sie sich diese Ergebnisse und wie könnte man diese Situation verbessern?

Das hier benannte Problem ist meiner Meinung nach auf das noch sehr immer vorherrschende stereotype Verhalten unserer Gesellschaft zurückzuführen.
Jungs werden von ihren Eltern oft schon dahingehend erzogen, stark zu sein, nicht zu weinen und sich möglichst „männlich“ zu verhalten. Weinen wird in unserer Gesellschaft, ebenso wie Ängste zeigen, immer noch abgewertet und als schwach empfunden. Allgemein ist „Schwäche“ etwas sehr ungern Gesehenes, jeder versucht unabhängig zu sein und sich von den Anderen abzugrenzen, stark ist nur wer alleine klar kommt. Besonders die Jungs leiden unter dieser Weltvorstellung, die meiner Meinung nach vollkommen überheblich ist, denn wer ist schon unabhängig? Niemand kommt ohne die Hilfe Anderer weit, man ist stets auf Andere angewiesen, alleine unsere Nahrungsmittel bekommen wir nicht ohne dass hunderte Menschen daran gearbeitet haben.
In der Schule haben die Jungs von Anfang an das Gefühl, diesem starken Bild gerecht zu werden, möglichst „frech“ rüberzukommen und keine Schwäche zu zeigen. Auch die Lehrer stellen diese Erwartungen an die Schüler, dementsprechend stehen die Jungs hier unter einem enormen Druck, was natürlicherweise ein eher negatives Gefühl der Schule gegenüber hervorruft. Auch dass viele Lehrer eher die lieben kleinen Mädchen bevorzugen fördert das Negativgefühl der Jungs, sie fühlen sich benachteiligt, das zugeben würde aber niemand, da das ein Zeichen von Schwäche wäre.
Mein Appell an die Eltern und Lehrer ist bereits sehr deutlich herauszulesen: die Erziehung frei von stereotypen Elementen zu gestalten, Schwächen zuzulassen und nicht abzuwerten und sich von den gesellschaftlichen Konventionen zu lösen.

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Ästhetische Bildung – Jeder ist ein Künstler

Welche Verknüpfungen sehen Sie zwischen ästhetischer Bildung und dem Heterogenitätsdiskurs, wie er in der Ringvorlesung verhandelt wird?

Eine Verknüpfung zwischen dem Heterogenitätsdiskurs und der ästhetischen Bildung ist zum einen im Bereich der Selbstfindung und Wertschätzung von Andersartigkeit zu finden, zum anderen aber auch darin, dass jeder von uns etwas erschaffen kann wie es kein zweiter könnte.
Nach Beuys kann jeder Mensch ein/e KünstlerIn sein, da jeder eigene individuelle Fähigkeiten und Talente besitzt und dies ganz unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder körperlichen Beeinträchtigungen.
Was von uns als schön, ästhetisch der künstlerisch betrachtet wird ist immer subjektiv, da es von unserer eigenen Wahrnehmung abhängt. Jeder Einzelne geht mit einem anderen Wissen, einer anderen Weltansicht und eigenen Erwartungen durch das Leben und so nimmt er es auch wahr. Dies sollte man immer berücksichtigen wenn es um Meinungen, Einschätzung en und Beurteilungen geht. Eine aufmerksame Wahrnehmung und Reflexion der eigenen Wahrnehmungen sind hierfür natürliche Voraussetzungen.

Welche Formen von ästhetisch-biografischer Arbeit sind in Ihrem Fach sinnvoll, bzw. können Sie sich vorstellen und welche Erfahrungen für Schülerinnen und Schüler entstehen dabei?

In meinen Fächern Französisch und Spanisch spielt die Sprache eine sehr wichtige Rolle.
Grundsätzlich ist Sprache etwas Magisches, da sie manipuliert, beeinflusst, schafft und verändert, häufig ohne dass der Sprecher selbst und auch der Hörer sich dessen bewusst sind.
Die Arbeit von Bruno Pisek und Anna Friz ist in diesem Hinblick interessant. Die Erfahrung mit der eigenen Stimme wird meiner Meinung nach bislang zu wenig berücksichtigt, wie wichtig Intonation, Sprachgeschwindigkeit, Laustärke, aber auch die eigenen Gedanken, Glaubenssätze und Überzeugungen für die Sprache sind wird selten angesprochen. Durch Sprache können Emotionen vermittelt, aber auch hervorgerufen werden, die Art wie ich etwas sage nimmt großen Einfluss auf mein Gegenüber und dessen sollten auch Schüler sich schon bewusst werden.
Was ich gerade in Bezug auf Fremdsprachen festgestellt habe ist, dass jeder Mensch eine andere Stimme entwickelt wenn er in einer anderen Sprache kommuniziert. Dessen sind sich viele Menschen nicht bewusst und dementsprechend wäre das ein Bereich, den ich mit meinen Schülern behandeln werde.

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Interkulturelle Bildung

Diskutieren Sie mit Ihren KommilitonInnen den Umgang der Lehrerin mit Heterogenität. Beziehen Sie sich hierbei auch auf die Vortragsfolien.

Die Reaktion der Lehrerin macht sehr deutlich, dass sie mit dem Umgang mit Heterogenität und vor allem der interkulturellen Bildung an Schulen noch keine Erfahrung gemacht hat, oder sich mit diesem Thema noch nicht ausreichend beschäftigt hat. An ihrem Kommentar ist eindeutig abzulesen, wie sehr ihr Weltbild und ihr Verständnis anderer Kulturen von Vorurteilen bestimmt ist. Sie hat sich offensichtlich nie ernsthaft mit dem Thema Heirat in der Türkei beschäftigt, anders lässt sich ihre Bemerkung nicht erklären. Außerdem scheint sie sich nie gefragt zu haben, ob ihre Schülerin überhaupt eine Verbindung zu dem Heimatland ihrer Eltern und deren „Traditionen“ hat. Heutzutage ist es häufig so, dass die Kinder nicht mehr als einen Urlaub in dem Land, in diesem Fall der Türkei, verbracht haben. Zudem sind die Eltern eventuell selbst eher „westlich“ orientiert, schließlich sind sie nach Deutschland ausgewandert. Hier wird deutlich, wie viele Faktoren berücksichtigt werden müssen wenn es um das Thema Kultur geht. Man kann keine pauschalen Aussagen treffen die dann alle betreffen.

Was mich neben dem bloßen Inhalt ihrer Aussage noch mehr schockt, ist ihre Art das Mädchen vor der gesamten Klasse direkt darauf anzusprechen und eine Rechtfertigung zu verlangen.
Selbst wenn man davon ausgehen könnte, dass in der Türkei grundsätzlich immer der Mann von den Eltern ausgesucht wird, muss das Mädchen dies in ihrer Klausur nicht ansprechen. Wie sie zu diesem Thema steht ist ihre persönliche Meinung und sie ist nicht dazu verpflichtet, diese öffentlich zu machen.

Dieses Beispiel zeigt mir noch einmal wie wichtig es ist, sich der Heterogenität in Schulen bewusst zu sein um mit ihr verantwortungsvoll umgehen zu können. Unwissenheit kann schnell als Beleidigung empfunden werden und um dem vorzubeugen wäre es sehr sinnvoll sich als Lehrer auch dahingehend weiterzubilden.

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Inklusion in Schulen – Eine ganz normale Herausforderung

Wie begründet sich die Umsetzung inklusiver Strukturen im deutschen Schulsystem und worin sehen Sie Widersprüche und Hindernisse mit Blick auf das Schulsystem und soziale Ungleichheit?

Seit einiger Zeit verfolgt das Land Bremen das Ziel der Inklusion an Schulen. Dabei soll die Sortierung der Schüler nach Behinderung, Intelligenz und sozialem Hintergrund in Zukunft vermieden werden und jedem Schüler damit die gleiche Chance auf Bildung bieten. Schüler mit Behinderungen jeglicher Art sollen folglich nicht mehr in Sonderschulen unterrichtet, sondern in das „ganz normale“ Schulsystem integriert werden.
Um diesen Plan umsetzen zu können ist es jedoch nötig, einige Änderungen im System Schule vorzunehmen. Allein die barrierefreie Einrichtung der Schulen stellt zurzeit ein Problem dar und kann nur durch entsprechend finanzielle Mittel behoben werden.
Aber nicht nur die körperliche Behinderung einzelner Schüler stellt die Schule vor eine Herausforderung, sondern auch die unterschiedlichen Lernkompetenzen. Schüler mit Lernbehinderungen, sprich Lernschwierigkeiten, sollen in Zukunft nicht mehr in spezielle Schulen „abgeschoben“, sondern integriert werden. Hierfür ist eine Fortbildung der Lehrer absolut notwendig, da sie auf die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes Einzelnen einzugehen lernen müssen.
Wie man erkennen kann sind einige Umstrukturierungen des Systems Schule notwendig um dies leisten zu können, aber es lohnt sich und darum sollte man diese Hürden überwinden.

Was wird wohl für Sie persönlich in Ihrer zukünftigen beruflichen Tätigkeit die wichtigste spezifische Aufgabe sein, die sich aus der Umsetzung inklusiver Strukturen ergibt und wie muss die Bewältigung der Aufgabe aussehen, damit inklusive Praxis in Ihrer Schule bzw. in Ihrem Unterricht gelingen kann?

Da ich als zukünftige Lehrerin vor den oben beschriebenen Herausforderungen stehen werde, ist es wichtig sich dieser besonderen Aufgabe bewusst zu sein, um sie gut meistern zu können. Wichtig ist vor allem, jeden Schüler als Individuum zu sehen, seine persönlichen Stärken zu erkennen und zu fördern und die Herausforderung dies zu leisten als positiv und nicht als Belastung zu sehen. Außerdem sollte es meine Aufgabe sein, den Klassenzusammenhalt trotz Unterschiede zu fördern und die Kinder dazu anhalten Andersartigkeit als Bereicherung zu sehen und sie dafür zu sensibilisieren.

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