„Sprachliche Heterogenität“ von Herrn Dr. Christoph Kulgemeyer

1.)

In der Vorlesung „Sprachliche Heterogenität“ von Herrn Dr. Christoph Kulgemeyer vom 24.04.2018 wurden u.a. empirische Fakten überprüft. Eine von diesen Hypothesen lautete: „Im Naturwissenschaftsunterricht spielen sprachliche Probleme kaum eine Rolle“. Diese Hypothese könne anhand von folgenden Fakten verneint werden. Der Begriff „Kraft“ z.B. meint in der Fachsprache etwas Anderes als in der Alltagssprache. In einer Unterrichtsstunde würden etwa 9 neue Fachbegriffe aufgeführt werden, Physikbücher würden etwa 1500 bis 2000 verschiedene Fachbegriffe enthalten und in einem üblichen Schulbuchtext ist etwa jedes 6. Wort ein Fachbegriff. Hierbei entstehen Kommunikationsschwierigkeiten zwischen LehrerInnen und SchülerInnen, da die Sprachwirklichkeit dieser zwei Gruppen sich unterscheiden, jedoch angepasst werden sollte.

Eine weitere Hypothese war: „Schüler erreichen bessere Ergebnisse als Schülerinnen in Physik“. Dieser empirische Fakt resultiere aus folgenden Gründen. Die Teilkompetenz variiere zwischen Jungs und Mädchen. Diese würden sich eher für die Anatomie des Menschen oder Phänomenen interessieren, während Jungs in den Bereichen „mentale Modelle heranziehen“ und „Faktenwissen anwenden“ besser sein, was auch in den Schulbüchern überwiegend behandelt und gefragt werden würde. Außerdem würden Jungs durch z.B. Störungen im Unterricht zwei Drittel der Aufmerksamkeit der Lehrkraft bekommen. Auch würden sie eher für ihre brillante fachliche Leitung gelobt werden, während Mädchen eher Lob für Organisation und soziales Verhalten ausgesprochen bekommen würden.

 

2.)

Ich habe in meiner Grundschulzeit die „Innere Differenzierung“ positiv erlebt. Da es in der Grundschule noch keine Einteilung in A, B oder C- Kurse, so wie von der 6.-10. Klasse gab, waren die Leistungen der SuS sehr heterogen. Diese Leistungsdifferenz wurde „aufgegriffen“, indem es zu den meisten Übungsblättern oder auch Arbeiten Zusatzaufgaben gab. Für leistungsstarke und somit auch meist schnelle Schüler dienten diese Zusatzaufgaben in den Arbeiten, um Extrapunkte zu erwerben. Bei Bearbeitung der Übungsblätter mit Zusatzaufgaben hatten die leistungsschwächeren SuS genug Zeit um die regulären Aufgaben zu erledigen und den leistungsstarken SuS wurde nicht langweilig.

 

3.)

Aufgabenstellungen für den Englischunterricht.

a) Describe how the woman and the men are fighting. – Klare Anweisung was genau beschrieben werden soll und einfacher Wortschatz.

b) Examine the most important features oft he picture. – SuS müssen selber entscheiden können, was die wichtigsten Merkmale des Bildes sind.

c) In the corner oft he picture you can see a dog. Examine the most important features oft he picture and interpret them. – Überflüssige Information, SuS müssen bemerken, dass diese keine Rolle spielt; 2 Aufgabenstellungen, die miteinander verknüpft sind.

 

Ob die Aufgaben zu schwierig sind, kann ich daran erkennen, wenn SuS nach unklaren Begriffen der Aufgabenstellung nachfragen. Desweiteren kann ich auf Anhieb nicht herausfinden, wie die SuS die Fragen entgegennehmen. Ich müsste zuerst die Antworten lesen, um herausfinden zu können, ob die Aufgaben verstanden wurden oder nicht.

 

4.)

Liebe Kollegin, es ist klar, dass es nicht einfach sein wird auf die Heterogenität der SuS in den Gesamtschulen einzugehen. Dennoch kann mit „innerer Differenzierung“ ein erfolgreiches Schulsystem geschaffen werden. Abgesehen davon, sollten leistungsstarke und leistungsschwache SuS nicht voneinander isoliert werden. Sie sollten sich auf sozialer Ebene untereinander austauschen und Freundschaften bilden können. Auch denke ich, dass durch diese Freundschaften zwischen den heterogenen SuS leistungsschwächere SuS von ihren Freunden motiviert werden können.

„Doppelte Heterogenität“

1.) In der Vorlesung vom 17.04.18 erläuterte Herr Prof. Andreas Klee uns den Ausdruck „doppelte Heterogenität“, die u.a. in den sozialwissenschaftlichen Fächern wie z.B. Politik und Geschichte von großer Bedeutung sind. Hierfür führte er ein Experiment mit uns Studierenden durch. Er bat uns das Wort „Tisch“ und dann das Wort „Demokratie“ zu definieren. Es stellte sich schnell heraus, dass „Tisch“ viel einfacher und schneller für uns Studierende zu definieren lässt als „Demokratie“. Dies liegt daran, dass „Tisch“ ein strukturierter und „Demokratie“ ein unstrukturierter Begriff ist. Bei unstrukturierten Begriffen ist es schwer eine einheitliche Definition anzugeben, weil jeder eine andere Vorstellung von ihnen hat, da jedes Individuum unterschiedliche Erfahrungen sammelt und somit auch unterschiedliche Perspektiven auf den selben Begriff aufweist.  Dieses Experiment führte Herr Prof. Andreas Klee mit uns durch, um zu verdeutlichen, dass jeder einzelne Schüler eine individuelle Auffassung von unstrukturierten Begriffen haben wird. In meinem Fach Religionswissenschaften ist die „doppelte Heterogenität“ von enormer Bedeutung, da viele unstrukturierte Begriffe und Ausdrücke zentrale Aspekte des Unterrichtsinhaltes darstellen. Gott, Glaube und Gemeinschaft sind alles unstrukturierte Begriffe und werden sicherlich unterschiedlich von SuS definiert. Zudem ist zu beachten, dass innerhalb einer Schulklasse SuS erstens nicht alle der selben Konfession oder gar keiner angehören und zweitens die Inhalte und Werte der jeweiligen Religion innerhalb der Familie Zuhause unterschiedlich vermittelt werden. Dies sind nur zwei Faktoren, die die Denkstruktur der SuS beeinflussen. Wenn nun im Unterricht von einem Letztgültigen gesprochen wird, ist es wichtig die Vorstellungen der SuS zu sammeln und zu sehen an welchen Punkten sich diese überschneiden und differenzieren. Als LehrerInnen ist es wichtig alle Anschauungsweisen zu respektieren und die eigene nicht mit in den Unterricht einfließen zu lassen.

 

2.) Folgende drei Methoden könnten der Erhebung der Vorstellungen von SuS beitragen. Im Allgemeinen sollte innerhalb der Schullaufbahn versucht werden, den SuS Offenheit gegenüber andere Ansichtsweisen beizubringen. Dies erweitert den eigenen Horizont, fördert die MitschülerInnen darin ihre eigene Meinung frei zu entfalten und vermindert Streit. Desweiteren sind Gruppenarbeiten eine Methode, die Diskussionen zwischen den SuS ankurbeln und das Eingehen auf Meinungsunterschiede ermöglichen. Auch kann ein Brainstorming an der Tafel die verschiedenen Gedanken festhalten, gruppieren und differenzieren.

 

3.) Folgende Beobachtungsaufgaben:

  1. Nach Unterschieden suchen, ob sich LerherInnen im Kollegium anders ausdrücken, als wie im Klassenunterricht und ob sich eine Umstellung automatisiert hat.
  2. Schauen, wie und wann die LehrerInne merken, dass die SuS den Arbeitsauftrag nicht verstanden haben und wie sie sich korrigieren.